Schwarzenegger auf Klimakonferenz: Kritik an Autoindustirie
Arnie: "Eure Zeit ist bald abgelaufen"

Kaliforniens Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger kritisiert auf dem Klimagipfel in Wien die Autobranche scharf. Sie würde den Fortschritt bremsen. Schon in AUTO BILD hatte "Arnie" seinem Unmut Luft gemacht.
Der kalifornische Ex-Gouverneur und Schauspieler Arnold Schwarzenegger (71) hat die Autohersteller weltweit dafür kritisiert, nicht genug Akzente im Kampf gegen den Klimawandel zu setzen. Statt einen "Elektromotor zu entwickeln, der sich weltweit verkaufen würde wie warme Pfannkuchen", habe sich etwa Volkswagen entschlossen, zu betrügen, sagte Schwarzenegger am 28. Mai in Wien auf einer Klimakonferenz. "Eure Zeit ist bald abgelaufen", rief Schwarzenegger denen zu, die aus seiner Sicht nur den Status Quo bewahren wollten. "Ihr könnt den Fortschritt bremsen. Aber wir Träumer und Macher weltweit werden Euch beweisen, dass ihr falsch liegt." Die Klimakonferenz wurde von der von Schwarzenegger 2010 gegründeten Non-Governmental Organization "R20 – Regions of Climate Action" veranstaltet. Die Veranstaltung soll vor allem Akteure vernetzen und eine Präsentationsplattform für regionale vorbildliche Beispiele im Klimaschutz sein. Auf der zweitägigen Konferenz treffen sich 1200 Besucher, darunter viele Wissenschaftler, aus 30 Nationen.
AUTO BILD traf Schwarzenegger

AUTO BILD-Redakteur Hauke Schrieber traf Arnold Schwarzenegger in dessen Büro in Santa Monica.
Bereits gegenüber AUTO BILD hatte Schwarzenegger die Autobranche heftig kritisiert. In seinem Büro in Santa Monica empfing der gebürtige Österreicher im März 2019 AUTO BILD-Redakteur Hauke Schrieber. In seiner Wahlheimat Los Angeles kümmert sich Schwarzenegger heute um viele soziale Projekte, kämpft gegen die globale Erwärmung und macht sich für umweltfreundlichere Mobilität stark. Hier das Interview:
AUTO BILD: Mr. Governor, können Sie sich noch an den Moment im Herbst 2015 erinnern, als Sie vom VW-Dieselbetrug erfuhren?
Schwarzenegger: "Und ob. Mein erster Gedanke war: Oh, das haben sie also gemeint, als sie sagten, sie hätten andere Pläne."
Wer sagte wann was zu Ihnen?
"2012 traf ich mich mit dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn in der Schweiz. Ich sagte ihm: 'Wenn ihr auf den E-Antrieb setzt, könnt ihr mit meinem Namen Werbung machen. Ich bin voll dabei.' Winterkorn antwortete: 'Glauben Sie wirklich, dass das der richtige Weg ist? Wir haben andere Pläne.'"
Wie war Ihre Reaktion?
"Ich war enttäuscht. Winterkorn wollte das absolut nicht. Es gab da null Begeisterung."
Sieben Jahre später schlagen VW und die anderen deutschen Hersteller einen neuen Weg ein …
"Endlich, ja. Meine Botschaft an die deutschen Autobauer ist: Hört auf, euch etwas vorzumachen. Hört auf, zu lügen und zu betrügen. Und werdet sauber! Dann vergeben euch die Leute. Ich auch."
Sie wirken persönlich getroffen.
"Ich war immer ein großer Fan von VW, Porsche, Audi. Ich dachte: Wäre es nicht cool, wenn das Auto für das Volk, der Beetle, das erste Elektroauto für das Volk wäre? Wenn die das gemacht hätten, hätte es Tesla vielleicht niemals gegeben."
Wer sagte wann was zu Ihnen?
"2012 traf ich mich mit dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn in der Schweiz. Ich sagte ihm: 'Wenn ihr auf den E-Antrieb setzt, könnt ihr mit meinem Namen Werbung machen. Ich bin voll dabei.' Winterkorn antwortete: 'Glauben Sie wirklich, dass das der richtige Weg ist? Wir haben andere Pläne.'"
Wie war Ihre Reaktion?
"Ich war enttäuscht. Winterkorn wollte das absolut nicht. Es gab da null Begeisterung."
Sieben Jahre später schlagen VW und die anderen deutschen Hersteller einen neuen Weg ein …
"Endlich, ja. Meine Botschaft an die deutschen Autobauer ist: Hört auf, euch etwas vorzumachen. Hört auf, zu lügen und zu betrügen. Und werdet sauber! Dann vergeben euch die Leute. Ich auch."
Sie wirken persönlich getroffen.
"Ich war immer ein großer Fan von VW, Porsche, Audi. Ich dachte: Wäre es nicht cool, wenn das Auto für das Volk, der Beetle, das erste Elektroauto für das Volk wäre? Wenn die das gemacht hätten, hätte es Tesla vielleicht niemals gegeben."
Allein gegen die wichtigsten Autobauer der Welt
Als Gouverneur von Kalifornien erarbeiteten Sie sich den Ruf eines Öko-Politikers. Sie verschärften die Umweltgesetze in Ihrem Staat drastisch …
"Wir waren sehr aggressiv, weil wir eine Vision hatten. Und die ging über Kalifornien hinaus, auch über die Vereinigten Staaten. Es war eine weltweite Vision. Ich habe mein Leben lang global gedacht. Es heißt schließlich globale Erwärmung, nicht kalifornische oder deutsche Erwärmung."
Wie waren die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft?
"Parteifreunde kamen und sagten: Du ruinierst die Wirtschaft. Und heute? Kalifornien ist die fünftgrößte Wirtschaft weltweit, wir haben die strengsten Umweltgesetze und legen uns sogar mit der US-Regierung in Washington an. Als ich einmal nach Detroit kam, sah ich dort riesige Plakate: 'Schwarzenegger zerstört unsere Stadt!' Besonders erinnere ich mich aber an eine Gesprächsrunde Anfang 2006. Ich traf 15 Vorstände der weltweit wichtigsten Autobauer in meinem Büro. Sie waren auf Angriff eingestellt. Die Manager und ihre mitgereisten Lobbyisten sagten mir ins Gesicht: 'Wir werden Sie wegen Ihrer Gesetze verklagen, Governor; und wenn es nötig ist, auch den Bundesstaat. Wir haben Washington auf unserer Seite.' Ich sah sie an und sagte: 'Meine Herren, der Zug hat den Bahnhof längst verlassen. Sie können da jetzt nicht mehr abspringen.'"
"Wir waren sehr aggressiv, weil wir eine Vision hatten. Und die ging über Kalifornien hinaus, auch über die Vereinigten Staaten. Es war eine weltweite Vision. Ich habe mein Leben lang global gedacht. Es heißt schließlich globale Erwärmung, nicht kalifornische oder deutsche Erwärmung."
Wie waren die Reaktionen aus Politik und Wirtschaft?
"Parteifreunde kamen und sagten: Du ruinierst die Wirtschaft. Und heute? Kalifornien ist die fünftgrößte Wirtschaft weltweit, wir haben die strengsten Umweltgesetze und legen uns sogar mit der US-Regierung in Washington an. Als ich einmal nach Detroit kam, sah ich dort riesige Plakate: 'Schwarzenegger zerstört unsere Stadt!' Besonders erinnere ich mich aber an eine Gesprächsrunde Anfang 2006. Ich traf 15 Vorstände der weltweit wichtigsten Autobauer in meinem Büro. Sie waren auf Angriff eingestellt. Die Manager und ihre mitgereisten Lobbyisten sagten mir ins Gesicht: 'Wir werden Sie wegen Ihrer Gesetze verklagen, Governor; und wenn es nötig ist, auch den Bundesstaat. Wir haben Washington auf unserer Seite.' Ich sah sie an und sagte: 'Meine Herren, der Zug hat den Bahnhof längst verlassen. Sie können da jetzt nicht mehr abspringen.'"
Clean Diesel hält der Ex-Gouverneur für einen Witz
Sie meinten die Elektrifizierung des Antriebs. Was antworteten die deutschen Automanager?
"Die haben nicht daran geglaubt. Wenig später saßen die wieder bei mir auf dem Sofa und sagten: 'Governor, wir haben etwas Neues: Blue Tech.' Ich fragte: 'Was ist das?' Und die: 'Das ist Clean Diesel.' Ich musste laut lachen. Sauberer Diesel! Das hörte sich an wie saubere Kohle. Unmöglich! Ich sagte: 'So was gibt es nicht. Das ist verrückt.' Und die Deutschen wollten es nicht mal grüne Technik nennen, sondern blaue. Sie wollten auf keinen Fall mit der Farbe Grün in Verbindung gebracht werden."
Was ist das deutsche Problem?
"Der Mangel an Führungskompetenz. Bei den Managern, bei den Politikern. Ich habe Deutschlands Innovationskraft immer bewundert. Wie die so schnell nach dem Krieg zu einer wirtschaftlichen Weltmacht wurden. Mit ihren Autos. Ich hatte einen so riesigen Respekt vor den Deutschen. Deshalb hat mich der Diesel-Betrug persönlich betroffen gemacht. Mich traf er sogar doppelt hart. Und manchmal nervt ihr Deutschen immer noch."
Wie bitte?
"Meine Freundin hat sich einen Porsche Cayenne E-Hybrid geleast. Der Verkäufer sagte, die ersten 50 Kilometer fahre der rein elektrisch. Eine Lüge! Nach nicht mal 20 Kilometern springt der Verbrenner an. Schon wieder verarscht worden!"
"Die haben nicht daran geglaubt. Wenig später saßen die wieder bei mir auf dem Sofa und sagten: 'Governor, wir haben etwas Neues: Blue Tech.' Ich fragte: 'Was ist das?' Und die: 'Das ist Clean Diesel.' Ich musste laut lachen. Sauberer Diesel! Das hörte sich an wie saubere Kohle. Unmöglich! Ich sagte: 'So was gibt es nicht. Das ist verrückt.' Und die Deutschen wollten es nicht mal grüne Technik nennen, sondern blaue. Sie wollten auf keinen Fall mit der Farbe Grün in Verbindung gebracht werden."
Was ist das deutsche Problem?
"Der Mangel an Führungskompetenz. Bei den Managern, bei den Politikern. Ich habe Deutschlands Innovationskraft immer bewundert. Wie die so schnell nach dem Krieg zu einer wirtschaftlichen Weltmacht wurden. Mit ihren Autos. Ich hatte einen so riesigen Respekt vor den Deutschen. Deshalb hat mich der Diesel-Betrug persönlich betroffen gemacht. Mich traf er sogar doppelt hart. Und manchmal nervt ihr Deutschen immer noch."
Wie bitte?
"Meine Freundin hat sich einen Porsche Cayenne E-Hybrid geleast. Der Verkäufer sagte, die ersten 50 Kilometer fahre der rein elektrisch. Eine Lüge! Nach nicht mal 20 Kilometern springt der Verbrenner an. Schon wieder verarscht worden!"
Die Deutschen werden von den Chinesen abgehängt
Die deutsche Autoindustrie warnt bei der Elektrifizierung weiter vor massivem Arbeitsplatzabbau.
"Ich habe als Gouverneur immer mit der Industrie zusammengearbeitet. Und die profitierte davon. Die haben mir vertraut. Als wir die Gesetze verabschiedeten, saßen alle an einem Tisch: Umweltverbände, Autobauer und die Politik. So haben wir Hunderttausende neue Arbeitsplätze geschaffen. Das geht doch in Deutschland auch. Die Vorstellung, wenn man auf umweltverträglichere Technik setzt, verliere man Arbeitsplätze, ist verrückt! Mit einer solchen Einstellung werdet ihr Deutschen von den Chinesen abgehängt."
Viele Deutsche klagen nicht zu Unrecht, dass sie sich den Umstieg auf E-Antrieb nicht leisten können, selbst wenn sie wollten.
"Man muss den Leuten klar machen: Wenn du ein E-Auto kaufst, wirst du zu einem Kreuzritter der Bewegung. Du musst vorangehen. Und wir müssen sie immer wieder inspirieren. Der Erfolg kommt nicht von heute auf morgen. Wir müssen auf der richtigen Seite der Geschichte stehen. Zweitens: Die bezahlbaren E-Autos kommen ja. Vor allem wenn man die Gesamtkosten eines E-Autos mit einem ähnlichen Verbrenner vergleicht, also Treibstoff, Wartung, Steuern."
Was ist mit denen, die partout nicht umsteigen wollen?
"Ein Problem ist, dass viele E-Autos noch ziemlich blöd aussehen. Und dann wird es natürlich immer Leute geben, die den Sound eines Porsche lieben und wollen. Okay! Nachdem ich meinen Hummer auf E-Antrieb umbauen ließ, habe ich aber nichts vermisst. Im Gegenteil. Den Lärm des Diesels hatte ich eh immer gehasst. Jetzt habe ich 500 rein elektrische PS. Davor hatte ich 220 PS. Heute trete ich aufs Pedal, und der Wagen fliegt förmlich davon. Seit ich den E-Hummer fahre, steht mein Bentley Cabrio nur noch rum."
"Ich habe als Gouverneur immer mit der Industrie zusammengearbeitet. Und die profitierte davon. Die haben mir vertraut. Als wir die Gesetze verabschiedeten, saßen alle an einem Tisch: Umweltverbände, Autobauer und die Politik. So haben wir Hunderttausende neue Arbeitsplätze geschaffen. Das geht doch in Deutschland auch. Die Vorstellung, wenn man auf umweltverträglichere Technik setzt, verliere man Arbeitsplätze, ist verrückt! Mit einer solchen Einstellung werdet ihr Deutschen von den Chinesen abgehängt."
Viele Deutsche klagen nicht zu Unrecht, dass sie sich den Umstieg auf E-Antrieb nicht leisten können, selbst wenn sie wollten.
"Man muss den Leuten klar machen: Wenn du ein E-Auto kaufst, wirst du zu einem Kreuzritter der Bewegung. Du musst vorangehen. Und wir müssen sie immer wieder inspirieren. Der Erfolg kommt nicht von heute auf morgen. Wir müssen auf der richtigen Seite der Geschichte stehen. Zweitens: Die bezahlbaren E-Autos kommen ja. Vor allem wenn man die Gesamtkosten eines E-Autos mit einem ähnlichen Verbrenner vergleicht, also Treibstoff, Wartung, Steuern."
Was ist mit denen, die partout nicht umsteigen wollen?
"Ein Problem ist, dass viele E-Autos noch ziemlich blöd aussehen. Und dann wird es natürlich immer Leute geben, die den Sound eines Porsche lieben und wollen. Okay! Nachdem ich meinen Hummer auf E-Antrieb umbauen ließ, habe ich aber nichts vermisst. Im Gegenteil. Den Lärm des Diesels hatte ich eh immer gehasst. Jetzt habe ich 500 rein elektrische PS. Davor hatte ich 220 PS. Heute trete ich aufs Pedal, und der Wagen fliegt förmlich davon. Seit ich den E-Hummer fahre, steht mein Bentley Cabrio nur noch rum."
Das komplette Interview finden Sie in AUTO BILD 14/2019
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