Oft erwächst erst aus schweren Krisen wahrhaft Großes. Das musste auch TechArt Anfang des 21. Jahrhunderts am eigenen Leib erfahren. Miese Porsche-Verkaufszahlen drückten auch aufs Geschäft des Porsche-Tuners. Das Zugpferd der Marke, der 911er dümpelte durch den Modellwechsels von 996 auf 997 vor sich hin, mit dem Boxster war noch nie Staat zu machen. Für TechArt eine schwierige, weil ungewohnte Sitution. Seit der Gründung im Jahre 1987 war es bis dato immer steil bergauf gegangen. Getunte Porsche galten lange als sichere Bank und versprachen gute Geschäfte.

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Video: Techart Cayenne Nardo Teil 1/2

Techart Cayenne auf der Nardo Highspeed Rennstrecke Italien

Statt zu verzagen entschloss sich TechArt alles auf eine Karte zu setzen und konzentrierte nahezu sämtliche Entwicklungskapazitäten und Gelder im siebenstelligen Bereich auf den damals flammneuen Porsche Cayenne. Mit Erfolg. Auf der Motorshow in Essen 2004 feierte das Resultat sein Debüt. Der Magnum schlug auf Anhieb ein. Kaum ein Konzept der Zunft hatte je mit einer derart selbstbewussten Eigenständigkeit gepunktet, sich so nachhaltig vom Basisfahrzeug emanzipiert. Binnen kürzester Zeit lösten sich alle TechArt-Probleme in Wohlgefallen auf: 450 Cayenne der ersten Generation entstanden ab 2004. Von der zweiten Generation ab 2007 sogar 500 Stück. Die dritte Generation ist seit 2011 zu haben – und verkaufte sich bereits 150 Mal.

Gezielt auf Erfolg hingearbeitet

Techart Magnum I (2004) ; Techart Magnum II (2007) ; Techart Magnum III (2011)
Magnum I und II fahren auf 295/30 R 22 – nur der dritte Bruder lebt auf größerem Fuß mit seinen 315/35 R 23.
Bild: Lena Barthelmeß
Kein anderes Auto aus Historie und Modellprogramm des 74-Mann-Betriebes lief und läuft ähnlich gut. Und keines verhalf der Marke TechArt zu vergleichbarer internationaler Anerkennung. Genau genommen beschreibt der Name Magnum nur das Breitbau-Bodykit samt Front- und Heckschürze. Es wird aber seit Anbeginn nahezu immer mit passenden Rädern, Leistungssteigerung und opulentem Interieur kombiniert. Zudem steckt unter der Haube in der Regel der fette V8-Biturbo-Motor. Nur der kommt für die PS-hungrige Kundschaft in Frage und die kommt überwiegend aus Russland, Arabien, China, den USA und Japan, aber auch aus Deutschland und der Schweiz. In der Schweiz gelingt es uns denn auch, alle Generationen zum Familientreffen zu versammeln.

Herkunft klar erkennbar

Magnum I macht immer noch einen ansehnlichen Eindruck. Seine dralle Form lässt ihn auf Anhieb sympathisch wirken. Relativ dezent sieht er in seiner schwarzen Verpackung aus. Das grellweiße Fahrzeug, das wir in AUTO BILD 5/2005 im Test hatten, machte mehr her, wozu seine Dachbox samt goldener "Dubai Ski Club"- Beschriftung gehörig beitrug. Nummer II sieht eckiger, ernsthafter aus – eine gereifte Variante des juvenilen Magnum I. Der dritte seiner Art orientiert sich klar an den Vorgängern: klassisches Rad, voluminöser Grill, geschwungener Breitbau ohne zu viel Firlefanz. Tritt aber trotzdem einen Tick markanter auf, glänzt mit noch mehr physischer Präsenz.

Hier verrucht, da stilvoll

Der Inneneinrichtung misst TechArt nicht weniger Bedeutung bei als der Außenhaut: Ausgefallene und top verarbeitete Interieurs sind seit jeher eine TechArt-Spezialität. Der Urvater haut diesbezüglich mächtig auf den Putz: Rot verleiht dem Cockpit eine verruchte Clubatmosphäre. Nummer II hält sich zurück: Dessen gedeckte Farben kommen mit 54.000 Euro am teuersten. Woher diese Summe rührt? Die Möbel- und Lederspezialisten der Schweizer Edelmanufaktur De Sede zeichnen für das stimmungsvolle Ambiente verantwortlich. 2011 ist Bescheidenheit angesagt: Der Neue begnügt sich mit Serienleder, das mit weißem Garn neu vernäht wurde. Der überschaubare Aufwand zeigt große Wirkung – und kommt mit 16.150 Euro vergleichsweise günstig.

Ein Renner mit 680 PS

Techart Magnum I (2004) ; Techart Magnum II (2007) ; Techart Magnum III (2011)
Auf den Charakter ihrer Besitzer lassen diese drei Autos keine Rückschlüsse zu – aber auf ihre Vermögensverhältnisse.
Bild: Lena Barthelmeß
Wir werfen die Motoren an. Das Trio spricht mit einer Stimme. Die klingt tief, dunkel, mächtig, fast bedrohlich – ganz wie wir es mögen. Das stolze Bollern kommt nicht von ungefähr: 600 PS leistet der Vertreter der ersten Generation – 150 PS mehr als ein Cayenne Turbo von der Stange. Das Herzstück der Leistungssteigerung stellen die größeren Turbolader dar. Der Nachfolger setzt mit 650 PS noch einen drauf. Wie der Vorgänger fuhr auch er in der Motorsport Arena Oschersleben – unserer damaligen Hausstrecke – auf Platz 1 der SUV-Klasse. Eine auf 680 PS aufgepumpte Version errang 2009 in Nardò sogar den Titel "schnellstes großes SUV". Mehr Details lesen Sie in der Bildergalerie. Den ganzen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es in AUTO BILD SPORTSCARS 1/2012 oder als Download im Heft-Archiv.

Fazit

von

Ben Arnold
Drei Autos, eine Erkenntnis: Die Kombination aus Leistung, Individualität, Alltagstauglichkeit und Luxus beherrscht der Magnum wie kein Zweiter. Wenn TechArt weiterhin High Performance mit höchster Qualität verbindet, sind auch die nächsten 25 Jahre gesichert.