Toyota hat noch ein Jahr Gnadenfrist. Nach vier Siegen bei den 24 Stunden von Le Mans von 2018 bis 2021 sind die Japaner auch 2022 wieder Favorit.
Nur fünf Autos starten an diesem Wochenende in der Topklasse. Und weder Glickenhaus noch Alpine sind Toyota ebenbürtig, auch wenn beide Hersteller in der Sportwagen-Weltmeisterschaft derzeit vor den Japanern liegen. Grund: Ein Toyota crashte beim Auftakt in Sebring, ein anderer hatte bei der Generalprobe in Spa einen technischen Defekt. Die Veranstalter haben nichts unversucht gelassen, die Autos auf ein Level zu bekommen.
Auch 2022 ist Toyota wieder der Favorit.

Beispielsweise darf Toyota den 270 PS starken Elektromotor erst bei 190 statt wie 2021 noch bei 120 km/h zuschalten. Erst dann verfügt der Toyota GR010 Hybrid über einen Allradantrieb. Die Systemleistung mit dem 3,5-Liter-V6-Turbo beträgt 688 PS. Der 3,5-Liter-V8-Turbo im Glickenhaus darf dagegen 707 PS leisten. Der Alpine-Gibson (4,5-Liter-V8-Sauger) ist auf 550 PS gestutzt, außerdem hat der umgestrickte LMP1-Rennwagen einen Reichweitennachteil von mindestens einer Runde. Dafür ist er aerodynamisch effizienter.
Auch wenn die Gegner also überschaubar sind, für Toyota wird es in Le Mans trotzdem spannend. Denn die Frage ist, welcher der beiden GR010 Hybrid gewinnen wird. Bei beiden gäbe es spannende Geschichten. Siegt der Toyota #7 mit Mike Conway (38), José María López (39) und Kamui Kobayashi (35), würde der Teamchef persönlich gewinnen. Denn Kobayashi ist seit 2022 auch Boss des Projekts. „Das ist eine ganz besondere Herausforderung, selbst zu fahren, aber auch auf der anderen Seite der Boxengasse meine Erfahrung einzubringen“, so der Ex-F1-Fahrer. Einen Teamchef, der als Fahrer selbst Le Mans gewinnt, gab es zuletzt 1980. Jean Rondeau entwickelte den Siegerwagen sogar selbst.
Gewinnt der Toyota #8 mit Brendon Hartley (32), Sébastien Buemi (33) und Ryo Hirakawa (28), dann hätte Le Mans seinen 140. Sieger. Hirakawa ist 2022 nämlich neu im Aufgebot. „Die Super GT in Japan hat mich mit ihren unterschiedlichen Klassen sehr gut auf Le Mans vorbereitet“, glaubt der Japaner.
In der zweiten Werkshersteller-Klasse, der GTE Pro, sind zwei Porsche 911 RSR-19 vertreten.

Auch in der zweiten Werkshersteller-Klasse, der GTE Pro, sind nur sieben Autos vertreten – neben drei Ferrari 488 GTE Evo und  zwei Corvette C8.R auch zwei Porsche 911 RSR-19. Für Porsche ist es eine Übung für 2023. Dann mischt der siegreichste Le-Mans-Hersteller auch in der Topklasse mit.

TV-Tipp

Wie jedes Jahr überträgt Eurosport auch 2022 das Rennen in Le Mans – über die vollen 24 Stunden. Rennstart ist am kommenden Samstag (11. Juni) um 15 Uhr.

Von

Michael Zeitler