Strafzettel

Strafzettel im Ausland: Ratgeber

— 29.10.2010

Auslandsknöllchen werden eingetrieben

Gesetzesänderung: Knöllchen aus dem EU-Ausland können nun auch in Deutschland eingetrieben werden. Hier gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Im Ausland schneller unterwegs als die Polizei erlaubt? Halb so tragisch. Wenn sie einen nicht direkt zur Kasse gebeten haben, können sie einem ja nichts mehr. Oder? Ab sofort ist das nicht mehr ganz richtig, denn jetzt können Knöllchen aus anderen EU-Staaten auch in Deutschland vollstreckt werden. Konnten Autofahrer im Ausland gesammelte Strafzettel bislang meistens einfach ignorieren, dürfen sie nun zur Zahlung gezwungen werden. Der ADAC hat die wichtigsten Fragen für Autofahrer zum neuen Vollstreckungsabkommen zusammengestellt:
Ab welchem Betrag wird vollstreckt? Es werden Geldsanktionen einschließlich Verfahrenskosten ab einem Betrag von mindestens 70 Euro vollstreckt.
Werden auch Führerscheinentzug, Fahrverbot und Punkte vollstreckt? Nein. Die Vollstreckung umfasst nur Geldsanktionen. Im Ausland verhängte Führerscheinmaßnahmen gelten nur im Tatortland.

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Wie läuft das Vollstreckungsverfahren ab? Auf Ersuchen des EU-Mitgliedstaats, der ein dort nicht bezahltes Knöllchen in Deutschland vollstrecken will, prüft das Bundesamt für Justiz (BfJ) die Zulässigkeit der Vollstreckung. Der Betroffene wird hierzu angehört und kann in der Anhörung oder im Einspruch gegen den Bewilligungsbescheid darlegen, weshalb die Vollstreckung unzulässig ist. Ohne Einwände wird der Bescheid rechtskräftig und zur Zahlung fällig. Wird nicht freiwillig gezahlt, folgt die Zwangsvollstreckung.
Wann lehnt das BfJ das Vollstreckungshilfeersuchen ab? Das BfJ wird die Vollstreckung verweigern, wenn sie unzulässig ist. Dies ist u. a. dann der Fall,
• wenn das Verfahren in einer für ihn nicht verständlichen Sprache durchgeführt wurde,
• wenn der Betroffene in einem schriftlichen Verfahren nicht über seine Rechte belehrt wurde,
• wenn ein deutscher Kfz-Halter zuvor im Ausland erfolglos Einspruch mit der Begründung eingelegt hat, nicht selbst der Fahrer gewesen zu sein.

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Kann sich der Betroffene gegen die Vollstreckung wehren? Ja. Stellt das BfJ nach erster Prüfung des Vollstreckungshilfeersuchens keine Zulässigkeitshindernisse fest, wird dem Betroffenen eine zweiwöchige Anhörungsfrist eingeräumt. Auch gegen den Bewilligungsbescheid kann Einspruch eingelegt werden. Im Rahmen dieser Anhörung kann der Betroffene geeignete Nachweise (z.B. Einspruchsschreiben) vorlegen, aus denen sich ergibt, dass eine Vollstreckung nicht zulässig wäre.
Werden auch Bußgelder aus Nicht-EU-Ländern vollstreckt? Nein.
Kann rückwirkend vollstreckt werden? Ja. Maßgebend ist das Ausstellungsdatum des ausländischen Bußgeldbescheides. Bescheide, die ab 28. Oktober 2010 erlassen werden, kommen also auch dann zur Vollstreckung, wenn die zugrunde liegende Tat viele Monate vorher begangen wurde.
Was droht bei Wiedereinreise ins Tatortland? Im Tatortland bleiben rechtskräftige Bußgeldbescheide und Gerichtsentscheidungen weiterhin vollstreckbar. Zu einer Vollstreckung kann es dort zum Beispiel im Rahmen einer Verkehrskontrolle kommen.

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