Video: Kältemittel R1234yf setzt B-Klasse in Brand
— 08.11.2012
Zwei Sekunden – und es brennt
Ein schockierendes Daimler-Video zeigt, wie das Killer-Kältemittel R1234yf eine Mercedes B-Klasse in Brand setzt. Ein neuer Beweis dafür, wie gefährlich R1234yf ist.
Es zischt, eine weiße Gaswolke erfüllt den Motorraum, und dann – wusch – erscheint eine Stichflamme. Ein Feuer bricht aus, die blauen Flammen erinnern an einen Camping-Gaskocher. Doch hier brennt nicht das Gas Propan, sondern das Killer-Kältemittel R1234yf, freigesetzt von einem ferngesteuerten Ventil in einer Kältemittelleitung. Nach zwölf Sekunden erstickt eine CO
2-Löschanlage den Brand und verhindert, dass sich die Flammen weiter ausbreiten können. Denn deren gelbe Färbung in den letzten Brandsekunden zeigt, dass sie bereits auf die Kunststoffteile des Motorraums übergegriffen haben.
Video: Killer-Kältemittel
R1234yf setzt B-Klasse in Brand
Mit diesem Video beweist Daimler, was bisher kein Autohersteller wahrhaben wollte: R1234yf ist nicht nur entzündlich, es kann sogar selbst Brände auslösen. Das haben seine Patentinhaber, die Chemiekonzerne Honeywell und Dupont, stets bestritten. Unverständlich, dass Dupont in seiner Reaktion auf die Daimler-Tests weiter von "mildly flammable" (schwach entzündlich) spricht. Was das Video besonders brisant macht: Im Gegensatz zu allen bisherigen Tests handelt es sich nicht um eine Laborsituation, sondern um ein serienmäßiges Auto, einen aktuellen Mercedes B 180. Die B-Klasse hätte eigentlich schon seit November 2011 mit R1234yf kühlen müssen. Doch die Klimaanlagen der mehr als 50.000 Exemplare, die seit November 2011 verkauft wurden, sind wegen Lieferschwierigkeiten allesamt noch mit dem alten Kältemittel R134a befüllt.
HFO-1234yf (2,3,3,3 Tetrafluorpropen) wird als Nachfolger des Kältemittels R134a in Auto-Klimaanlagen eingesetzt. Der Vorteil von HFO-1234yf: Es hat ein geringeres Treibhauspotenzial.
Das Global Warming Potential (GWP) oder auch Treibhauspotenzial gibt an, wie stark ein Gas zum Treibhauseffekt beiträgt. Das GWP von R134a beträgt 1300, das von HFO-1234yf liegt bei 4. Seit Anfang 2011 dürfen in Neuwagen nur noch Kältemittel mit einem GWP kleiner als 150 eingesetzt werden.
HFO-1234yf wurde 1946 an der Universität von Ohio erstmals synthetisiert. Die Einzelsubstanz galt bis vor wenigen Jahren wegen ihrer Reaktivität als ungeeignet für Pkw-Klimaanlagen.
Die meisten Patente für HFO-1234yf liegen bei den US-Chemiekonzernen Honeywell und Dupont, die zurzeit gemeinsam in China eine Fabrik errichten. Diese wird ab dem vierten Quartal 2012 große Mengen des neuen Kältemittels herstellen – gut ein Jahr später als ursprünglich geplant.
Mögliche Alternativen zu HFO-1234yf sind CO2 (R744), Propan (R290) und Butan (R600).
Kältemittel HFO-1234yf 1 von 5
Die Klimaanlagen der mehr als 50.000 B-Klassen, die seit November 2011 verkauft wurden, sind alle noch mit dem alten R134a befüllt. Grund: Lieferschwierigkeiten bei R1234yf.
Zum Glück, denn dass R134a im Gegensatz zu R1234yf nicht brandgefährlich ist, zeigt das Daimler-Video ebenfalls: gleiche Situation, Kältemittel R134a – kein Feuer. Damit bricht eine der wichtigsten Voraussetzungen in den Risikoanalysen zu R1234yf weg: die Annahme, dass seine Brennbarkeit vergleichbar wäre mit der von R134a. Da die Zulassung von R1234yf auf den Ergebnissen ebendieser Risikoanalysen basiert, muss sie entzogen werden – sofort.
Kommentare zum Artikel (2)
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Wenn sich sogar Ferdinand Piech im Auto-Bild-Interview für CO2 als Kältemittel ausspricht (wie es der gesamte VDA noch im Jahr 2007 getan hat), dann kann ich wirklich nicht verstehen, dass es das hochgiftige Teufelszeug R1234yf überhaupt bis in die Klimaanlagen einiger neuer Modelle geschafft hat. Der Porsche-VW-Konzern sollte eine Vorreiterrolle übernehmen und auf das völlig ungiftige und nicht brennbare Kohlendioxid als Kältemittel umsteigen. Technisch möglich ist das bereits seit mehr als 15 Jahren!
Danke autobild, für Ihr beharrliches Dranbleiben an diesem brisanten Thema! Chapeau!