VW Scirocco im Vergleich

VW Scirocco R Digi-Tec Scirocco 2.0 TSI VW Scirocco R Digi-Tec Scirocco 2.0 TSI

VW Scirocco im Vergleich

— 24.03.2010

Getunter Scirocco fordert Serienmodell

Der neue VW Scirocco R bläst mit 1,2 Bar Ladedruck satte 265 PS aus seinen Brennräumen. Digi-Tec traut seinem Viertöpfer noch mehr zu und kontert mit 1,4 Bar und 360 PS. Ein Vergleich zwischen Werk und Tuner.

Zugegeben, der Scherz ist weder besonders geistreich noch zeugt er von hoher Charakterstärke. Doch manchmal ist die Verführung einfach zu groß, seine Nachbarschaft morgens um halb sechs am eigenen Glück teilhaben zu lassen. Etwa an jenem Hochgefühl, das sich einstellt, wenn ein 360 PS starker Scirocco 2.0 TSI von Digi-Tec mit tieffrequentem Bollern seinen wahrlich imposanten Dezibel-Angriff auf umliegende Häuserreihen startet und binnen Sekunden zum ungeliebten Alleinunterhalter des gesamten Wohnviertels wird. Politisch mag diese Krawallschleuder so korrekt sein wie ein erhobener Mittelfinger im Bundestag. Doch Spaß macht der automobile Rotzlöffel auf jeden Fall.

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Tuning ab Werk: Die R-Version markiert die Spitze der Scirocco-Baureihe.

Ähnliches behauptet VW auch vom neuen Scirocco R: Der Schöpfer gleichermaßen perfekter wie blutleerer Volkssportler verheißt diesmal sogar rennsportinspirierte Kurvenkompetenz und nennt den 265 PS starken R-Antrieb in einem Atemzug mit den erfolgreichen TSI-Rennmotoren. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter solchen Werbeversprechen? Um dies herauszufinden, wagen wir diesmal einen etwas verruchten Vorstoß: Wir stellen den neuen Scirocco-Häuptling gegen den derzeit wohl extremsten Scirocco überhaupt. Doch wie heißt es so schön: Leistung allein macht noch lange keinen Sieger! Schließlich muss die Kraft erst einmal auf der Straße ankommen. Und das ist bei einer Liaison von Frontantrieb und Turbomotor keineswegs selbstverständlich. Im Falle des von "Volkswagen Individual" konzipierten Scirocco R malträtiert ein 152 Kilogramm leichter und 265 PS starker Turbo-Vierzylinder die Antriebsachse.

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Umgebaut: Zahlreiche motorische Änderungen entlocken dem 2.0 TSI satte 360 PS.

Im Vergleich zur 211-PS-Ausbaustufe wurde dieser mit stabileren Kolbenbolzen, stärkeren Pleuelstangen und einem steiferen Zylinderblock auf die maximalen 350 Newtonmeter vorbereitet. Verlustfreien Vortrieb sollen Dunlop-Pneus im Format 235/40 R 18 und das elektronische Quersperrdifferenzial XDS sicherstellen. Letzteres hindert durch gezielte Bremseingriffe das kurveninnere Rad am Durchdrehen und beugt so möglichem Untersteuern vor. In der Praxis funktioniert dies überraschend gut, auch wenn die Wirkweise bei Weitem nicht an eine mechanische Sperre heranreicht. Der Herausforderer aus dem Tuninglager muss gänzlich ohne Sperrwirkung auskommen. Und das, obwohl er über Kräfte verfügt, die konventionell antreibende Vorderräder binnen kürzester Zeit in ihre Einzelteile zerfetzen könnten. Der Tuner unterzieht die gesamte Turbotechnik einer gründlichen Kernsanierung, ändert alle Luftführungen, verbaut einen extragroßen Wastegate-Lader, schaltet einen geänderten Ladeluftkühler nach und garniert die Leistungskur mit einer strömungsoptimierten Abgasanlage samt Sportkat. Aus einstigen 200 werden so 360 PS, die serienmäßigen 280 Newtonmeter schwellen auf 470 an.

Beim Sprint auf 100 km/h sorgt gerade diese Drehmomentwalze für reichlich Action. Der DSG-bewehrte Digi-Tec kennt bis Tempo 100 nur einen Fahrzustand: maximaler Wheelspin bei stets aktivem Drehzahlbegrenzer. Die Drehzahlmessernadel verweilt selbst im zweiten Gang stoisch jenseits der 7000er-Marke, während die Michelin-Pilot-Sport-Reifen vergeblich um Traktion ringen. Die serienmäßige Launch-Control scheint Digi-Tec ebenso wegprogrammiert zu haben wie das lästige Hochschalten bei Erreichen der Drehzahlgrenze. Trotz dieser reifenmordenden Gewaltdemonstration liegen die Messwerte auf beachtlichem Niveau: 0-100 km/h dauern nur 5,3 Sekunden, Tempo 200 ist nach 16,9 Sekunden Realität. Auch der Scirocco R rollt mit DSG an den Start. Und auch er neigt beim Anfahren zu gehörigem Radschlupf. Im Gegensatz zum Digi-Tec-Inferno wirkt die Startprozedur hier allerdings wesentlich geschmeidiger. Im zweiten Gang herrscht bereits Freundschaft zwischen Reifen und Asphalt, der R stürmt in glatten sechs Sekunden auf 100 km/h. 200 Sachen liegen nach 20,0 Sekunden an.

Der Scirocco R ist alltagstauglicher und hat auf der Piste keine Chance

Keine Chance gegen den Tuner: Auf der Rennstrecke liegt die Serienversion hinten.

Zum Quell ungetrübter Fahrfreude mutiert der Serien-Scirocco schließlich auf gewundenen Straßen. Mit zielgenauer Lenkung und feinfühlig ansprechender Bremse lässt er sich willig von Biegung zu Biegung scheuchen. Der Motor erwacht bereits bei 2500 Touren zu vollem Leben, dreht willig an den roten Bereich und faucht seinen Tatendrang mit angenehm kerniger Stimme heraus. Nur die Abgasanlage nervt bei Schaltvorgängen und Lastwechseln mit arg synthetischem Auspuffploppen. Der Jagd nach maximaler Querbeschleunigung tut dies keinen Abbruch. Dank elektronischer XDS-Sperre kennt der Scirocco R tatsächlich kaum noch Untersteuern. Der Übergang zur Gleitreibung vollzieht sich über alle vier Räder – sofern man den Kraftfluss Richtung Vorderachse wohl dosiert. Ein zu forscher Gaseinsatz zieht den Werksflitzer nämlich spürbar aus der Kurve heraus, Lastwechsel zeigen dann kaum noch Wirkung. Dafür triumphiert der mit adaptiven Dämpfern (945 Euro) bestückte Werkswagen in der Alltagswertung. Je nach Modus nimmt er Kanaldeckel sportlich straff oder angenehm nachgiebig.

Weitere Details zu den beiden Sportcoupés finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
Fahrzeugdaten Digi-Tec Scirocco VW Scirocco R
Motor R4, Turbo R4, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1984 cm³ 1984 cm³
Bohrung x Hub 82,5 x 92,8 mm 82,5 x 92,8 mm
Verdichtung 9,6:1 9,8:1
kW (PS) bei 1/min 265 (360)/6000 195 (265)/6000
Literleistung 182 PS/Liter 134 PS/Liter
Nm bei 1/min 470/4500 350/2500–5000
Antriebsart Vorderrad Vorderrad
Getriebe 6-Gang-Doppelkupplung 6-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 365 mm/innenbel./gelocht 345 mm/innenbelüftet
Bremsen hinten 253 mm 310 mm/innenbelüftet
Radgröße vorn / hinten 8,5 x 19 8 x 18
Reifengröße vorn / hinten 235/35 R 19 235/40 R 18
Reifentyp Michelin Pilot Sport PS2 Dunlop SP Sport 01
Länge/Breite/Höhe 4256/1810/1364 mm 4248/1820/1394 mm
Radstand 2578 mm 2578 mm
Leistungsgewicht 3,9 kg/PS 5,4 kg/PS
Zuladung 370 kg 360 kg
Tankvolumen 55 l 55 l
Messwerte Digi-Tec Scirocco VW Scirocco R
Beschleunigung
0– 50 km/h 2,6 s 2,9 s
0–100 km/h 5,3 s 6,0 s
0–130 km/h 7,4 s 8,7 s
0–160 km/h 10,6 s 12,3 s
0–180 km/h 13,2 s 15,7 s
0–200 km/h 16,9 s 20,0 s
Höchstgeschwindigkeit
GPS-Messung 277 km/h 257 km/h (abgeregelt)
Viertelmeile
0–402,34 m 13,30 s 14,30 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 2,2 s 2,6 s
80–120 km/h 2,6 s 3,1 s
Bremsweg
100–0 km/h kalt (Verzögerung) 38,1 m (–10,1 m/s²) 37,0 m (–10,4 m/s²)
100–0 km/h warm (Verzögerung) 37,9 m (–10,2 m/s²) 36,1 m (–10,7 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 10,4 l Super Plus 10,1 l Super Plus
Reichweite 530 km 500 km
Leergewicht 1390 kg 1430 kg

Autor: Manuel Iglisch

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