Bis spätestens 2030 wird das 2G-Mobilfunknetz in Deutschland abgeschaltet. Für Millionen Autofahrer könnte das ein Problem werden – denn viele Fahrzeuge nutzen den alten Standard für das gesetzlich vorgeschriebene Notrufsystem eCall.
Wenn das Netz weg ist, könnte der lebensrettende Dienst ausfallen. Doch bedeutet das auch, dass betroffene Autos bei der Hauptuntersuchung (HU) durchfallen – oder sogar stillgelegt werden?

eCall ohne Netz – was passiert dann?

Seit 2018 ist eCall für alle neu zugelassenen Autos in der EU Pflicht. Das System soll im Falle eines Unfalls automatisch Rettungskräfte alarmieren. Die meisten Fahrzeuge, die vor 2021 gebaut wurden, nutzen dafür das 2G-Mobilfunknetz. Doch mit dem geplanten Netz-Aus von Telekom (2028) und Vodafone (bis 2030) könnte dieser Notruf in vielen Autos einfach ins Leere laufen.

HU-Durchfaller oder nur ein kleines Problem?

Prüforganisationen wie TÜV und DEKRA sehen das Problem – aber nicht als Grund für eine Stilllegung. Ist eCall an Bord, muss es laut Vorschrift funktionieren. Fällt es durch einen Defekt aus, gilt das als erheblicher Mangel und kann zur Verweigerung der Plakette führen. Doch was, wenn das System technisch einwandfrei ist, aber nur das Funknetz fehlt?
Hier sind sich die Experten einig: Ein Netzausfall ist kein technischer Defekt, sondern eine externe Veränderung. Ein Prüfer kann also nicht nachweisen, ob das Auto gerade in einem Funkloch steht oder ob das 2G-Netz nicht mehr existiert. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass eine nicht funktionierende Notrufverbindung automatisch zur Stilllegung führt.

EU will Lösung finden

Die EU-Kommission hat das Problem längst erkannt, denn Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem 2G verschwindet. Dänemark etwa plant sogar schon eine Abschaltung im aktuellen Jahr 2025. Die Kommission hat bereits erste Maßnahmen auf den Weg gebracht – darunter eine Studie, die klären soll, ob eine Nachrüstung oder eine Umstellung auf 4G per Software-Update möglich ist.

Was können Autofahrer tun?

Aktuell gibt es für betroffene Fahrzeuge noch keine Nachrüstlösung. Autohersteller könnten eCall per Software-Update auf neuere Mobilfunkstandards umstellen – doch ob und für welche Modelle das passiert, ist noch unklar. Alternativ wäre ein staatlich garantierter Weiterbetrieb des 2G-Netzes möglich.
Eine Zwangsstilllegung droht durch die 2G-Abschaltung nicht. Bei der HU dürfte das Problem nicht als erheblicher Mangel gewertet werden. Dennoch müssen sich Politik und Hersteller bald eine Lösung einfallen lassen – damit eCall auch in Zukunft zuverlässig funktioniert.