Test Lada Priora 2170

Lada Priora 2170 Lada Priora 2170

Test Lada Priora 2170

— 22.02.2009

Russische Revolution auf Raten

Der Lada Priora ist günstig. Bleibt aber optisch und technisch ein Typ von vorgestern. Er verfehlt die heute üblichen Standards bei Fahrwerk, Komfort und Qualität einfach zu deutlich.

Der Fortschritt ist unaufhaltsam, auch bei Lada. Nehmen wir den neuen 2170: vier Ventile pro Zylinder und zwei oben liegende Nockenwellen, fünf synchronisierte Gänge – na bitte. Außerdem hat der Wagen Frontantrieb, basiert also nicht mehr auf dem Fiat 124 aus den Sechzigern. Und dazu ABS – auch nicht schlecht. Im Export heißt der Wagen Priora und kostet als "Basic" 8500 Euro, günstig also für ein Auto in Golf-Größe und mit 98 PS. Reden wir über das Design. Okay, das ist wie Brillenträger schlagen. Aber ehrlich, mit dieser Steinzeitoptik ist hier kein Blumentopf zu gewinnen. Innen bemüht sich der Priora zumindest um Anschluss an die Neuzeit. Nur sollte man nicht so genau hinsehen: Einige Plastikteile scheinen aus alten Joghurtbechern recycelt, das nackte Sitzgestell erinnert an Gartenstühle. Immerhin: Die Bedienung ist denkbar einfach, vorn schützen zwei Airbags, und die Seitenfenster funktionieren elektrisch.

Nur für echte Lada-Fans

Das nackte Grauen: unverkleidetes Sitzgestell als Fingerfalle. Das tut aber richtig weh.

Auf Wunsch gibt es Klimaanlage (1200 Euro) und Standheizung (1750 Euro). Der Platz reicht für vier schmale Handtücher, die Sitze sind ausreichend bequem. Gibt der Fahrer dem 1.6er die Sporen, zischt der Lada ab, als wäre eine Sojus 2 im Spiel. Die wackeren Fahrleistungen sind zweifellos das Beste am Priora. Ansonsten kann er nicht verhehlen, dass im russischen Automobilbau noch gilt: Hauptsache, es funktioniert. Der Schalthebel scheint in einer Schüssel Borschtsch zu stecken, die Maschine bietet die Laufkultur einer Kaffeemühle, ab 4000 Touren dröhnt es, dass einem die Augen vibrieren.

Dennoch übertönen die Windgeräusche den Antrieb schon ab Tempo 120. Weitere Strapazen drohen vom Fahrwerk, denn selbst auf ebener Strecke verteilt die Federung des Lada derbe Stöße. Die unpräzise Lenkung macht Kurven, ja sogar schlichtes Geradeausfahren zur Strafe. Das mag echte Lada-Fans nicht erschüttern. Alle anderen allerdings sollten dem Priora besser keine Priorität einräumen.

Das gefällt uns: Der muntere Motor begnügt sich mit 6,7 l/100 km.
Das fehlt uns:
Neben mehr Komfort und Qualität ganz sicher ein ESP.
Das überrascht uns:
Die Hartnäckigkeit, mit der Lada bei uns den Erfolg sucht.

Fazit von Wolfgang König

Ganz ehrlich: Eine Empfehlung können wir für den Lada Priora nicht abgeben. Dazu verfehlt er die heute üblichen Standards bei Fahrwerk, Komfort und Qualität einfach zu deutlich. Und mit Autos wie dem Dacia Logan gibt es mittlerweile fürs gleiche Geld bessere Angebote.
Technische Daten Lada Priora 2170
Motor Vierzylinder, vorn quer
Hubraum 1596 cm³
Leistung 72 kW (98 PS) bei 5600/min
max. Drehmoment 145 Nm bei 4000/min
Tankinhalt 43 l
Testverbrauch 6,7 l S/100 km
CO2-Ausstoss 159 g/km
Spitze 183 km/h
0–100 km/h (Test) 10,8 s
Bremsweg (kalt/warm) 40,9/39,5 m
Leergewicht/Zuladung 1062/ 516 kg
Kofferraum 416 l
Preis ab 8500 Euro

Autor: Wolfgang König

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