Einen ganzen Tag lang geht das 24h-Rennen in Spa, doch die Entscheidung beim Sportwagen-Klassiker in den Ardennen fällt 2021 erst in den letzten zehn Minuten: Trotz starker Regenfälle überholt Ferrari-Pilot Alessandro Pier Guidi den bis dahin führenden Audi R8 LMS von Dries Vanthoor mit seinem sensationellen Manöver auf der Außenbahn in der ultraschnellen Blanchimont-Kurve.
Mit dem Gänsehaut-Moment beschert der Mann des Tages aus Italien nicht nur seinem Team den Sieg, er beendet auch die Siegesserie der deutschen GT3-Hersteller beim 24-Stunden-Rennen in Spa seit 2009. Für Ferrari ist es mit dem 488 GT3 sogar der erste Gesamtsieg beim belgischen Klassiker seit 17 Jahren.
Dabei sah das Rennen für die Italiener schon verloren aus: Trotz langer Führung geht die Strategie für den Iron-Lynx-Ferrari in der Schlussphase zunächst nicht auf. Denn während das Trio um Pier Guidi, Nielsen und Ledogar beim letzten regulären Boxenstopp Slicks aufzieht, setzt die WRT-Audi-Truppe auf Regenreifen.
Der siegreiche Ferrari von Pier Guidi und Co. in Spa
Der Poker wird vom Wettergott belohnt und spült Vanthoor/Weerts/Van der Linde zunächst an die Spitze. Nach der letzten Gelbphase bleibt Pier Guidi dann nur noch eine halbe Stunde, um das Blatt erneut zu wenden. "Als plötzlich der Regen kam, sah schon alles verloren aus. Ich war im Auto so enttäuscht und habe mir gesagt, dass ich jetzt noch irgendetwas machen muss", sagt der Italiener.
Den Rückstand von sechs Sekunden auf Vanthoor stampft Pier Guidi tatsächlich noch ein und setzt neun Minuten vor dem Ende das entscheidende Manöver. "Ich habe gepusht wie ein Tier und bin sämtliche Risiken eingegangen", strahlt Ferraris Mann der Stunde. Platz drei hinter der Scuderia und dem WRT-Audi geht an das Garage-59-Trio Thiim/Sörensen/Gunn im Aston-Martin mit der Nummer 95.
Angefangen hatte der Klassiker in Spa mit einem großen Schock: In der berühmt-berüchtigten Eau Rouge kommt es zum Massencrash (alle Infos hier), den alle beteiligten Fahrer aber wie durch ein Wunder ohne gravierndere Verletzungen überstehen. Am schlimmsten erwischt es noch Lamborghini-Pilot Jack Aitken, der sich das Schlüsselbein bricht. Der Brite meldet sich auf seinen Social-Media-Kanälen mit bandagierter Schulter aber schon einige Stunden nach dem Mega-Crash aus dem Krankenhaus und gibt Entwarnung.

Von

Frederik Hackbarth