Verfahren gegen Ölmultis
Kartellamt geht gegen Ölfirmen vor

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Den Wettbewerbshütern ist der Kragen geplatzt. Das Kartellamt hat ein Verfahren gegen die Ölmultis eingeleitet, weil sie – so der Vorwurf – freie Tankstellen benachteiligen. Unterdessen wird die Diskussion um die Pendlerpauschale heißer.
Bild: Werk
(dpa) Das Bundeskartellamt hat das Verfahren gegen die fünf großen Mineralölunternehmen BP/Aral, Esso, Jet, Shell und Total eingeleitet. Grund sei der Verdacht auf Behinderung freier Tankstellen, teilten die Wettbewerbshüter am 4. April 2012 in Bonn mit. Es lägen eine Reihe von Beschwerden freier Tankstellen über die Preisforderungen der fünf Konzerne vor. Die freien Tankstellen sind auf die Belieferungen aus den Raffinerien der großen Fünf angewiesen. In mehreren Fällen soll freien Tankstellen Otto- und Dieselkraftstoff zu Preisen verkauft worden sein, die über den Preisen liegen, die die marktbeherrschenden Mineralölkonzerne von ihren eigenen Endkunden an der Tankstelle gefordert haben.
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Kartellamtspräsident Andreas Mundt: "Freie Tankstellen brauchen faire Bedingungen."
Bild: dpa
Viele Bürger in Deutschland suchen wegen der Preise verstärkt nach Alternativen zum eigenen Auto. Anbieter von Mitfahrgelegenheiten verzeichnen eigenen Angaben zufolge ein Plus von bis zu 25 Prozent seit Dezember, wie eine Umfrage der dpa am 3. April 2012 ergab. 2011 gab es zudem mit 10,9 Milliarden so viele Fahrten wie nie zuvor bei Bussen und Bahnen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Allerdings muss dies nicht primär mit hohen Spritpreisen zusammenhängen, sondern auch mit verbesserten Angeboten und einem schnelleren Fortkommen in Großstädten, betonen Verkehrsexperten.
Verbrauch: Sparsame Autos
Wegen der Rekordstände an den Zapfsäulen achten inzwischen zwei Drittel der Autofahrer auf einen möglichst spritsparenden Fahrstil, wie aus einer Forsa-Umfrage hervorgeht. Vier von zehn Befragten erklärten zudem, derzeit auch öfter das Auto stehen zu lassen. 28 Prozent steigen demnach aufs Rad um oder nutzen stärker als bislang Bus und Bahn (15 Prozent). Unterdessen bekommen in der schwarz-gelben Koalition die Befürworter einer höheren Pendlerpauschale durch eine aktuelle Studie des Bundestags Auftrieb. Demnach müsste die Pauschale heute bei 74 statt bei 30 Cent liegen, um eine Entlastung wie noch 1991 zu erreichen. Als Grundlage diente ein Arbeitsweg von 17 Kilometern.
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Das Kartellamt denkt derzeit über Preisfesseln für die Ölmultis nach.
Bild: Oliver Berg
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Die Benzinpreise verharrten am 3. April 2012 auf dem Rekordhoch von 1,71 Euro je Liter Super. Für Superbenzin E10 waren im Schnitt 1,68 Euro zu zahlen, für Diesel 1,53 Euro. Die Deutsche Energie-Agentur, die Grünen, Umweltverbände und Energiefachleute halten von einer höheren Pendlerpauschale dennoch nichts, da diese Milliardenzuschüsse letztlich nur zu weiteren Preisrunden führen könnten und dies ein falscher Anreiz sei. Sie fordern einen Umstieg auf alternative Antriebe, spritsparendere Modelle und einen Elektromobilitätsausbau. Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) hält Benzin immer noch für zu billig. "Für die Autoindustrie und die Gutverdiener sind die Spritpreise eigentlich noch zu niedrig", sagte der Vorsitzende Michael Ziesak dem "Tagesspiegel". "Sonst würden nicht so viele spritschluckenden Luxusautos gebaut und gekauft." Ziesak sprach sich für eine Abschaffung der Pendlerpauschale aus.
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