Test Chevrolet Camaro Cabrio — AUTO BILD 22/2007 — 04.06.2007
Offen für alte Ideen
Kein Traum: Mit der Studie, die auf der Detroit Auto Show im Januar 2007 Debüt feierte, gab General Motors ...
Der schönste Platz, um das Comeback der Muscle-Cars zu erleben, ist das Camaro Cabrio: Dach auf und den V8-Sound genießen.
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Die eingezogene Hüfte belebt das Design-Ideal der Sechziger wieder
Kaum zu übersehen, wie sein Team am 69er Camaro Maß genommen hat. Der fast zwei Meter breite Grill steht wieder gepfeilt im Fahrtwind. Grimmig linsen flache Pupillen aus den Ecken. Die Motorhaube ist so lang wie die Mojave-Wüste, die eingezogene Hüfte belebt das Design-Ideal der Sechziger wieder: die Cola-Flasche. Coke Bottle Design. Das ist so von gestern, als ob gleich Jayne Mansfield, die Sexbombe jener Zeit, um die Ecke stiefelt. "Der alte Camaro hatte in seinen vier Generationen seit 1967 zu große Design-Sprünge gemacht", erklärt Brian Smith. Die Ur-Idee hatte GM von Ford geklaut. "Anfangs startete der Camaro als kleines, alltagstaugliches Ponycar wie der Mustang. Das letzte Modell war ein flaches, unübersichtliches Ding, in das niemand mehr einsteigen wollte." 2002 kam das Aus.Smith versteht seine Studie als sanfte Entwicklung des 69er Originals. "Man kann jetzt wieder leichter einsteigen, das Auto ist breiter und leichter zu nutzen." Stimmt. Oder hatte der Designer etwa schon die überwiegend älteren Kunden im Auge, die beim Einstieg leicht Rückenprobleme bekommen könnten? Den neuen Camaro werden sich vermutlich ergraute Baby-Boomer gönnen, die damals nicht genug Dollar zusammenkratzen konnten. Egal, aus dem kleinen Pony ist vierzig Jahre später ein ausladender Hengst geworden. Mit so viel Platz, dass zwischen den Vordersitzen locker ein Sixpack quer hineinpasst. Auch hinten können Erwachsene sich bequem ausstrecken, zumindest solange das Dach geöffnet bleibt wie bei unserem Trip.
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Spritfresser könnten wie Blei in den Showrooms stehen
Also: Es gibt keine Automatik, sondern eine Sechsgang-Handschaltung aus dem Cadillac CTS-V. Keine amerikanische Wackelpudding-Federung, sondern ein knochentrockenes Abrollen, das so manchen älteren Rücken zum Orthopäden treiben dürfte. Und in der Studie säuselt auch kein Sechszylinder wie in den Standardmodellen früher, sondern ein grollender V8 aus der Corvette mit knapp sechs Liter Hubraum. Seine 400 PS garantieren im Cabrio eine stramme Föhn-Frisur. GM nennt zwar keine Fahrleistungen, aber das gleich starke Coupé soll in gut fünf Sekunden auf Tempo 100 sprinten. Hey, so klingt die heimliche amerikanische Nationalhymne: das tiefe Bollern eines starken, durstigen V8. Ewig schön, ewig gestrig. Dieser Motor, im Grunde eine Uralt-Konstruktion, kennt keine oben liegende Nockenwelle, keine Zylinderabschaltung oder ähnlich neumodisches Sparzeugs. Nichts da, der V8 steuert die Ventile noch über Stößelstangen – genau wie zeitlebens alle Motoren im alten Camaro, der nur dank solcher Spartechnik zum "Sportwagen für jedermann" aufsteigen konnte.Im September 1966 kostete das Standard-Coupé 2466 Dollar! Allerdings, und das wird gern vergessen, mit einem Sechszylinder und mageren 140 PS. Solch ein Sparmodell gehört auch jetzt wieder zum Fahrplan bei GM: Ende 2008 erscheint zuerst das Camaro Coupé, wieder mit Sechs- und Achtzylinder-Motoren, um überhaupt auf nennenswerte Stückzahlen – und Rendite – zu kommen. Ein Jahr später folgen das Cabrio sowie nach und nach die altbekannte PS-Folklore – immer stärkere Versionen, die die Namen alter Muscle-Car-Legenden aus den Sechzigern auftragen: SS, 427 oder COPO. Autos, die toll klingen, die eine Menge fürs Markenimage tun und denen trotzdem das gleiche Schicksal droht wie ihren durstigen Ahnen vor 40 Jahren. Sollte der Spritpreis weiter steigen, könnten die Camaro ab 2009 im Showroom stehen wie Blei. Amerikanische Autofahrer spüren schmerzlich, dass ein Besuch an der Tankstelle allmählich so beliebt ist wie der Gang zum Zahnarzt. Aber wer weiß? In Detroit hat GM auch Hybrid-Motoren angekündigt. Vielleicht fährt der Camaro von morgen mit der Kraft von Benzin- und E-Motor – und aus den Boxen dröhnt dazu der Klang der alten Muscle Cars.
Technische Daten: V8-Zylinder-Motor, vorn längs • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 5967 cm³ • Leistung 298 kW (405 PS) • max. Drehmoment 536 Nm bei 4800/min • Hinterradantrieb • Sechsganggetriebe • McPherson-Federbeine vorn, Multilenkerachse hinten • Scheibenbremsen rundum, vorn innenbelüftet • Reifen 275/30 R 21 v./305/30 R 22 hinten • L/B/H 4730/2022/1344 mm • Radstand 2806 mm • Leergewicht circa 1650 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in circa 5,0 s • Höchstgeschwindigkeit 250 km/h

