Tuning: B&B Polo R WRC/KL Racing Polo R WRC/MTM Polo R WRC
Potente Polo mit bis zu 390 PS
Sein Leben begann als Stadtauto, nahm eine R-freuliche Wendung und gipfelt nun im getunten Wahnsinn: Drei Polo R WRC im großen Vergleich.
Manuel Iglisch
Homologationsmodelle sind eine reizvolle Sache. Sie reifen nicht in monatelangen CAD-Simulationen, werden nicht x-fach durchdiskutiert, erprobt oder an den extremsten Ecken unseres Planeten auf Schwächen hin malträtiert. Nein, sie markieren eher den automobilen Hüftschuss, sind stets Mittel, weniger der Zweck und entstehen deshalb aus einer eher legeren Grundhaltung. So war es schon in den wilden Achtzigern, und so ist es im Prinzip auch noch heute. Unterschied: Während R5 Turbo, Sport quattro oder Delta Integrale es nicht nur im Wettkampf, sondern auch auf der Straße zu Ruhm brachten, tut man sich heutzutage irgendwie schwer, einem Polo R WRC Gleiches zuzutrauen. Schließlich orientiert sich dessen Rezeptur eher am werksseitigen Teileregal als am derzeit gültigen FIA-Reglement.
Und nein: Auch die "strenge" Limitierung auf 2500 Exemplare dürfte den Exotenstatus kaum nachhaltig beflügeln, wenn man bedenkt, dass der R WRC gleichzeitig das Marktpotenzial einer kommenden, regulären R-Version vorfühlen soll. Fürs nötige Flair dürfen diesmal also getrost die Tuner sorgen. Und die haben im Fall des 220 PS starken Power-Knubbels denkbar leichtes Spiel. Schließlich markiert der R die nun wirklich allerletzte Reinkarnation der altehrwürdigen Motorenbaureihe EA113.
Eine Folierung im Stil des WRC-Boliden hebt die Außenwirkung.
Bild: Lena Barthelmess / AUTO BILD
B&B Polo R WRCB&B Automobiltechnik steht derzeit mit vier Angeboten von 280 bis 362 PS in den Startlöchern, kombiniert das Tuning auf Wunsch (3990 Euro) mit einer Autogas-Anlage. Zum Test rückt der Polo ohne Zusatztank, dafür in der drittstärksten Ausbaustufe an. Heißt: Optimierte Ansaugwege, durchsatzstarkes Hosenrohr und ein um 0,25 Bar erhöhter Ladedruck bringen in Tateinheit mit modifizierten Kennfeldern 326 PS und 475 Nm hervor. Dem Handling widmet sich B&B mittels höheneinstellbarem Bilsteinfahrwerk. Klang spendiert eine Komplettanlage ab Kat, Optik zum einen die hauseigene Folierung im WRC-Stil, zum anderen ein 18-Zoll-Radsatz von OZ samt 215er-Bereifung in Form des Pirelli P Zero Nero.
Dank Sperre und KW-Fahrwerk kann’s der KL-Polo auch kurvig.
Bild: Lena Barthelmess / AUTO BILD
KL Racing Polo R WRC KL Racing streut das Leistungsspektrum ebenfalls in vier Stufen, greift dabei allerdings auf das Know-how von Technologiepartner BTS Racing zurück. Von 280 bis 390 PS reichen die Kits, wobei der Testwagen – anders als bei B&B – gänzlich aus dem Vollen schöpfen darf. 9495 Euro sind allein für Software, Ladeluftkühler, Benzin-Hochdruckpumpe, Ansaugung und Turbolader fällig. Downpipe samt 76-mm-Komplettanlage verschlingen nochmals 2650 Euro, deren 2850 schließlich das mechanische Sperrdifferenzial, das zusammen mit einer organischen Sportkupplung Einzug hält. Hinter den 18-Zoll-Rädern von BBS mit Dunlop SP Sport Maxx in 215/35 R 18 arbeitet ein Clubsport-Fahrwerk von KW, vorn nehmen innenbelüftete 340-Millimeter-Scheiben den Polo in die Zange.
MTM setzt auf die goldene Mitte
Untypisch für MTM: schleifende Räder in den Radhäusern.
Bild: Lena Barthelmess / AUTO BILD
MTM Polo R WRC Kaum anders schließlich auch die Rezeptur à la MTM. Leistungsgesteigert wird von 315 bis 380 PS. Im Testwagen arbeitet die "goldene Mitte" mit größerem Hosenrohr, kompletter Abgasanlage sowie modifizierter Software. Dazu gesellen sich ein Clubsport-Fahrwerk von KW, eine Vierkolben-Bremsanlage mit gelochten 330-mm-Vorderachsscheiben sowie 18-zöllige Alus im Michelin-Pilot-Super-Sport-Mantel. Optional stünde eine Differenzialsperre im Katalog, die in Anbetracht von Leistung und Gewicht vielleicht dringend angeraten scheint, so absolut überlebensnotwendig dann aber auch wieder nicht ist. Denn trotz der gewaltigen PS-Spritze verdaut der kleine VW die Kraft eigentlich recht trittsicher.
Fazit
von Manuel Iglisch
So ähnlich die Rezepturen, so verschieden die Gerichte. MTM offeriert die stimmigste Leistungssteigerung, wählt den besten Reifen, kreiert das agilste Handling und stolpert letztlich über einen mehr als ärgerlichen Radhaus-Lapsus. B&B wiederum bietet das auf der Piste langsamste, dafür aber alltagstauglichste und mit Abstand günstigste Tuning. In Sachen Performance und Emotion siegt KL Racing, deren Polo vielleicht nicht der Geschliffenste, mit Sicherheit aber der Wildeste seiner Art ist. Das rechtfertigt selbst den hohen Preis.