Lexus UX: Gebrauchtwagen-Test
Rechnet sich der gebrauchte Lexus UX?

Als Einstiegsmodell lockt der Lexus UX mit gefragtem Formfaktor, solider Technik und viel Ausstattung. Geht diese Formel auch gebraucht noch auf?
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Luxus funktioniert bei Lexus anders. Während deutsche Premiumhersteller bereits ihre Kompaktmodelle gern über Leistung, große Displays oder Prestige definieren, setzen die Japaner traditionell auf Ruhe, Qualität und technische Haltbarkeit. Der UX ist dafür ein gutes Beispiel.
Er will kein SUV für den großen Auftritt sein, sondern eine durchdachte Alltagslösung mit Fokus auf Komfort, Effizienz und Langzeitqualität. Gerade als Gebrauchtwagen gewinnt dieses Konzept an Reiz. Denn was im Neuzustand beeindruckt, verliert mit den Jahren oft an Glanz. Solide Verarbeitung, günstiger Unterhalt, Zuverlässigkeit und lange Garantien werden mit zunehmender Laufleistung dagegen immer wertvoller. Und genau dort punktet der UX.
Technisch eng mit dem Toyota C-HR verwandt
Das ist er: Anfang 2019 kam der Lexus UX auf den Markt, gebaut wird er im japanischen Werk Kyushu im Südwesten des Landes. Mit 4,50 Metern Länge gehört er zu den kompakteren Premium-SUV. Optisch hebt er sich deutlich von europäischen Konkurrenten ab: Scharfe Linien, ein riesiger Kühlergrill und ein durchgehendes Heckleuchtenband sorgen bis heute für einen eigenständigen Auftritt. Technisch nutzt der UX bewährte Gene. Er basiert auf der GA-C-Plattform des Toyota-Konzerns, wurde von Lexus aber deutlich aufwendig feinjustiert. Mehr Dämmung, zusätzliche Versteifungen und ein sauber abgestimmtes Fahrwerk bemühen sich auch bei knapp 100.000 Kilometer gelaufenen Gebrauchten erfolgreich um einen soliden Eindruck.

Schmale LED-Scheinwerfer und ein riesiger Diabolo-Kühlergrill unterstreichen den selbstbewussten UX-Auftritt.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Im Innenraum zeigt sich die typische Lexus-Mischung aus hoher Präzision und kleinen Widersprüchen. Das Engawa-Design soll theoretisch Geborgenheit vermitteln. Praktisch setzt der UX beim Platzangebot klare Prioritäten: Vorne sitzt man bequem, hinten geht es enger zu als bei vielen Konkurrenten. Der Kofferraum fällt mit rund 320 Litern bestenfalls durchschnittlich aus. Details wie routiniert verbaute Polsterstoffe, sauber rastende Schalter und die analoge Uhr sind die feine Lexusnote. Dadurch irritieren Details wie die einfache Kofferraumabdeckung oder die Türverkleidungen.
Größter Schwachpunkt bleibt das Infotainment früher Modelljahre: Das Touchpad verlangt Eingewöhnung, die Menüführung wirkt angestaubt. Erst die Modellpflege ab 2022 brachte Touchscreen-Bedienung und frische Software.
Technische Daten
UX 200 | UX 250h | UX 300h | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder-Hybrid/vorn quer | Vierzylinder-Hybrid/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1987 cm³ | 1987 cm³ | 1987 cm³ |
Leistung/Systemleistung | 126 kW (171 PS) bei 6600/min | 135 kW (184 PS) bei 6000/min | 146 kW (199 PS) bei 6000/min |
Drehmoment | 205 Nm bei 4800/min | 190 Nm bei 4400/min + 202 Nm | 190 Nm bei 4400/min + 206 Nm |
Höchstgeschw. | 190 km/h | 177 km/h | 177 km/h |
0–100 km/h | 9,2 s | 8,5 s | 8,1 s |
Tank/Kraftstoff | 47 l/Super | 43 l/Super | 43 l/Super |
Getriebe/Antrieb | 1-Gang-CVT/Vorderrad | 1-Gang-CVT/Vorderrad | 1-Gang-CVT/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4495/1840/1540 mm | 4495/1840/1540 mm | 4495/1840/1540 mm |
Kofferraumvolumen | 320-1231 l | 320-1231 l | 320-1231 l |
Leergewicht/Zuladung | 1460/520 kg | 1540/570 kg | 1495/615 kg |
Anhängelast | 750/750l kg | 750/750l kg | 750/750 kg |
Bereits die Basisausstattung fällt ungewöhnlich umfangreich aus
Das hat er: Bereits die Basisausstattung des UX fällt ungewöhnlich umfangreich aus. LED-Scheinwerfer, adaptiver Tempomat, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung und Klimaautomatik sind serienmäßig an Bord. Lexus bündelte zusätzlich viele Assistenzsysteme in einem sogenannten Safety System+, um Auffahr-, Fahrspur- und Fußgänger-Unfallgefahren zu minimieren.

Absolut knisterfreies Cockpit: Bedienkonzept nach Art des Hauses, insgesamt noch eher traditionell.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Je nach Ausstattung gibt es außerdem elektrisch verstellbare Vordersitze, Sitzheizung, Sitzbelüftung, Head-up-Display und ein beeindruckendes Soundsystem. Gerade im direkten Vergleich zu deutschen Wettbewerbern mit Leasing-optimierter Flottenausstattung punktet der UX somit klar über seine komplette Ausstattung. Typisch Lexus ist ebenfalls, dass die Japaner stärker in mechanische Haltbarkeit und Bedienqualität als auf Showeffekte setzten. Viele Fahrzeuge wirken selbst mit gehobenen Laufleistungen noch erstaunlich frisch.
Die Stärke liegt in der Balance
So fährt er: Basis ist ein eher drehmomentschwacher UX-200-Benziner mit 171 PS. Spannender und wirtschaftlicher ist der verbreitete UX 250h mit 2,0-Vierzylinder und Elektromotor als Vollhybrid mit 184 PS Systemleistung. Mit 199 PS und modernerem Litium-Ionen-Akku lockt ab dem 2024er Facelift der 300h-Hybrid. Alternativ zum Frontantrieb gibt es die Allradversion E-Four mit elektrifizierter Hinterachse. Der UX 300e ist die vollelektrische Version mit 204 PS und 54,3 kWh Akkukapazität sowie einer rekordverdächtigen Hochvoltakkugarantie bis 1.000.000 Kilometer (SoH-Wert 70 Prozent).

Heckpartie mit durchgehendem Leuchtenband. Das Format ist bewusst massentauglich gewählt.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Stärke des UX ist weniger Dynamik, als ein dauerhaft harmonischer Gesamteindruck. Im Stadtverkehr fährt der Hybrid meist elektrisch an, bewegt sich dadurch leise. Das System arbeitet unauffällig und ist in der Regel auch langfristig enorm zuverlässig. Der Verbrauch ist ein weiterer Pluspunkt: Viereinhalb bis sechs Liter auf 100 Kilometer sind ohne besondere Sparkünste drin. Unter Volllast nervt das stufenlose Getriebe (CVT) allerdings mit hohen Drehzahlen, bevor dann wie am Gummiband gezogen Tempo gemacht wird.
Stärken
- Hoher Qualitätsstandard
- Effizienter und langlebiger Hybrid
- Starke Garantien
Schwächen
- Bis Facelift mäßiges Infotainment
- Fond und Kofferraum recht beengt
- Sehr teure Kaskoklassen
Die Schwächen sind überschaubar
Das macht Ärger: Lexus bietet drei Jahre Neuwagen- und Lackgarantie sowie zwölf Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Beim E-Modell gibt es außerdem standardmäßig fünf Jahre oder 100.000 km auf den Antriebsstrang. Mit Relax-Garantie wird durch Regelwartungen der Schutz auf bemerkenswerte 15 Jahre und 250.000 Kilometer verlängert. Bei der Gebrauchtwagenprüfung lohnt dennoch ein genauer Blick.
Typisch sind Probleme mit von innen feuchten Rückleuchten und ein recht empfindlicher Lack. Das Interieur ist in Details wie den Türverkleidungen und Sitzwangen nicht ganz auf dem Niveau der größeren Modelle. Schwächelnde 12-Volt-Batterien sind recht früh typisch, was eine Vielzahl lästiger Phantomfehler möglich macht. Beim Kraftfahrt-Bundesamt sind für den UX insgesamt sechs Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 5,5 l S/100 km |
|---|---|
CO2 gem. NEFZ-Zyklus | 94 g/km |
Inspektion | 350-850 Euro |
Haftpflicht (18)* | 691 Euro |
Teilkasko (27)* | 1583 Euro |
Vollkasko (30)* | 1728 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6d Temp) | 40 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatterie | 2600 Euro |
|---|---|
E-Antriebseinheit | 5968 Euro |
Wasserpumpe | 919 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 1104 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1537 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 679 Euro |
Infotainmentbildschirm | 4030 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 215/60 R17 96H) | 700 Euro |
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