VW Golf GTI: Gebrauchtwagentest

VW Golf GTI VW Golf GTI

VW Golf GTI: Gebrauchtwagentest

— 25.03.2011

Was taugt das Auto für den Mann?

VW Golf GTI – 2004 lautete der Slogan "Für Jungs, die damals schon Männer waren". Jetzt stehen die schnellen Gölfe bei den Gebrauchtwagenhändlern. Was taugt der Alltags-Sportler nach sieben Jahren?

Drei Buchstaben, ein Gedanke – wer GTI sagt, meint Golf. Das geht so, seit 1975 der erste auf der IAA in Frankfurt stand: Einspritzer, 110 PS, 800 Kilogramm. Ende 2004 feierte der Wolfsburger Heißsporn sein Comeback mit einem frechen Werbespot. Bei Preisen ab 24.200 Euro für einen nackten GTI und 30.000 Euro für einen ordentlich ausgestatteten mussten leider viele passen, konnten sich ihren Jugendtraum nicht leisten. Jetzt gibt es eine neue Chance: Ab 12.000 Euro gibt es einen GTI der fünften Golf-Generation. Ein guter Kauf? Okay, Nummer fünf wiegt fast das Doppelte des Ur-GTI, hat aber auch die doppelte Leistung. Und muss mit 280 Newtonmeter Drehmoment doch manch einem Turbodiesel den Vortritt lassen.

Fundgrube für Schnäppchen: die Gebrauchtwagenbörse von autobild.de

Lass knacken: Der Golf V GTI bettelt um Speed, bleibt in Kurven trotzdem zahm.

Kein Wunder, dass viele GTI-Piloten auf der Suche nach der motorischen Überlegenheit von früher sind. Die Lösung heißt meistens Chiptuning, und tatsächlich wird an keinem anderen Auto so viel herumgefriemelt wie an diesem. Das macht die Suche für Gebrauchtwagenkäufer leider nicht leichter, denn Chiptuning verkürzt nun mal die Lebensdauer von Motor, Kupplung und Getriebe. Meistens geht auch dem Turbolader frühzeitig die Puste aus, ist er doch der Erste, der die Folgen spürt. Denn die Leistung kommt aus dem Ladedruck. Wird der angehoben, muss die kleine Turbine plötzlich statt 250.000/min auf 300.000/min drehen – geht nicht gut. Wenigstens lassen sich die meisten Änderungen am Steuergerät recht einfach mit einem Diagnosetester feststellen, solche Fahrzeuge sollte man dann besser stehen lassen.

GTI-Generationenvergleich: Golf I bis Golf V

Das Interieur wirkt sportlich-nobel, nervt aber im Alter gerne mit Klapper- und Knarz-Geräuschen.

In serienmäßigem Zustand jedoch ist der Golf V GTI ein ziemlich solides Auto, das weder am Motor noch an der Kraftübertragung ernsthafte Schwachstellen hat. Das gilt auch für das beliebte DSG-Getriebe, das die Vorteile eines Automatikgetriebes mit dem niedrigen Verbrauch eines Handschalters vereint. Nur Hektiker stören sich an leichtem Ruckeln. Abhilfe: Beim Einlegen der Fahrtstufe von N auf D eine Sekunde warten, bevor man aufs Gas geht. Wem 200 GTI-PS nicht reichen, hat die Wahl zwischen zwei Sondermodellen: Ende 2006 kam die Edition 30, ein Jahr später die Neuauflage des legendären Pirelli-GTI. In beiden leistet der Zweiliter-Turbo 230 PS, auch Ausstattung und Optik sind jeweils etwas angereichert, doch immer noch dezent. Wie beim ersten GTI, dem sein Potenzial beim Serienstart 1976 ebenfalls kaum anzusehen war.

Das macht Ärger

Der agile 200 PS-Zweiliter gelt als problemlos und standfest.

Generell gilt für alle kräftiger motorisierten Fahrzeuge: Wo Reibung auftritt, ist auch Verschleiß. Die Lebensdauer von Bremsen und Kupplung ist deshalb stark abhängig von der Fahrweise des Vorbesitzers. Zu den typischen Schwächen des GTI gehört dagegen das Schubumluftventil, das den Turbo beim Schalten bei Laune halten soll. Auch die Zündspulen haben nicht das ewige Leben, derzeit läuft eine Service-Aktion – betroffene Halter werden angeschrieben. Baujahrabhängig machen auch die Klimakompressoren Ärger, vor allem die Jahrgänge vor 2006 sind anfällig. Darüber hinaus gibt es kaum typische Mängel, auch im AUTO BILD-Kummerkasten herrscht zum Thema GTI Ruhe. Nicht jedoch im Innenraum des Golf V, denn viele Fahrer beklagen sich über Knarz- und Klappergeräusche. Nicht schlimm, aber nervig.

Selten: ungetunte GTI

Unser Testwagen stammt von VW-Händler Wichert in Hamburg. Erster Eindruck: Das Ding sieht aus wie geleckt. Kein Kratzer im Lack, nicht die kleinste Bordstein-Berührung an den breiten 18-Zöllern, innen noch Neuwagen-Aroma. Nur der Tacho verrät, dass der schwarze GTI schon mal auf der Straße war: knapp 90.000 km stehen drauf. Der Preis von knapp 18.000 Euro ist kein Schnäppchen, aber die Ausstattung mit großem Navi, Leder, Xenonlicht und Schiebedach ist top. Nur der rechte Außenspiegel zickt rum, klappt beim Ausschalten der Zündung nach vorn. Unsere Probefahrt macht vor allem Spaß.

Der Golf V GTI trägt die drei magischen Buchstaben zu Recht, vermittelt etwas von der Mühelosigkeit des Fahrens. Nur die intime Enge, die frühe GTI auszeichnete, will in der geräumigen Golf-Karosserie nicht so recht aufkommen. Auch der Sound kommt innen nur dünn an. Wer den GTI hören will, muss das Fenster öffnen oder die Drehzahlmessernadel auf die Sechs stellen. Immerhin: Wer den heißen GTI abstellt, hört wieder wie früher das Knistern des abkühlenden Auspuffs.
Unser Urteil fällt eindeutig aus: ein topgepflegter GTI in perfektem Zustand, den kann man kaufen. Er gehört zwar nicht zu den Günstigsten, ist aber mit Sicherheit unfallfrei, nicht nachlackiert und technisch einwandfrei. Gebrauchtwagen von dieser Qualität sind selten – vor allem in der Klasse des GTI.
Technische Daten VW Golf V GTI 2.0 TFSI (147 kW/200 PS)
Motor/Position Reihenvierzylinder, Turbo /vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1984 ccm
kW/PS bei U/min 147/200 bei 6000
Drehmoment 280 Nm bei 1800/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
0-100 km/h 7,3 s
Getriebe/Antrieb 6-Gang-Schaltgetriebe/Vorderrad
Tankinhalt/Kraftstoff 55 l/Super Plus
Länge/Breite/Höhe 4216/1759/1466mm
Kofferrauminhalt 350-1305 l
Leergewicht/Zuladung 1400/500 kg
Kosten VW Golf GTI 2.0 TSFI
Unterhaltskosten
Testverbrauch – CO2 10,6 l Super Plus/100km – 192 g/km
Inspektion 250 bis 600 Euro
Haftpflicht (15)* 504 Euro
Teilkasko (24)* 212 Euro
Vollkasko (20)* 805 Euro
Kfz-Steuer (Euro 4) 135 Euro
Ersatzteilpreise**
Lichtmaschine (AT) 485 Euro
Anlasser (AT) 340 Euro
Wasserpumpe (AT) 335 Euro
Zahnriemen 430 Euro
Endschalldämpfer 355 Euro
Kotflügel vorn, lackiert 460 Euro
Bremsscheiben und -klötze vorn 420 Euro
* Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zulassung in Hamburg, Fahrer: Versicherungsnehmer + Partner ab 25 Jahre, 15.000 km/Jahr, Beitragssatz 100 Prozent
** inkl. Lohnkosten und 19% USt., Quelle: Schwacke
Hendrik Dieckmann

Hendrik Dieckmann

Fazit

Fett ist er geworden, aber immer noch sehr beweglich. Doch das agile Handling erkauft sich der GTI mit einer auf Langstrecke unbekömmlichen Federung. Wer damit leben kann, bekommt ein haltbares Auto ohne ernste Schwachstellen. Das war beim GTI nicht immer so.

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