Mazda RX-8

Mazda RX-8 Mazda RX-8

Test Mazda RX-8

— 17.11.2003

Die sanfte Kanone

Mit dem RX-8 bringen die Japaner endlich wieder einen Wankel-Sportwagen. Einen, der rasant aussieht, es hoffentlich ist – und dabei nicht so viel säuft wie seine Vorgänger.

In jeder Hinsicht aufregend anders

Unsere Welt wird immer komplizierter. Schön, dass der Mazda RX-8 da eine Ausnahme macht. Wurde es nach Mazda6, 2 und 3 nämlich im wahrsten Sinne des Wortes schon unheimlich schwer, den richtigen Mazda auszusuchen, ist die Sache jetzt wieder völlig klar. Es kann nur der RX-8 sein: fast so rot wie ein Ferrari, fast so schön wie die Venus von Milo und in absolut jeder Hinsicht aufregend anders.

Das beginnt schon, wenn wir in den markant modellierten Fernost-Flitzer einsteigen. Wie ein Himmels-Tor öffnen sich die beiden gegenläufigen Türen und geben den Weg frei in den exklusiven 2+2-Zweitürer. Materialauswahl und Verarbeitung beim Interieur überzeugen zwar nicht an jeder Ecke, das Karosserie-Konzept mit freiem Zugang zu den vier Einzelsitzen dafür umso mehr: keine B-Säule! Wer trotzdem unbedingt was kritisieren will: Die Gummidichtungen zwischen den Türflügeln und darüber sind nicht gerade ansehnlich, und die Hinterbänkler müssen immer über den Gurt der Vorderleute steigen. Dessen obere Aufnahme findet nämlich nur in der hinteren Tür sicheren Halt.

Doch am liebsten sitzen wir ja ohnehin hinterm griffigen, aber leider nur höhenverstellbaren Lenkrad. Der Fahrersitz passt wie ein maßgefertigter Handschuh. Und auch wenn wir in so einem modern eingerichteten Sportstudio mehr Seitenhalt erwarten, vermitteln die tiefe Sitzposition, der Blick über die breit ausgestellten Radhäuser und der zentrale Tourenzähler auf Anhieb Rennatmosphäre.

Glöckchen warnt vor Drehzahl-Übermut

Die zweite Reihe weckt eher die Klaustrophobie in uns. Nicht, dass es hier für Leute bis 1,85 Meter keine menschenwürdigen Platzverhältnisse gäbe. Die winzigen Ausstellfenster, die hohe Gürtellinie und vor allem das Wissen darum, dass die hinteren Schmetterlingstüren nicht ohne die vorderen Pforten geöffnet werden können, sorgen aber für leichte Beklemmung.

Für leichte. Denn schließlich sitzen wir in einem rassigen Coupé mit höchst exklusivem Antrieb. Also, ab auf die Rennstrecke. Doch der Dreh am Zündschlüssel fördert nur ein klägliches Anlasser-Surren zutage, bevor der Motor mit dünnem Stimmchen zum Leben erwacht. Was irgendwie nach kapitalem Motorschaden klingt, erweist sich als typischer Wankelsound. Unter der vorderen Haube des RX-8 rotieren nämlich zwei Kreiskolben.

Und das bei Bedarf ziemlich schnell. Von der ersten Sekunde an hellwach, dreht der Kreiskolbenmotor mit Wankel-Wonne Richtung roter Bereich des zentralen Drehzahlmessers. Dort angekommen, warnt wie schon beim Vorgänger RX-7 ein helles Glöckchen vor allzu unbekümmerten Drehzahlorgien. Wer es dennoch übertreibt und die Nadel Richtung Anschlag schickt, erreicht erst bei sagenhaften 10.000 Touren den Begrenzer. Das kleine, leichte Wankeltriebwerk hat 231 PS, aber das Kammervolumen einer Limo-Flasche: 2-mal 654 Kubikzentimeter, was 2,6 Liter Hubraum entspricht. So entwickelt das Aggregat erst ab 5000 Touren richtigen Sound, fährt der Werksangabe trotz knackiger Sechsgangbox acht Zehntel hinterher.

Finger weg vom ESP-Schalter!

Verglichen mit einem gleich starken BMW Z4 3.0, verliert der RX-8 bis Tempo 100 sogar eine ganze Sekunde – und das bei ungefähr gleichem Gewicht von knapp 1,4 Tonnen. Echte Sportlichkeit vermittelt der sehr gleichmäßige, aber drehmomentarme (211 Nm) Kreiskolbenmotor jedenfalls nur bedingt.

Der Versuch, dieses Manko übers Fahrwerk auszugleichen, mündet beim RX-8 leider in einer recht straffen Federung. Zusammen mit den fetten Reifen im Format 225/45 R 18 beschränkt sich das Schluckvermögen tatsächlich auf das Nötigste, meldet der RX-8 selbst kleinste Fahrbahnfehler so zuverlässig wie ein Hochleistungs-Scanner.

Für sicheren Kontakt zur Straße sorgt schließlich das serienmäßige ESP– auch wenn es mal schneller ums Eck geht als beim Sonntagsausflug. Das zunächst leicht untersteuernde Fahrverhalten wechselt zwar recht unvermittelt und ohne durch Lastwechsel provoziert zu werden ins Übersteuern, die elektronische Straßenwacht hält aber zuverlässig und ohne allzu rüde Regelarbeit den Kurs. Auf jeden Fall gilt: Finger weg vom ESP-Schalter – ohne Elektronikeinsatz neigt der Mazda in schnellen Wechselkurven zum Wankelmut. Und dann sollte ein Profi an der sehr direkten Lenkung kurbeln, denn aus der Mittellage spricht sie ungewohnt verzögernd an.

Kosten und Ausstattungen

Die Start-Lizenz für den Wankel-Mazda gibt es ab 26.300 Euro (192 PS), unser fast komplett ausgestatteter RX-8 Revolution mit 231 PS kostet faire 33.200 Euro. Dazu der für die Wankel-Welt akzeptable Verbrauch von 14,3 Litern – Vorgänger RX-7 brauchte noch fast fünf Liter mehr.

Technische Daten und Testwerte

Der RX-8 trägt vorn innenbelüftete Scheiben mit einem Durchmesser von 323 Millimetern. Bei kalter Anlage steht der Japaner nach sehr guten 37,2 Metern, warm schafft er noch einen Meter weniger.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka Ein reinrassiger Sportwagen mit Kraft im Überfluss und renntauglichem Handling ist der neue Mazda RX-8 nicht. Muss er aber auch gar nicht. Das dynamisch gestylte Sportcoupé mit den raffinierten Schmetterlingstüren und dem exotischen Wankelmotor überzeugt als schneller Schönling der etwas anderen Art. Dass vier Personen auf Kurzstrecken recht anständig reisen und der Spaß bezahlbar bleibt, steht dabei auf der Habenseite – ein mäßiger Komfort auf der anderen.

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