Schlaglochschäden: Praxistest

Reifenschaden durch Schlagloch Reifenschaden durch Schlagloch

Schlaglochschäden: Praxistest

— 21.02.2011

Vorsicht, Schlagloch!

Tiefe Krater sind Gift für Fahrwerk und Reifen. Wir wollten wissen, ab wann es fürs Auto gefährlich wird, und sind mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten durch Schlaglöcher gefahren.

Der Schnee ist weg, die Wunden sitzen tief. Schlaglöcher übersäen unsere Straßen. Zwar flicken Bauarbeiter wie die Weltmeister, aber noch ist längst nicht jedes Loch wieder zugepflastert. Doch ohne Füllung wächst Asphaltkaries immer weiter. Wer eine dieser Autofallen übersieht, riskiert teure Schäden an Radaufhängung und Reifen. Was genau passiert, hat AUTO BILD im Selbstversuch ausprobiert. Dafür musste unser Audi A4 ein rund zehn Zentimeter tiefes Schlagloch unter die Räder nehmen, mit Tempo 30, 60 und 100. Erstaunliches Ergebnis: Schon ab 60 km/h passierte etwas. Der Reifen war Schrott, ein Loch ziert nun die Seitenflanke des Rades. Ärgerlich, denn in der Regel bleibt der Fahrzeughalter auf den Kosten sitzen.

Überblick: Alle Service-Themen auf autobild.de

Wird per Schild auf Straßenschäden hingewiesen, bestehen kaum Chancen auf Schadenersatz von der Gemeinde.

©Straßenschäden

Unser Tipp: Schlaglöcher bei der Gemeinde beziehungsweise der verantwortlichen Stelle melden. Meist wird dort schnell reagiert und zumindest der Schaden im Straßenbelag repariert. So macht sich ein Schaden bemerkbar: Schlagloch zu spät bemerkt? Schäden lassen sich häufig am veränderten Fahrverhalten erkennen. • Lenkrad steht schief: Spurstange beziehungsweise Bauteile verbogen, Fahrwerkeinstellung verstellt. • Reifen verliert Luft: Reifenflanke oder Felgenhorn beschädigt. Tipp: Löcher lassen sich mit Seifenwasser aus einer Spritzflasche finden. • Pulsieren im Bremspedal: Bremsscheibe hat einen Seitenschlag abbekommen. • Poltern an der Vorderachse: Koppelstangen beschädigt, Lager an den Lenkern ausgeschlagen. Wichtig: Sicherheit geht vor, daher zur Fehlersuche in die Werkstatt fahren.

Auftrag mit durchschlagendem Erfolg

Die Mission: Such ein Schlagloch, und fahre mit verschiedenen Geschwindigkeiten durch. Stelle fest, welche Bauteile bei welcher Geschwindigkeit beschädigt werden. Aber wo sind die Schlaglöcher? Gefühlt sind unsere Straßen ja mit Kratern übersät. Die Realität rund um Hamburg ist anders: weit und breit kein passend tiefes Loch. Erst 100 Kilometer nördlich findet sich ein ordentlicher Krater, auf einer einsamen Strecke, schließlich soll bei unserem Versuch kein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Wichtig zu wissen: Reifen haben ein Schadensgedächtnis, das heißt: Selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten und einem äußerlich unbeschädigten Reifen kann der Unterbau verletzt sein, so wird der Reifen zu einer tickenden Zeitbombe.

Wer zahlt?

Wie groß sind die Schäden bei welchem Tempo und was kann alles kaputt gehen? Die Ergebnisse des Schlaglochtests lesen Sie in der Bildergalerie. Aber wer zahlt den Schaden? Nur in seltenen Fällen gibt es Geld vom Staat, zum Beispiel wenn der Eigentümer der Straße (Baulastträger, etwa der Landkreis) weder die Gefahr beseitigt noch auf sie hingewiesen hat. Aber auch auf den Autofahrer kommt es an: Er muss mit angepasstem Tempo gefahren sein und dennoch keine Chance gehabt haben, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen. Wichtig: Schaden und Schlagloch fotografieren. Ort und Zeitpunkt notieren und den Schaden möglichst schnell melden (bei Autobahnmeisterei, Gemeinde- bzw. Bezirksamt). Gibt es kein Geld von der Behörde, haben zumindest Besitzer einer Vollkaskoversicherung Chancen auf finanziellen Ausgleich. Der lohnt wegen Selbstbeteiligung und Schadenfreiheitsrabatt aber nur bei teuren Schäden am Fahrwerk.
Bernd Volkens

Bernd Volkens

Fazit

Die Straßen sehen aus wie Flickenteppiche. Da kann man sich nicht rausreden, man hätte nicht mit Schlaglöchern im Asphalt gerechnet. Daher gilt: Tempo runter und zur eigenen Sicherheit schön aufmerksam fahren. Zum Schutz der Reifenflanken den Reifendruck leicht erhöhen – 0,3 bis 0,5 Bar mehr sind problemlos möglich. Vorteil: Der Reifen wird stabiler, ist besser vor dem Durchschlagen des Rads geschützt. Wird ein Schlagloch zu spät bemerkt: Vollbremsungen oder starkes Ausweichen vermeiden. Hektische Fahrmanöver könnten einen weitaus schwereren Schaden verursachen.

Fotos: Schlagloch, Straßenschäden

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.