Volvo C202 Laplander

Volvo C202 Laplander Volvo C202 Laplander

Volvo C202 Laplander

— 23.05.2007

Für Jäger und Sammler

Womit fährt ein Volvo-Händler auf die Jagd? Mit einem Laplander natürlich. Axel Pütter hat eins der seltenen Exemplare der zweiten Serie.

"Festhalten", ruft es von links, dann tauchen wir ab. Mit Schmackes bergab durchs tiefe Geläuf, mit Schwung durch die tief verschlammte Senke, kaum gebremst den Hügel hinauf. Das Geschehen – Äste, Wasser und allzu langsame Eichhörnchen – immer direkt vor Augen, der Frontlenker-Bauweise sei Dank.

Tür auf, die Beine nach außen geschwungen, und wir stehen im Wald. Es ist wieder still. Etwas Wasser, vermischt mit Laub und Dreck, verdunstet friedlich am heißen Auspuffrohr. Ein zufrieden lachender Axel Pütter (46) lehnt sich an seinen Volvo, als wolle er einem guten Kumpel zufrieden auf die Schultern klopfen, und sagt: "Das ist halt ein Männerauto." Recht hat er. Einen Volvo C202 Laplander kauft man nicht, weil man im Wald Pilze sammeln oder Laub harken will. Kerniger und männlicher kam gemäß seiner technischen Anlagen kein offiziell gehandelter Volvo daher, selbst wenn dieser Nordmann in Wahrheit ein gebürtiger Ungar ist. Von eben dort war seitens der staatlichen Spedition Ungarocamion 1977 erhöhte Nachfrage gemeldet worden, was die schwedischen Entscheider bewegte, die Produktion des Wald- und Wiesen-Volvo wieder aufzunehmen, und zwar gleich vor Ort in Ungarn.

Für die Pirsch und für die Ewigkeit

Von 1961 bis 1970 gab es schon einmal einen Laplander. Militär, Kommunen und die unvermeidliche Stromwirtschaft wünschten sich Ende der 50er-Jahre ein allradgetriebenes Fahrzeug, das auf wenig Raum viel Mensch und Material bewegen sollte.

Bullige Optik: nachgerüstete 265/75 R 16-er Reifen bei vier Meter Länge.

Aus Pkw-Teilen, massiven Achsen an dicken Blattfederpaketen, einem belastbaren Rahmen und grob abgekantetem Blech baute Volvo rund 9000 Mal den gewünschten Allrad-Transporter mit dem Kürzel L33. Dem folgte ab 1977 der überarbeitete C202, ordentliche 3222 Exemplare des neu aufgelegten Laplanders brachte Volvo bis 1981 an die unter schweren Bedingungen arbeitende Kundschaft. Volvo-Händler Axel Pütter aus Iserlohn kaufte sich seinen Laplander 1995 für immerhin 12.000 Mark. "Zum Rannehmen auf der Pirsch", sagt Jäger Pütter. "Mein Vater hat 1972 mit Volvo angefangen. Trotz der guten Kontakte war es schwer, einen Laplander zu finden, die Autos sind gesucht. Und dann mussten wir das ziemlich rostige Blech erst einmal restaurieren. Um die Technik, also eigentlich alles, was man nicht sieht, muss man sich keine Sorgen machen. Motor, Achsen, Getriebe – das ist für die Ewigkeit gebaut. Typisch Volvo halt". Und durchaus reizvoll arrangiert.

Die Kombination aus Last- und Personenwagen ist gelungen, geht aber nur so weit, wie sie von Nutzen ist. Bei aller Eckigkeit sieht der Laplander freundlich aus. Pinzgauer und Haflinger fallen einem beim Betrachten ein. Die Außenspiegel stammen vom Volvo 144, ebenso das M45-Viergang-Getriebe und das legendäre 2,0-Liter-Einvergaser-Triebwerk vom Typ B20. "Das ist der Motor, der nie kaputt geht", sagt Pütter. Mit den 82 PS ist der Laplander bis Tempo 80 flott unterwegs, dann wird es zäh. "Lange Strecken mit dem Laplander fahren? Das kommt drauf an, wie hart man gegen sich selbst ist." Das Thema Ergonomie tauchte einst erst weit hinten im Lastenheft auf. So hoch stehen die Pedale im Fußraum, dass beim Kuppeln das linke Knie beinahe am Ohr anliegt. Wahllos verteilte, bunte Kipp- und Zugschalter bringen bei korrekter Bedienung die Geländemaschinerie aus zuschaltbarer Vorderachse, Untersetzung, Sperre und Seilwinde in Gang. Und dass "Taksökare" Suchscheinwerfer bedeutet, muss man eben wissen.

Der Volvo C202 ist die zweite Serie des Laplander. Motor und Getriebe stammen aus der Pkw-Baureihe 140.

Technische Daten

Volvo C202 Laplander • 4-Zyl.-Reihen-Benzinmotor, vorne längs • 2 Ventile je Zylinder • Hubraum 1990 cm3 • Leistung 60 kW (82 PS) bei 4700/min • max. Drehmoment 157 Nm bei 2300/min • Viergang-Schaltgetriebe mit Geländeuntersetzung • Heckantrieb, zuschaltbarer Vorderradantrieb • Starrachsen an Blattfedern v/h • Leiterrahmen mit aufgeschraubter Karosserie • Trommelbremsen v/h • Reifen 265/75R16 v/h • Felgen 6,5 x 16 • Länge/ Breite/Höhe 4015/1680/2145 mm • Radstand 2100 mm • Leergewicht 1795 kg • Höchstgeschwindigkeit 116 km/h • Bauzeit 1977 bis 1981 • gebaute Stückzahl 3222 Baujahr: 1980

Autor: Jan-Henrik Muche

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