Test Porsche Cayman

Fahrbericht Porsche Cayman Fahrbericht Porsche Cayman

Test Porsche Cayman

— 25.07.2006

Nur ein Maulheld?

245 PS aus 2,7 Liter Hubraum. Über 250 Spitze. Dennoch: Dieser Cayman ist der schwächste aller aktuellen Porsche. Ein erstes Treffen mit dem Cayman S (295 PS) klärt, ob es Defizite gibt.

In 6,1 Sekunden auf Tempo 100

Das Porsche-Selbstbewusstsein sollte für andere deutsche Milliardenverdiener Vorbild sein. Bei der Vorstellung des neuen Cayman gab Topmanager Anton Hunger stolz zu, dass dem Haus Porsche "Rendite vor Marktanteilen" geht. Damit konnte die VW-Beteiligung gestemmt werden, damit wird der neue Viertürer "Panamera" ab 2009 in Leipzig weitere Arbeitsplätze sichern.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking verzichtet erneut auf staatliche Subvention. Immerhin 50 Millionen Euro Steuergelder hätte sein Haus einkassieren können. Wie es sich für eine wirklich freie Marktwirtschaft gehört, nimmt Porsche das Geld lieber von seiner gewiss nicht armen Kundschaft. Die jetzt weltweit pro Jahr um 9000 wachsen dürfte. Denn der "kleine" Cayman ist da, soll 60 Prozent der im Januar vorgestellten Baureihe ausmachen.

Das dürfte ihm keine Probleme bereiten. Denn eigentlich ist er ja ein Boxster. Eben nur mit festem Dach und großer Heckklappe. Vorn verrät ihn die kleine schwarze Spoilerlippe, die beim stärkeren Cayman S in Wagenfarbe lackiert ist. Von hinten erkennt man das

Erkennungsmerkmal: Nur die S-Version hat ein doppeltes Endrohr.

Basismodell am einzelnen Auspuffendrohr, der S hat ein zweigeteiltes. Auf der Straße steht der Cayman mit 17-Zoll-Alus, der S fängt mit 18 Zoll an. Das war es dann auch schon mit den wesentlichen Äußerlichkeiten. Doch neben Fakten besteht ein Porsche vor allem aus Emotionen. Die mit der Bauweise über Jahrzehnte gewachsen sind.

Natürlich steckt im Heck des Basis-Cayman der berühmte Sechszylinder-Boxermotor. Wieder einmal überarbeitet und auf 2,7 Liter und 245 PS reduziert. Für einen Porsche wenig, für einen Normalfahrer immer noch schweres Kaliber. Wie im Boxster, der diesen Motor auch ab sofort bekommt, brüllt er nach innen das Lied der Fahrfreude: In 6,1 Sekunden bringt er die 1,3 Tonnen Leergewicht auf Tempo 100, die Spitze soll bei 258 km/h liegen. Nach außen klingt er gedämpfter, aber natürlich immer noch porschig.

Die Gänge lassen sich herrlich leicht schalten, das Ohr ersetzt dabei den Drehzahlmesser. Wer's mag, kann immer flott die hohen Drehzahlen nutzen, wer schaltfaul fährt, staunt über die Elastizität des Sechszylinders. Leider bekommt ihn keiner mehr zu Gesicht. Er ist perfekt hinterm Rücken der beiden Insassen versteckt, lediglich die zwei Öffnungen zum Wasser- und Ölnachfüllen im hinteren Kofferraum verraten im Stand seine Existenz.

Und auch dieser "schwächste" Porsche wird den Unternehmensgewinn mit Vollgas nach vorn bringen: Cayman und Boxster werden in der Grundversion mit einem Fünfgang-Getriebe geliefert. Wer einen Gang zulegen möchte, der muss satte 2088 Euro zuzahlen, bekommt dafür aber auch das Sportpaket PASM, also verstellbare Dämpfer mitgeliefert. Das haben die S-Versionen serienmäßig.

Doch nun scheiden sich die Geister. Der Cayman mit Fünfgang-Getriebe und ohne PASM ist bei langsamer Fahrt auf welligen Wegen ein arger Knochenschüttler, der ständig den Straßenzustandsbericht in die Bandscheiben sendet. Bei schneller Fahrt gibt sich das natürlich, dann erfreut die Präzision von Lenkung und Fahrbahnkontakt. Das Sechsgang-Getriebe haben wir nicht vermisst. Das Temperament des Cayman wird mit ihm nicht besser, die Norm-Messung meldet sogar einen leichten Mehrverbrauch von 0,2 Litern.

Cayman oder Boxster? Das Fazit

Wer seine Knochen schonen möchte oder muss, der sollte das sanftere, per Knopfdruck auch auf "hart" umstellbare Fahrwerk PASM nehmen – sechs Gänge sind dann immer mit dabei. Welche Abstimmung auch immer, der Basis-Cayman trägt die wichtigsten Porsche-Gene komplett in sich.

Dass er jetzt vom guten Ruf des stärkeren Modells profitiert, spricht fürs geschickte Marketing. Den deutlich niedrigeren Preis sieht man ihm nicht an. Wer will, kann ihn natürlich endlos aufrüsten. Doch auch so ist der kleinste Cayman ein echter Sportwagen und wird seinen Weg machen. Ganz wichtig bei der Planung: 911er und seine Ableger sind bekannt wertstabile Autos. Natürlich ist die Sportlichkeit des kleinsten Cayman nicht ganz so ausgeprägt, er will fleißiger geschaltet werden als ein S. Aber das zeichnet aktive Autos ja aus, es ist sogar Teil des Porsche-Fahrvergnügens.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz Dass ein offenes Auto billiger ist als eines mit festem Dach, ist über sieben Jahrzehnte her.

Günstiger, aber genauso spaßig: Der Boxster ist Diether Rodatz' Favorit.

Der Boxster schafft das Erstaunliche, bleibt auch mit winterlichem Hardtop noch 1500 Euro unter dem Cayman-Preis. Dessen Heckpartie sei so teuer, versuchen die Porsche-Mannen uns einzutrichtern. Ich glaube eher, die renditebewussten Schwaben spielen uns hier einen Streich. Aber warum auch nicht, der Markt scheint es ja zu akzeptieren.

Mit Rechenstift und Emotion: Mein klarer Favorit ist und bleibt der einfache Boxster. Offen ist er todschick, geschlossen oder mit Hardtop nicht ganz so hübsch wie ein Cayman. Okay, aber er ist ein echter Porsche. Und darauf kommt es doch an.

Autor: Diether Rodatz

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