Empfehlungen des Verkehrsgerichtstages

Verkehrsgerichtstag 2015: Tempolimit

— 30.01.2015

Tempo 80 auf der Landstraße?

Der Verkehrsgerichtstag 2015 fordert ein Tempolimit von 80 km/h auf Landstraßen. Das Limit für Lkw müsse von 60 auf 80 km/h heraufgesetzt werden.

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'Welches Tempolimit auf der Landstraße?'

(dpa/jb) Um schwere Unfälle zu vermeiden, fordert der Verkehrsgerichtstag 2015 die generelle Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit für Autos auf Landstraßen. Höchstens Tempo 80 sollen Pkw dort noch fahren dürfen. Zugleich müsse das Limit für Lastwagen von 60 auf 80 km/h heraufgesetzt werden, empfahl der Verkehrsgerichtstag am 20. Januar 2015 im niedersächsischen Goslar. Nur ausgebaute Landstraßen sollten auch künftig für Tempo 100 freigegeben werden, verlangte das Expertengremium. Auch der Verkehrssicherheitsrat plädiert für Tempobeschränkungen auf Landstraßen – Hauptgeschäftsführer Christian Kellnerer (links im Bild) forderte bereits vor Beginn des Verkehrsgerichtstags Tempo 80 auf Landstraßen mit weniger als sechs Metern Breite. Viele Landstraßen sind schmal, kurvig, sie haben unbefestigte Seitenstreifen und bieten schlechte Sicht zum Überholen. Für die allgemein zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern seien sie nicht gebaut, so Kellner. "Für Straßen, die weniger als sechs Meter breit sind, sollte es deshalb ein Tempolimit von 80 Stundenkilometern geben."

Empfehlungen des Verkehrsgerichtstages

Zustimmung erhält er von Kay Nehm, dem Präsidenten des Verkehrsgerichtstages. "Um die Unfallzahlen auf Landstraßen zu senken, muss man mehr Geschwindigkeitsbeschränkungen einführen." Das sei sinnvoll, findet Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht. Auch für Unfallforscher Siegfried Brockmann steht fest: "Auf schmalen Landstraßen sollte grundsätzlich höchstens Tempo 80 erlaubt sein." Das gelte auch für Alleen. Brockmann warnt: Die von Bäumen ausgehende Gefahr werde von Autofahrern in der Regel unterschätzt. Und das hat Folgen: "Etwa 20 Prozent aller Verkehrstoten sterben an Bäumen", sagt Kellner. "Das ist irrsinnig. Wir müssen da etwas tun." Ein Mittel: Leitplanken an Alleen. "Dadurch könnte die Wucht des Aufpralls gemindert werden." Auch mehr Überholverbote könnten zur Sicherheit beitragen, meint Kellner. Dabei wäre für ihn die ideale Landstraße dreispurig. "Wenn mal die eine und dann die andere Seite überholen kann, ist der Überholdruck nicht da." Für die dritte Spur – wo es geht – plädiert auch der ACE Autoclub Europa: "Diese Spuren verhindern tödliche Überholmanöver mit Frontalcrashs", sagt Sprecher Rainer Hillgärtner. Allerdings seien die deutschen Landstraßen vom Idealzustand ziemlich weit entfernt. Der ACE fordert deshalb eine "Investitionsoffensive für mehr Sicherheit". Wirksame Unfallverhütung setze nämlich nicht nur regelkonformes Fahrverhalten und angepasstes Tempo voraus, sagt Hillgärtner. Auch auf die Qualität der Straßen komme es an. "Nachhaltig sanieren, das ist das Gebot der Stunde." Ein Beispiel seien die Bankette, die besser befestigt sein müssten, sagt der ACE-Sprecher. "Wer nur für wenige Zentimeter von der Fahrbahn abkommt, fährt häufig in Furchen und wird dann mit einem Überschlag auf den Acker bestraft." Die Lösung: unfallträchtige und kritische Abschnitte der Landstraßen regelmäßig inspizieren - und entschärfen.

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