Porsche-Bus mit 650 PS: Fahrbericht

TH 2 Cup (Rekordtag 2016): Fahrbericht

— 29.04.2016

650 PS im Porsche-Bus

Sieht aus wie ein VW Bus, klingt aber nach Porsche. TH Automobile macht aus einem T5 ein Geschoss für die linke Spur. Fahrbericht!

Rennatmosphäre: Das auf das Wesentliche reduzierte Cockpit. 

Ok, das wird eng! Bereits die Einstiegs-Prozedur zeigt die Extreme des TH 2 Cup: Auf dem Weg zur Carbon-Sitzschale in der Mitte heißt es Kopf einziehen und schmal machen. Endlich drin, sitzt es sich erstaunlich komfortabel. Das auf das Wesentliche reduzierte Cockpit versprüht Rennatmosphäre und ist ein Mix aus Porsche und Volkswagen. Die Tachoeinheit stammt wie der Turbomotor des TH-Busses aus Stuttgart, der Rest aus Wolfsburg. AUTO BILD ist das T5 Monster im Rahmen des AUTO BILD Sportscars Rekordtages auf dem Sachsenring gefahren. 

Alle Rundenzeiten des von Michelin präsentierten Rekordtags am Sachsenring zum Nachlesen: Ab dem 10. Juni in der neuen Ausgabe der AUTO BILD Sportscars.


Halleluja: Es wird per Hand geschaltet! Weiteres Highlight ist ein kleiner Knopf neben dem Schaltknauf. Je nach Fahrsituation lässt sich durch eine kleine Drehung die Servounterstützung der Lenkung einstellen. Das Zündschloss sitzt übrigens trotz Porsche-Herz rechts. Plastikklappe hoch, Handbremse mittels eines Kippschalters lösen und nichts wie los. 

Ab 4000 Touren geht es im TH 2 Cup rund

Das Porsche-Herzstück sogt für ordentlich Bumms.

Dieser Schub! Wenn bei 4000 Umdrehungen pro Minute die Turbos einsetzen, gibt es kein Halten mehr im 170.000 Euro teuren TH 2 Cup. Gnadenlos marschiert der Über-Bus nach vorn, untermalt von einer infernalen Klangkulisse aus dem mittig liegenden Doppelrohrauspuff. Kenner werden den kernigen Motorsound sofort identifizieren. Im Heck arbeitet ein 3,6-Liter-Biturbo von Porsche (996 Turbo), der dank diverser Optimierungen 650 PS und 790 Nm Drehmoment an die Hinterachse liefert. Eine Hochleistungsbremsanlage (380 mm vorn, 365 mm hinten) fängt die Fuhre ein. Geschaltet wird über ein manuelles Sechsgang-Getriebe. Überholmanöver werden zum Kinderspiel, Autobahn-Etappen zur glückseeligen Jagd nach dem nächsten verdutztem Gesicht im Vertreter-Kombi. Das Überhol-Prestige könnte nicht größer sein. Dafür sorgen neben der imposanten Optik auch die eigens entwickelten Tagfahrleuchten.

Süchtig machender Motorsound

Trotz des Leergewichts von über zwei Tonnen und dem cw-Wert einer Schrankwand fährt sich der TH 2 Cup leichtfüßig und agil. Nur die hohe Sitzposition erinnert daran, dass man in einem Bus sitzt. Dieser liegt nicht nur extrem gut auf der Straße (Motor hinten, 100 Liter Tank vorn), sondern erreicht durch das Sperrdifferenzial an der Hinterachse auch ansehnliche Kurvengeschwindigkeiten.

Achtung Suchtgefahr: Der mittig sitzende Doppelrohrauspuff bietet Gänsehaut-Sound. 

Insbesondere auf der Geraden kann der TH 2 Cup sein Potenzial ausspielen: In 4,9 Sekunden liegen 100 km/h an, nach weiteren zehn Sekunden steht die Tachonadel bei 200. Maximal sind bis zu 300 Sachen drin – und das mit der ganzen Familie. Neben dem mittig sitzenden Fahrer sind im Laderaum vier Schalensitze verbaut. Auf Wunsch gibt es aber auch spezielle Sportsitze mit Isofixanbindung. Damit können auch die Kleinsten das Pfeifen der Turbos und des Blow-off-Ventils genießen. Apropos Sound: Die grandiose Kulisse macht akut süchtig und dürfte jedem Motorsport-Fan ein Lächeln ins Gesicht zaubern.      

Understatement par excellence       

Zugegeben, die Idee ist nicht neu: Bereits Anfang der 1980er-Jahre verpflanzten Ingenieure im Porsche-Entwicklungszentrum den Sechszylinder aus dem 911 Carerra in einen T3. Pläne einer Serienfertigung wurden schließlich verworfen. TH Automobile verhilft dem VW Bus erneut zu überragenden Fahrleistungen. Dabei wird nicht nur einfach ein Porsche-Motor in einen T5 eingebaut: Auf den Heckrahmen eines Porsche 911 samt Motor wird die Karosserie eines VW-Busses gesetzt und mit 36 Blechen verschweißt. Aufwendige Ingenieurskunst trifft hier auf viel Liebe zum Detail. Das Ergebnis ist faszinierend und weit entfernt von einer zusammengeschusterten Bastelbude. 
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