Vier Jahrzehnte AUTO BILD, Hunderte Menschen, die daran mitgewirkt haben, Zehntausende, ach: Millionen Erinnerungen. An lustige, aufregende, peinliche, freudvolle, traurige, oft unglaubliche Momente. Viele davon konnten so nur bei AUTO BILD passieren, wo seit 40 Jahren kreative Menschen und alle nur denkbaren Autos aufeinandertreffen.
Es geht vom Brezelkäfer bis zum Pagani Zonda, die Anekdoten spielen zwischen Nairobi und Los Angeles, mal geht es um Vollgas, mal um Feinheiten. Manchmal haben wir uns aufgeregt, meist waren wir begeistert – gestaunt haben wir jedenfalls über jede dieser Geschichten.
Lesen Sie hier eine Auswahl von Anekdoten, notiert von Menschen, die AUTO BILD geprägt haben. Viel Spaß!
In Kenia platzte unser Thema
Uli Sonntag erzählt: "Für eine Reportagereihe über 75 Jahre Mercedes-Benz suchten wir nach Themen. Ein Redakteur meinte, in Kenia würden Menschen sich in Mercedes-Modellen begraben lassen. Zack, am nächsten Tag flogen Jörg Wigand als Reporter und ich als Fotograf nach Nairobi – ohne vorher viel recherchiert zu haben.
In Nairobi sprachen wir mit Bestattungsunternehmern. Die schüttelten die Köpfe: Nein, so was tut hier niemand.
Und nun? Ohne Reportage wollten wir nicht wieder nach Hause fliegen. Jörg schlug das Telefonbuch auf und fand über den örtlichen Presseclub den ARD-Korrespondenten in Nairobi. Der bestätigte: Bestattungen von Mercedes-Fans gebe es in Westafrika, die Geschichte habe er selbst mal gedreht. Allerdings werden die nicht in Autos begraben, sondern in Kisten, die als Autos mit Mercedes-Stern dekoriert werden.
Ein Thema hatten wir damit immer noch nicht. Doch der ARD-Kollege erinnerte sich, dass die damalige Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) Mercedes G-Modelle hätte. Wir riefen im GTZ-Büro an. Die Dame sagte: 'Ihr habt Glück, unser Büroleiter ist normalerweise im Westen von Kenia, aber morgen hier.'
Am nächsten Tag fuhren wir mit ihm – im Mercedes G-Modell – in die Masai Mara zu den Massai, wo die GTZ half, Schulen und Wasserleitungen zu bauen. Wir kamen dann doch mit einer sehr guten Reportage nach Hause. Aber wie sie zustande kam, das werde ich nie vergessen."
Im Mercedes beerdigt? Nein, die Geschichte haben Uli Sonntag und Jörg Wigand beerdigt – und sind für Ausgabe 12/2001 zu den Massai gefahren.
Bild: intern AUTO BILD
Arnold Schwarzenegger würde mich beschützen
Hauke Schrieber erzählt: "Ich also im Flur eines schmucklosen Bürogebäudes in Santa Monica, Kalifornien. Draußen regnet es, tatsächlich. Es ist März 2019, eine Zeit, bevor die Welt im Allgemeinen und die deutsche Autoindustrie im Speziellen ziemlich vor die Hunde gehen wird.
Arnold Schwarzenegger und Hauke Schrieber beim Interview 2019. Hauke Schrieber war 1997 bis 2023 bei AUTO BILD.
Bild: Hauke Schrieber / AUTO BILD
Ich sitze neben einer lebensgroßen Pappfigur des Terminators, und irgendwann höre ich diese Stimme: 'Come in.' Ich gehe durch die offene Tür seines Büros, überall Statuen von ihm und an den Wänden Bilder von ihm. Pokale und Auszeichnungen.
'Ahh', sagt Arnold Schwarzenegger. 'Der Mann von AUTO BILD ist da. Welcome.'
Ich hatte ein Interview angefragt, um mit dem ehemaligen Governor of California über den Diesel-Skandal zu sprechen, über seine Erinnerungen an Treffen mit deutschen Konzernchefs, über seine Überzeugungen, die er gegen 'die da in Washington' verteidigte. Mehr als zwei Stunden dauert das Gespräch. Verabredet waren 45 Minuten.
Zum Abschied sagt Arnie: 'Wenn Sie ein Problem haben, wissen Sie ja, wo Sie mich finden.'"
"SCHLAAAAND!" Das Ratgeber-Ressort von AUTO BILD arbeitet hochseriös. Kann das nur nicht immer so zeigen.
Bild: Ralf Timm / AUTO BILD
Bendix Krohn erzählt: "König Fußball begleitet mein Leben. Erst auf dem Bolzplatz als kleiner Butscher, dann als Fan des 1. FC Köln und später aktiv beim FC St. Pauli im Amateurbereich.
Bei AUTO BILD war die schönste Nebensache der Welt auch regelmäßig Thema. Alle zwei Jahre, zu Welt- und Europameisterschaften, präsentierten und testeten wir die neuesten Fanartikel für Auto und Fan. Fähnchen, Überzieher, Aufkleber, Schals, Trikots – ein Traum in Schwarz-Rot-Gold.
Sechs Siegerfäuste fürs Finale: Wegen des großen Erfolges machte Bendix Krohn sich immer wieder zum Endspiel-Horst. Unten rechts vertritt Fußball-Freak Bernd Volkens ihn würdig.
Bild: Ralf Timm und Angelika Emmerling / AUTO BILD
Und wer durfte seinen Edelkörper als Modell zur Verfügung stellen? Natürlich der Kollege Krohn. Der Mann der tausend Gesichter.
Im Laufe der Jahre war ich schon Wikinger, Fischer oder Putzfrau. Mir hat das Verkleiden immer Spaß gemacht, und fast nichts war mir peinlich.
Auch in der Rolle der Witwe Bolte weiß Krohn immer wieder zu überzeugen. Er fing 1998 als Student bei AUTO BILD an und ist mit redaktionellen Inhalten seit 2005 am Start.
Bild: Ralf Timm / AUTO BILD
Heute nicht mehr so gefragt, war das Jahr 2014 mein Highlight. Im Vorfeld der WM in Brasilien gaben ich und ein VW Up alles. Dabei muss erwähnt werden, dass die Fotoshootings im kompletten Schland-Ornat nicht nur positives Feedback hervorriefen.
Egal, Augen zu und durch und mit der Vuvuzela Kritik niedertröten. Am Ende wurden wir alle belohnt, Deutschland wurde WELTMEISTER!"
30 Einsätze beim 24-Stunden-Rennen
Dierk Möller erzählt: "Dank AUTO BILD bekam ich die Chance, am 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring in einem 150 PS starken Opel Kadett GSi in der Gruppe N teilzunehmen. An meiner Seite: Archie Müller (siehe unten) und Horst von Saurma (damals noch Horst Vieselmann).
Es folgten 29 weitere Einsätze auf Saab 9000, BMW M3 und Z4, VW Golf TDI, Artega GT, Caterham, Audi A3, Lamborghini Huracán Trofeo mit knapp 600 PS und Aston Martin Virage.
Dreischichtbetrieb für AUTO BILD: Horst von Saurma, Dierk Möller und Hermann J. "Archie" Müller am Opel Kadett E GSi.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Warum das Ganze? Chefredakteur Peter Felske hat das damals richtig erkannt: 'Ihr wollt doch nur euren Spaß haben.'
Stimmt schon. Aber die Erfahrungen von der Rennstrecke kann ich natürlich für die Fahrten im Grenzbereich bei unseren Reifentests einsetzen."
Marathon im VW Corrado
Hermann J. Müller erzählt: "Im Oktober 1988 brachte VW den Corrado an den Start. Die Frage drängte sich auf: Kann VW auch Sportwagen? Die Antwort suchten wir in der Eifel: In 100 Stunden rund um die Uhr sollte der 160 PS starke Corrado G60 auf der Nürburgring-Nordschleife seine sportlichen Qualitäten beweisen.
Bloß nicht ausrutschen! Die Nordschleife ist so schon tückisch genug – wir scheuchten den VW Corrado sogar bei Raureif über die Strecke. Hermann J. Müller, genannt Archie, war AUTO BILD-Testchef von 1986 bis 1992.
Bild: Uli Sonntag und Markus Heimbach / AUTO BILD
Nach 361 Runden und 7508 Kilometern durch Sonne, Regen, Raureif (!) und dichten Nebel war es geschafft – und das Urteil der vier Tester war einhellig: VW kann auch Sportwagen!
Ein Renner wurde der Corrado trotzdem nicht: 1995 wurde die Produktion nach gut 97.000 Exemplaren eingestellt."
Mein Traum vom Pagani Zonda wird wahr
Jan Götze erzählt: "Meine Hände sind schweißnass, ich zittere vor Aufregung: Ich atme tief durch, umklammere das blaue Lederlenkrad, lege den ersten Gang ein und rolle los. Diesen Moment werde ich nie vergessen, denn ich sitze am Steuer meines ultimativen Traumautos, dem Pagani Zonda.
Rückblick: Am ersten Tag meines Volontariats bei AUTO BILD im August 2015 wurde ich vor versammelter Mannschaft nach meinem Traumauto gefragt (eine Tradition, die übrigens bis heute Bestand hat), worauf es aus mir herausplatzte: Pagani Zonda!
Ein Traum wird wahr: Jan Götze am Steuer des Pagani Zonda.
Bild: Jan Götze / AUTO BILD
Niemals hätte ich in diesem Moment in der Morgenkonferenz damit gerechnet, doch am 28. Juni 2019 ging mein größter automobiler Traum in Erfüllung, als ich den Zonda F Clubsport (04/25) von Horacio Pagani fahren durfte.
Es sollten noch unzählige Fahrten in Traumautos folgen, doch der Pagani Zonda bleibt meine Nummer eins. Danke, AUTO BILD!
Peggy Hiltrop erzählt: "Kurz vorm Halbfinale der Fußball-EM 2012 spielt AUTO BILD die Partie Deutschland gegen Italien schon mal durch – mit Autos! Auf dem Schrottplatz treten zwei Opel Corsa gegen zwei Fiat Punto an.
Peggy Hiltrop, seit 1997 bei AUTO BILD, überfährt im Opel Corsa A den Ball – und macht ihn damit platt.
Bild: Christian Bittmann und Martin Klug / AUTO BILD
Aber wir (Team Schland mit Hauke Schrieber und mir) haben gegen Team Italien (Bernd Volkens und Sabine Möhle) keine Chance. 'Sabina Molina' opfert ein Scheinwerferglas, um mich zu blocken, 'Bernardo Volkensini' kickt den Ball dreimal in unser Tor. Brutal, aber lustig. Und: Keiner springt wie ich über den Ball."
Golf-Kritiker wurden Golf-Tester
Joachim Staat erzählt: "'Nah am Blech zu schreiben' und 'Anwalt des Lesers' zu sein – dieser Leitsatz von AUTO BILD hat so vieles aufgedeckt: platzende Polo-Motoren, Rost bei Mercedes, Feuergefahr am Astra.
Immer wieder schrieben uns Leser, wir hätten die VW-Brille auf oder würden sogar von VW bezahlt. Diejenigen, die uns am härtesten beschimpft haben, haben wir 2013 eingeladen: Bei einem Vergleichstest sollten sie den VW Golf und seine Konkurrenten selbst bepunkten. Ergebnis: Bei ihnen hat der Golf mit größerem Abstand gewonnen als im Urteil der Redakteure.
Bild: intern AUTO BILD
Wir haben die Großen geärgert und galten trotzdem noch als Industrie-hörig. Bis wir Leser einluden, mit uns einen großen Vergleichstest rund um den Golf zu punkten. Offen, umfassend, nachvollziehbar. Ergebnis: Der Golf siegte auch im Urteil der Leser. Das machte keine andere Zeitschrift – und bestätigte unseren Leitsatz."
Wolfgang Bernhard als VW-Markenchef an der Studie Iroc – ein Mann, der die Kameras suchte. Eigentlich. Joachim Staat, Redakteur von 1993 bis 2024, machte ihn als TV-Reporter dann doch nervös.
Bild: Picture Alliance/dpa; Roman Rätzke / AUTO BILD
Außerdem erzählt Joachim Staat: "PariserAutosalon 2006, ich führe mein erstes Interview für AUTO BILD TV. Morgens um sieben, VW-Chef Wolfgang Bernhard bot nur diesen Termin. Die Nacht zuvor habe ich kein Auge zugemacht, kriege meine drei Fragen trotzdem ohne Wackler ins Mikrofon.
Aber was ist mit Bernhard? Der Vorsitzende stockt, setzt neu an. Warum? Der Mann ist bühnenfest, das weiß ich. Und spüre sofort: Die TV-Kamera, unser rotes Mikrofon, sie beeindrucken auch den Boss. AUTO BILD ist in die Macht der Bewegtbilder aufgebrochen."
Auftrag: Vollgas im Porsche
Wilfried Kock erzählt: "Herbst 1987. Weltrekordfahrer Gerhard Plattner ist auf Redaktionsbesuch in Hamburg, mit dem 'Luna-Porsche' (944 S) hat er in nur 258 Tagen die Entfernung Erde-Mond (knapp 400.000 Kilometer) zurückgelegt.
Juan Manuel Fangio, Gerhard Plattner und der Porsche 944 S in Mailand. AUTO BILD-Mann Wilfried Kock (r.) sollte herausfinden, ob der Porsche noch seine 228 km/h schafft. Willy war schon 1985 in der Entwicklungsredaktion für AUTO BILD, 1986 bis 1990 Fahrer in der Testredaktion, seit 1990 Text-Archivar.
Bild: Porsche; Ralf Timm / AUTO BILD
Der Testchef drückt mir den Schlüssel in die Hand: 'Guck mal, was der noch vmax bringt.' Ich darf, ich soll einen Porsche auf Höchstgeschwindigkeit bringen? Gemeinsam mit Kollege Axel, der die Stoppuhr bedient, fahre ich auf die A24 Richtung Berlin. Aber im immer dichter werdenden Feierabendverkehr bringen wir auch nach einer Stunde keine vernünftige Messung zustande – mehr als Tacho 200 ist nicht drin. Zurück in der Redaktion frage ich etwas bedröppelt: 'Sollen wir morgen noch mal …?' 'Nee, lass mal, der Wagen steht auf Winterreifen.'"
Ich fuhr das Fotoalbum von 1954 nach
Christian Steiger erzählt: "Die besten AUTO BILD-Momente erlebte ich nicht in der Redaktion, sondern draußen, wo die Geschichten auf der Straße liegen. So wie die Italienreise der Lindemanns. Das Fotoalbum stammte von 1954, es kam vom Flohmarkt, wir folgten den schwarzweißen Bildern im kaffeebraunen VW Brezelkäfer – und spürten die Freude und das Fernweh von damals, obwohl die Welt vor der flachen Windschutzscheibe oft nicht wiederzuerkennen war.
Christian Steiger linst durchs Brezelfenster des Brezelkäfers. Er war 2007 bis 2019 bei AUTO BILD.
Bild: Götz von Sternenfels / AUTO BILD
Lange her, das alles. So wie meine Zeit bei AUTO BILD, als Chefredakteur Bernd Wieland solche Geschichten mit einem kurzen 'Des isch geil!' möglich machte, ohne nur eine Sekunde über das Budget nachzudenken."
Als der Prinz noch die Titelseiten sehen wollte
Werner Rudi erzählt: "Es war der Gang nach Canossa. Jede Woche. Mittwoch so gegen 16 Uhr. Ein Gang mit leichtem Gepäck – dem Titelentwurf der neuesten AUTO BILD-Ausgabe. Die Audienz bei Günter Prinz, dem journalistischen Papst im Hause Springer, konnte zehn lange Minuten dauern oder eine kurze Stunde.
Günter Prinz, 1986 Redaktionsdirektor der BILD-Gruppe.
Bild: picture alliance / Sven Simon
Zweimal schon die Auflage unter einer Million? 'Kinners, das muss griffiger werden. Wann kann ich den neuen Titel sehen?' Nur einmal, im Mai 1987, dauerte der Besuch vielleicht 50 Sekunden. 'Sieht passabel aus. Macht das so!', sagte Prinz.
Am nächsten Tag verkündete Prinz seinen Abschied von Springer. Er hatte den Machtkampf mit Konzernchef Peter Tamm verloren. Dafür bekam er eine von Axel Springer in seinem Vertrag verankerte Dolce-Vita-Klausel in zweistelliger Millionenhöhe.
Werner Rudi (l.) mit Co-Chefredakteur Peter J. Glodschey (Mitte) und Nachfolger Peter Felske.
Bild: Klaus Kuhnigk / AUTO BILD
Canossa gab es nie wieder. Kurz darauf übernahm ich BILD. Dolce Vita musste warten."
Die Chaos-Keller-Band
Karl-August Almstadt erzählt: "Wir sind die heiße Mannschaft von AUTO BILD, wir fahren selten langsam und meistens wild, wir haben den besten Boss, und darum sagen wir: Werner Rudi, wir danken Dir!"
Noch im Startjahr muss das gewesen sein: eine echte Single, Auflage: 1. Das Geburtstagsgeschenk für den besten Boss. Werner Rudi heißt der, gerade 37 Jahre alt.
Karl-August Almstadt (an den guten Ludwig Drums) kam im März 1986 zu AUTO BILD und war bis 2014 Stellvertreter des Chefredakteurs von AUTO BILD.
Bild: intern AUTO BILD
Wir sind geringfügig jünger und trauen uns alles zu. Auch eine Schallplatte. Die Interpreten: Mike ('Slow Hand') Neschki an der Sologitarre; Birgit Meier, Gesang; Kalle Almstadt, Drums, und Hauke Brost, Text. Entstanden im 'Chaos-Keller', im vierten Stock eines Altonaer Weltkriegsbunkers.
Von welcher Hand die geringfügig gestellte Aufnahme entstand, lässt sich nicht genau sagen. Infrage kommen, nüchtern betrachtet, nur die Chaos-Mädels Sylvia und Tjalda."
Götterspeise, Gulasch und Guillotine
Michael Neschki erzählt: "Im Sommer 1989 schickte mich Peter Felske nach Budapest, um gemeinsam mit Joachim Walther ein AUTO BILD-Pendant für Ungarn zu erstellen. Joachim ging, ich blieb, ohne zu wissen, welche Unwägbarkeiten in folgender Zeit auf mich warteten.
Michael "Mike" Neschki, Layoutchef von 1985 bis 1993, in seinem Ford Mustang Cabrio.
Bild: Uli Sonntag / AUTO BILD
Ein Beispiel. Nur zwei (in Ziffern: 2!) Telefonleitungen nach Deutschland standen in der ungarischen Hauptstadt zur Verfügung. Da saß eine Sekretärin den ganzen Tag am schwarzen Bakelit-Equipment mit Wählscheibe, um Joachim zu erreichen. Kurzum, seine Sekretärin in Hamburg antwortete knapp: 'Nein, er ist nicht im Büro' – und legte ohne jedes weitere Wort auf. Noch Fragen?"
Mein erster Porsche
Tomas Hirschberger erzählt: "Anfang 1988 kam mein unvergessener Glücksmoment im Auto-Himmel: Unser damaliger Ressortleiter Test & Technik, Jürgen von Gosen, hatte ein großes Herz (und: keine Leute). Allen Ernstes fragte er mich kleinen Test-Pups, ob ich Lust auf einen Vergleich hätte zwischen dem Porsche 911 Carrera, dem Ferrari 328 GTS und dem legendären Bond-Mobil Lotus Esprit Turbo.
Dieser Artikel war das Ergebnis von Tomas Hirschbergers bis dato aufregendstem Termin.
Bild: intern AUTO BILD
Lust? Ich lehnte ab ... Quatsch, natürlich nicht. Ein Freifahrtschein ins PS-Paradies, Traumjob Testredakteur.
Damals habe ich mich unsterblich in den nachtblauen Elfer verliebt. Fast 130.000 Mark hat unser Testwagen gekostet. Mit meinem Jungredakteursgehalt war der so weit weg wie die Milchstraße. Und doch habe ich mir damals geschworen: Wenn ich mal groß bin, kauf ich mir den.
Seit 2010 besitzt Tomas Hirschberger dieses schwarze Porsche 911 Carrera Cabrio. Tomas fing 1986 als Testredakteur bei AUTO BILD an, hörte 2019 als stellvertretender Chefredakteur auf und schreibt als freier Journalist noch heute für uns.
Bild: Angelika Emmerling / AUTO BILD
Kaum 22 Jahre später war es so weit. 2010 kaufte ich ein 911 Cabrio, Baujahr 1989. Wenn ich ihn heute angucke, denke ich manchmal an unsere 40 Jahre Vollgasreise und wie sie mit Highspeed an uns vorübergezogen ist. Alles richtig gemacht!"
Von einem, der sich auszog, um die Allianz zu testen
Hauke Brost erzählt: "Wie alt man selbst ist, sieht man an den Kindern. Die werden groß, und du wirst zum Greis. Und ja, irgendwie war AUTO BILD auch mein Baby. Schließlich war ich als Reporter von Anfang an dabei!
Hauke Brost, freier AUTO BILD-Reporter von 1986 bis etwa 2001, mit vollem Einsatz in Wales.
Bild: intern AUTO BILD
Es waren immer besonders aufregende Reportagen, die mich rund um die Welt reisen ließen und alles rund ums Auto zum Thema hatten. Mal mit einem Truck durch Texas, dann mit der Feuerwehr in L. A. ausrücken oder den ADAC an einen Strand in St. Tropez rufen, so was eben. Auch 'die schönsten Autos deutscher Luden' wollten mal in die AUTO BILD.
Aber meine Lieblings-AUTO BILD-Reportage war eine, die ich sogar zweimal schrieb: der Test des Allianz-Autofahrer-Schutzbriefs. Die warben 1994 dafür, dass sie einen 'überall rausholen', auch aus Cwmbrwyno, was ein gottverlassenes Kaff in Wales ist.
Ich fuhr also hin, täuschte ein Problem mit 'Auto und alle Papiere weg' vor und stellte mich nackt ans Ortsschild von Cwmbrwyno. Es klappte, die Allianz half.
Zum 25. AUTO BILD-Geburtstag versuchte ich es noch einmal, war dieses Mal aber vom Service eher enttäuscht."
Deutschlands beste Schrottfahrer
Joachim Walther erzählt: "Eine der größten Leseraktionen von AUTO BILD war der Sicherheitswettbewerb 'Deutschlands beste Autofahrer'. Und Deutschlands beste Autofahrer durften bei 'Europas besten Autofahrern' im internationalen Wettbewerb starten. Unfälle haben sie dabei nie verursacht. Aber ein fremdes Filmteam bei der Vorproduktion.
Ein kleiner Dreher ist bei "Deutschlands beste Autofahrer" immer einkalkuliert. Vom Crash in Ehra-Lessien haben wir kein Foto.
Bild: Matthias Nyary / AUTO BILD
Kaum zu glauben, aber wahr: Dabei krachten sie mit zwei Autos auf der 25 Hektar großen und völlig freien Dynamikfläche auf dem Testgelände von VW in Ehra-Lessien zusammen. Ergebnis: zwei Schrottwagen – einer davon das einzige rechtsgelenkte Fahrzeug für die englischen Teilnehmer."
Joachim Walther hat jahrelang den Wettbewerb "Deutschlands beste Autofahrer" organisiert. Er fing 1986 bei uns an, kam nach Ausflügen zu AutoEuro und BILD/BILD am SONNTAG 2008 zurück zu AUTO BILD und war bis 2016 stellvertretender Chefredakteur.
Bild: Harald Almonat / AUTO BILD
Außerdem erzählt Joachim Walther: "Nach Öffnung der Mauer ging der Wettbewerb 'Deutschlands beste Autofahrer' auf Tournee. Mit einem Sicherheitstraining und anschließendem Qualifikationswettbewerb für das Finale. Auch bei den schlagfertigen Sachsen. Während einer Mittagspause entspann sich folgendes Gespräch zwischen zwei Lesern:
'Hasde de gandsn Schlachlöschor offm Wesch hiorher gesehn?'
'Nu, nu. Schlachlöschor? Isch hab gegloobd, isch fahr in de Tiefgarasche!'"
Mit dem Moped durchs Bergwerk
Matthias Moetsch erzählt: "Kollege Jan Horn und ich waren 2021 unterwegs auf Elektro-Enduros im stillgelegten Erzbergwerk Kamsdorf in Thüringen. 'Bike extrem' hieß die Rubrik in AUTO BILD MOTORRAD.
Jan Horn auf Moped unter Tage. Zugegeben: Das Handyfoto, das Redakteur Matthias Moetsch von ihm machte, kam als Hochformat im Heft besser rüber als hier.
Bild: Matthias Moetsch / AUTO BILD
Zwei Jahre lang haben wir das Blatt machen dürfen – die Leser sind uns nachgelaufen. Weil wir anders waren als die Etablierten und Sachen gemacht haben, die es so noch nicht gab."
Redakteur Matthias Moetsch ist seit 1993 bei AUTO BILD.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Hart, laut, dreckig und genau deshalb großartig
Bernd Volkens erzählt: "Schlaflos im Rallye-Modus durch die Nacht, Zähne knirschend, blind vor Staub: Orientierung? Null. Und trotzdem: Vollgas!
24-Stunden-Rennen 2015 in einem All-Terrain Vehicle mit 111 PS.
Bild: Harald Almonat / AUTO BILD
Was harmlos mit einer Einladung beginnt, wird zum 24-Stunden-Härtetest im Buggy-Beast. Und ich teile mir das Auto ausgerechnet mit Rallye-Ikone Jutta Kleinschmidt. Kein Druck also. Mein Vorsatz: bloß nichts kaputt machen.
Mehr Staub gibt's nirgends. So eine dreckige Herausforderung ist genau das Richtige für Bernd Volkens.
Bild: Harald Almonat / AUTO BILD
Es ist laut, dreckig, brutal anstrengend und gleichzeitig ein Riesenspaß. Ich steige aus dem Rallye-Polaris mit einem breiten Grinsen. Siebter Platz trotz Pannen, Teamgeist pur: geschafft. Diese Geschichte ist besonders. Weil sie wehtut."
Gezeichnet, aber strahlend: Bernd Volkens war 1997 freier Mitarbeiter, inzwischen ist er längst Ratgeber-Redakteur.
Autos kommen und gehen. Manche bleiben uns ewig im Gedächtnis. Aber meistens sind es diese Momente, wenn das Leben uns ganz kurz die Vorfahrt nimmt. Momente, in denen wir selbst kaum glauben können, was da gerade passiert – oder über die wir erst im Nachhinein ungläubig staunen.
Wenn daraus bei Ihnen, liebe Leser, ein Lächeln wird, hat sich jede noch so anstrengende Fahrt, jede durchgeschuftete Nacht, auch jede öde Phase am Schreibtisch gelohnt.
Denn ohne Sie könnten wir bei AUTO BILD unsere Jobs nicht machen. Danke, dass Sie uns so treu begleiten, kritisieren, anfeuern. Ohne Sie gäbe es diese Momente nicht.