Nick Yelloly hat am Freitagabend auf dem verregneten Nürburgring mit einer Bestzeit von 10:01,619 Minuten den Titelverteidigern die Pole Position für das 49. ADAC TOTAL 24h Rennen beschert. Yelloly blieb im Rowe-BMW mit der #1 des Vorjahressiegers als Brite im strömenden Regen absolut cool und sicherte sich damit auch die begehrte Glickenhaus-Trophy für den schnellsten Fahrer am Ring.

In seiner zweiten Runde hatte Yelloly, der im vorigen September zum Rowe-Siegertrio gehört hatte, den bis dahin führenden Axcil Jefferies im #19 Konrad-Lamborghini noch um 2,308 Sekunden abgefangen. Jefferies hatte wegen eines Reifenwechsels nur einen Versuch im Einzelzeitfahren. Rang drei holte Manuel Metzger im #4 HRT-Mercedes-AMG, der im vorigen Jahr schon auf Startplatz eins gestanden hatte. Bester Audi war der #8 Phoenix-Audi mit Nicky Thiim am Steuer als Achter, bester Porsche der #3 Rutronik-Porsche mit Julien Andlauer auf Rang neun. Alle Infos und der Livestream zum 24h-Rennen auf dem Nürburgring auf www.24h-rennen.de. Der Start findet um 15.30 Uhr statt. Live im TV auf Nitro.
Fest steht: Keiner kann das 24h-Rennen auf dem Nürburgring und die Tücken der Nordschleife besser erklären als Timo Bernhard (40). Er ist einer von drei Fahrern, die das Rennen fünf-mal gewonnen haben. 2018 stellte er mit einem frisierten LMP1-Porsche einen neuen Rundenrekord auf der Nordschleife auf: Für die 20,832 Kilometer lange Strecke brauchte er gerade mal 5:19,55 Minuten.
Herr Bernhard, Sie  sind neben Pedro Lamy und Marcel Tiemann Rekordsieger der 24h auf dem Nürburgring.
Wie bezwingt man den Mythos Nordschleife?

Timo Bernhard: „Mit Hartnäckigkeit. Bis 2006 mein erster Sieg rausgesprungen ist, habe ich es schon mehrmals versucht. Das Rennen hält einfach alles bereit: wechselnde Witterungsbedingungen, die Strecke an sich ist eine Herausforderung, und du brauchst ein Team, das dieses Rennen versteht. Alle meine fünf Siege habe ich mit Manthey Racing und Olaf Manthey als Teamchef an der Boxenmauer geholt. Das war eine eingespielte Truppe. Der Schlüssel war die Konstanz.“
Wie würden Sie die  legendäre Nürburgring-Nordschleife beschreiben?
„Die Strecke ist eigentlich aus der Zeit gefallen. Alles wurde entschärft, nur die Nordschleife wurde so beibehalten – ihr Charakter, ihr Herz, ihre Seele. Das macht sie für die heutige Fahrergeneration so interessant. Sie ist schmaler, man hat richtig hohe Randsteine, die man zum Teil mitnimmt, teilweise aber eben nicht. Man fühlt sich wie in einem Leitplankenkanal, wie in einem Tunnel. Man weiß genau: Für einen Fehler ist da kein Raum. Durch die Höhenunterschiede muss man ganz anders fahren. Das Rennen ist ein Abenteuer.“
Keiner kann das 24h-Rennen auf dem Nürburgring und die Tücken der Nordschleife besser erklären als Timo Bernhard (40).
Haben Sie eine Lieblings-stelle? 

„Die ganze Strecke ist einfach der Wahnsinn. Der Abschnitt Kallenhard bis runter zur Wehr seifen, auch das Bellof-S finde ich extrem. Da fährt man links über die Kuppe runter, und in der Rechts-links-rechts-Senke ist das Auto immer regelrecht am Tanzen, das ist ein besonderes Gefühl. Ein Abschnitt, bei dem ich auch immer froh war, wenn ich da heil durch war: die Fuchsröhre – wegen der extremen Senke. Und meistens triffst du genau da auf ein langsames Fahrzeug zum Überholen.“
Sie sprechen den Verkehr an: Dort treffen Profis auf Amateure … 
„Von der Gesamtzahl der Starter ist das heute nichts im Vergleich zu meiner Anfangszeit. Es gab damals weniger Spitzenautos, vielleicht 10, 15 Top-fahrzeuge. Aber es waren zum Teil 224 Starter. Das war richtig verrückt. Da ist sogar noch ein VW Bus mitgefahren! Das ist heute etwas entschärft worden, indem die Fahrzeuge in der Breite näher zusammenliegen. Wenn man da in der GT3-Klasse Rad an Rad um den Sieg kämpft und dann ein Amateur dazwischen-fährt, ist das schwierig. Aber das ist die Seele des Rennens, und die darf man auf keinen Fall verlieren.“
Sie haben auch das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen. Wie lassen sich diese beiden Langstreckenrennen vergleichen?
„Le Mans ist im Positiven die Großmutter aller Langstreckenrennen. Es ist ein Ritterschlag, dort zu fahren und zu gewinnen. Die 24h auf dem Nürburgring sind wilder, mehr Freestyle. Aber: Der Stellenwert wächst, es ist vielleicht sogar das herausragende GT-Rennen der Welt. Du kannst einen GT3 nicht mit einem LMP1-Prototyp vergleichen – bezüglich Technik, Fahrspaß und Geschwindigkeit. Aber ein GT3 auf der Nordschleife kommt einem LMP1 in Le Mans schon sehr, sehr nahe.“