Skoda Roomster

Skoda Roomster

— 08.12.2003

Ein Raum wird wahr

Skoda nennt seine IAA-Studie Roomster. Die Kreuzung von Raum und Roadster geht jetzt auf Werbetour: beim Publikum und im eigenen Konzern. Denn im VW-Programm sucht der Van noch Zustimmung und eine Modelllcke.

Ohne typisches One-Box-Design

Preisfrage: Wie berwindet Skoda ein paar Jahrzehnte Sozialismus, ein (mit Verlaub) ghnend langweiliges Marken-Image und die Fantasie-Mauer in den Kpfen der Kunden? Die Antwort lautet: Mit dem Roomster! Diese Studie sieht aus wie ein Meriva vom Mars oder zumindest, als sei der Van gerade aus einem italienischen Designstudio entlaufen. Auf jeden Fall nicht wie ein Skoda. Aber er ist einer.

Die Reaktion des Publikums, ob auf der IAA in Frankfurt oder in Prag auf der Strae, klingt meist so: "Klasse, aber das ist ein Skoda?" Und dann, nachdem die Wirkung der dynamischen Raumkapsel ein wenig gesackt ist: "Aber er passt zur Marke. Hm, ja, so knnte der Van von Skoda aussehen." Sogar die letzten Betonkpfe im eigenen Haus sollen so reagiert haben. Aufbruch Ost.

Was ist es, das spontan Applaus fr den Roomster weckt? Ohne Zweifel sein sportliches Profil. Endlich zeigt ein Van wieder eine ausgeprgte Motorhaube, die sich breit und bullig wie ein Fnfer-BMW (1,84 Meter) ins Bild drngt. Endlich ein Raumauto, das seine Ntzlichkeit nicht mit einem Allerweltsgesicht spazieren fhrt. Die steiler stehende Frontscheibe zieht sich um die A-Sule herum wie bei einem Jet. "Wrap-around" nennen das die Designer, unser Gehirn assoziiert "Flugzeug" oder mindestens "Sportautos der Sechziger". Auf keinen Fall Van. "Wir wollten weg vom typischen One-Box-Design und den Raum sthetisch verpacken", sagt Skodas Design-Chef Thomas Ingenlath.

Nur rechts ffnet eine Schiebetr

Dass der Skoda mit so viel Emotion nicht gleich den spanischen Konzernbrdern von Seat auf die Fe tritt, dafr sorgt schon die klare, glatte Weite hinter der B-Sule. Nur rechts ffnet eine groe Seitentr, damit die Kleinen nur zur Fugngerseite herausstrmen. Links gibt's hinten keine Tr. Der Beifahrersitz lsst sich um 180 Grad drehen, das lederbezogene Rckbank-Sofa um 75 Zentimeter lngs verschieben. Zwei groe, lngliche Glasfenster im Dach schaffen eine helle, lichte Atmosphre. Alles, ehrlich gesagt, keine weltbewegenden Neuheiten. Aber der Roomster will auch nicht die Einrichtung der Vans neu erfinden, sondern die Verpackung. Und so betrachten wir die Mglichkeit, zwei Fahrrder vor den Sitzen quer zu befestigen, als das, was es ist: ein Show-Gag.

"Wir sind an den Roomster bewusst so unbedarft herangegangen wie Studenten", gesteht Thomas Ingenlath. Sein Design-Team entwarf ohne Produktionszwang, musste sich keine Gedanken machen, wo etwa im glatten Boden ein Auspuff Platz findet. Die eckigen Endrohre sind Attrappe, die Hecktr aus Glas htte in der Groserie kaum eine Chance. Der 4,05 Meter lange Roomster steht auf einer eigens zusammengeschweiten Plattform mit 2,71 Meter Radstand das entspricht keinem vorhandenen Ma im VW-Konzern.

So geht dieses Einzelstck auf Werbetour, denn Skoda fragt damit in alle Richtungen. Erstens das Publikum, ob es einen solchen Van will. Zweitens die Konzern-Strategen, wo das Raumschiff seinen Platz in der Modell-Hierarchie findet. Denn nach der neuen Maxime von VW-Chef Bernd Pischetsrieder sollen Modelle der einzelnen Marken sich nicht lnger kannibalisieren, sondern "ergnzen". Sprich: Ein Skoda-Van muss deutlich anders ausfallen als sein Pendant von Seat.

Markteinfhrung frhestens 2006

Und drittens will der Roomster alle Bedenkentrger antreiben, weil die Zeit drngt. Die Marktlcke, die die Studie anpeilt, gilt als eines der letzten groen Boom-Segmente in Europa. Schon 2006 sollen eine Million in der Klasse bis vier Meter Lnge verkauft werden, einziger Hecht in diesem Teich ist derzeit der Opel Meriva, gerade stt der Fiat Idea dazu. Renault hat einen Van auf Clio-Basis fr Herbst 2004 angekndigt. Der Skoda knnte frhestens 2006 auf den Markt kommen.

Zumindest die Publikumsfrage scheint beantwortet, denn bei unserem Fototermin vor der Prager Stadtburg drngte sich das Publikum um das silberfarbene Ufo. Der Wachwechsel vor dem Hradschin erregte kaum mehr Aufmerksamkeit als der Roomster. Hier ein Foto, dort eine Frage und immer wieder: "Ach, das ist ein ...?" Dabei hat doch Design-Chef Ingenlath das Skoda-Signet nicht nur geschickt aufgefrischt, sondern unbersehbar auf der Hecktr drapiert.

Den jetzt silbernen Vogel werden wir ebenso an knftigen Serienmodellen erleben wie etwa den Khlergrill mit Chromrahmen und senkrechten Streben oder die krftige B-Sule, die dem Unterbewusstsein ein solides Auto suggerieren soll. Nach seinen glnzenden Show-Auftritten beginnt fr den Roomster jetzt seine schwerste Etappe: Marketing und Technik mssen kalkulieren, wie das Auto wirtschaftlich auf die Beine zu stellen ist. Dabei kann der Van noch einiges verlieren, nur hoffentlich nicht seine Flugzeugnase.

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