Verkehrsrecht

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— 06.12.2005

Was ist ein Winterreifen?

Der Frost kommt – höchste Zeit, Winterreifen aufzuziehen? An der Verwirrung um die Neuregelung der StVO ist die Politik selbst schuld.

"Ohne Winterreifen wird es teuer", lautete eine Meldung der letzten Tage. "20 Euro fürs Fahren ohne Winterreifen", titelte eine andere. Ob "Hamburger Abendblatt", "Ostsee-Zeitung" oder "VDI Nachrichten" – kaum eine Zeitung ließ sich die Geschichte über die angeblich bevorstehende Winterreifenpflicht entgehen. Aber leider traf auch kaum eine den wahren Kern der Sache.

Denn was im Bundesrat am 16. Dezember 2005 zur Abstimmung kommen soll, ist nicht mehr als die Änderung von § 2 Straßenverkehrsordnung (StVO). Dort heißt es im Absatz 3a, daß die Ausrüstung den Wetterverhältnissen anzupassen sei. O-Ton: "Hierzu gehören insbesondere eine geeignete Bereifung ..." Was aber bedeutet "geeignet"? Bei Eis und Schnee natürlich Winterreifen – sollte man meinen. Doch es ist komplizierter. Denn der Gesetzgeber hat bei der StVO-Novelle das Wichtigste vergessen: eine Definition für Winterreifen.

Die M+S-Kennung, gemeinhin mit "Matsch und Schnee" in Verbindung gebracht, genießt keinerlei Schutz. In den USA trägt nahezu jeder Reifen dieses Signet, ob Sommer- oder Winter, ob Geländewagen- oder Pkw-Reifen. Inzwischen sind auch die ersten Billig-Gummis aus China mit M+S-Kennung auf dem deutschen Markt angekommen. Wintertauglichkeit: gleich null.

Zwar existiert eine uralte EWG-Richtlinie für M+S-Reifen, doch in der heißt es lediglich, daß deren Profil "durch größere Profilrillen und/oder Stollen gekennzeichnet ist, die voneinander durch größere Freiräume getrennt sind". "Eine Definition, die heutzutage ebenso überholt wie nutzlos ist", meint Dr. Burkhard Wies, Chef der Pkw-Reifenentwicklung bei Conti. Denn moderne Winterreifen erreichen ihren Grip auf Schnee nicht durch einen hohen Anteil Negativprofil, sondern durch eine Kombination aus stark lamelliertem Profil und kälteflexibler Laufflächenmischung.

Besser eignet sich nach Meinung von Fachleuten da schon die Schneeflocke. Das Zeichen der US-Reifenindustrie ist an einen Traktionstest gekoppelt, bei dem der Kandidat einen Referenzreifen um einen bestimmten Wert übertreffen muß. Experten-Tip: "Wer mindestens vier Millimeter Restprofiltiefe hat und dazu das Schneeflockensymbol, ist auf der sicheren Seite", so Wies.

Weil der Gesetzgeber dies nirgends festgeschrieben hat, muß in der Praxis also der Polizeibeamte vor Ort selbst entscheiden, ob ein Reifen für die jeweilige Situation "geeignet" ist oder nicht, ob er dem Autofahrer 20 oder gar 40 Euro Bußgeld aufbrummen will. Dabei dürfte so mancher Ordnungshüter schwer ins Schleudern kommen.

Autor: Matthias Moetsch

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