Steigende Ölpreise in den USA

Teurer Sprit in den USA Teurer Sprit in den USA

Steigende Ölpreise in den USA

— 04.07.2008

Teurer Sprit macht erfinderisch

Der Ölpreis steigt und steigt und mit ihm die Spritkosten – auch im einstigen Billig-Benzin-Land USA. Als Reaktion versuchen sich die Amerikaner jetzt mit kreativen Mitteln im Benzinsparen.

Wer in Holly Springs (Georgia) wegen zu schnellen Fahrens von der Polizei angehalten wird, muss in diesen Tagen tief in die Tasche greifen. Neben dem normalen Strafzettel händigen die Beamten den Temposündern momentan noch eine Rechnung über zwölf Dollar (7,60 Euro) "Benzinpreisaufschlag" aus. So will die Polizei die zusätzlichen Ausgaben wieder herein holen, die ihr entstehen, wenn sie den Temposünder über die Landstraße jagen muss. Die Polizei macht mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme einen guten Schnitt. Um tatsächlich Benzin für zwölf Dollar zu verfahren, müsste sie den Raser mehr als 72 Kilometer weit verfolgen.

Elektrische Golf-Autos liegen schwer im Trend

Selbstgebautes Solarauto: Angesichts steigender Spritpreise setzen US-Amerikaner vermehrt auf Elektrizität.

Das Beispiel zeigt, wie kreativ die Amerikaner in diesen Tagen sind, den hohen Benzinpreisen auszuweichen. Eine Gallone (rund 3,8 Liter) kostet in den Vereinigten Staaten momentan 4,10 Dollar. Das entspricht umgerechnet 69 Euro Cent pro Liter – im Vergleich zu deutschen Preisen zwar wenig, doch für die Amerikaner ein Preissprung von satten 37 Prozent allein seit Ende 2007. Überall im Land gibt es täglich neue kuriose Meldungen von einfallsreichen Benzinsparern. In gleich mehreren Regionen verzeichnet die Polizei momentan einen Anstieg der Unfälle mit Golfwagen. Offenbar benutzen immer mehr Amerikaner die kleinen Elektroautos auf der Straße, um Benzin zu sparen.

Benzinsparer: Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt

Auch für die Cops wird's teuer: Als Tribut verlangt die US-Polizei von Rasern deshalb jetzt einen "Benzinpreisaufschlag".

Utah hat gerade bekannt gegeben, als erster Bundesstaat in diesem Sommer die Vier-Tage-Woche für seine Angestellten einzuführen und dadurch Benzin und andere Energie einzusparen. Auch einige Landkreise in den USA hatten in den vergangenen Wochen schon solche Pläne angekündigt. In Arizona verzeichnet der Club der "Hypermilers" großen Zulauf. Das sind Autofahrer, die mit großer Anstrengung versuchen, möglichst weit mit einer Tankfüllung zu kommen. Sie schleichen weit unterhalb des Tempolimits über die Autobahnen, schalten trotz der Hitze im Wüstenstaat nie die Klimaanlage ein und lassen ihre Wagen wann immer möglich bei ausgeschaltetem Motor die Straße entlang rollen. Fahren sie zum Supermarkt, stellen die Benzinsparer ihre Wagen stets auf Parkplätzen ab, die möglichst weit vom Eingang entfernt sind, dafür aber nah an der Ausfahrt liegen.

Mit solchen Tricks schaffen die Anhänger der Bewegung bis zu 100 Meilen pro Gallone anstatt der durchschnittlichen 25 Meilen bei gewöhnlichen Autos und 21 bei Pick-up-Trucks. An der südlichen Grenze der USA entwickelt sich momentan eine neue Welle des Benzintourismus. Von El Paso (Texas) aus pendeln jeden Tag Hunderte Amerikaner ins mexikanische Juärez, wo es eine Gallone Benzin für 2,66 Dollar gibt. Selbst die Kriminalitätsstatistik der Stadt kann die US-amerikanischen Besucher nicht abschrecken: Ein brutaler Drogenkrieg hat dazu geführt, dass in Juärez pro Tag im Durchschnitt drei Menschen erschossen werden. "Ich fühle mich nicht wohl hier", erzählte Benzintourist George Terrazas, der vor wenigen Monaten in der mexikanischen Stadt Opfer eines bewaffneten Raubüberfalls wurde, der "New York Times". "Aber in Amerika kann ich mir keine Tankfüllung leisten."

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