50 Jahre Opel Kadett C City
15 Funfacts über den City-Kadett

Geheimnisse und Anekdoten über den legitimen Vorgänger des BMW 3er Compact, die kaum jemand kennt – da staunen selbst Opel-Experten!
Bild: Christoph Börries und Roman Rätzke / AUTO BILD
Eine erfolgreiche Stufenhecklimousine mit Hinterradantrieb nehmen, sie auf kompaktes Format kürzen und ihr eine große Heckklappe verpassen: Nach diesem Rezept wurden die BMW 3er der Baureihen E36 und E46 zum 3er Compact.
Vorbild im eigenen Hause war der BMW 02 touring von 1971. Aber es gab noch einen deutschen Hersteller, der nach dem Prinzip eine neue Modellvariante schuf: 1975, knapp zwei Jahre nach dem Start des Opel Kadett C, legte Opel genau so eine Kurzfassung nach. Eingängiger und logischer Name: Kadett City.
Lange galt der Opel Kadett C City als nicht besonders begehrenswert. Vorteil: Relativ viele sind in originalgetreuem Zustand erhalten.
Wir von AUTO BILD haben über den knuffigen Mini-Opel Dinge herausgefunden, die selbst ausgewiesene Kadett-C-Kenner noch nicht wussten. Viel Spaß!
1: Die Briten wollten die Kadett-Kurzfassung
Eine Variante des Opel Kadett C/Vauxhall Chevette mit kurzem Heck und großer Klappe war ein Herzenswunsch von Vauxhall, und die Briten konstruierten das Stufenheck zum Hatchback um. Die City-spezifischen Bleche wurden in Ellesmere Port gepresst und für deutsche Autos ins Werk Bochum geliefert. Mit Stufenheck wurde der Kadett schon ab August 1973 produziert, als kurzer Kadett City erst ab Mai 1974.

Opels Kollegen bei der Schwestermarke Vauxhall in England schnitzten wohl 1974 dieses 1:1-Modell aus Ton.
Bild: Vauxhall
2: Der Kurze war teurer als der Lange
In Deutschland kostete der Kadett City 100 Mark Aufpreis gegenüber dem Zweitürer mit Stufenheck!
Nachteil des 3,90 Meter kurzen City gegenüber dem Stufenheck war der kleine Kofferraum (siehe unten), Vorteil die große Heckklappe und die Möglichkeit, Sperrgut mitzunehmen.

Ganz vorn der Opel Kadett C City (zugegeben die teure Irmscher-Variante) und der Kadett C als zweitüriges Stufenheck – das mehr Kofferraum bot, aber weniger kostete als der kurze City-Kadett.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
3: Opel lenkte vom City-Kofferraum ab
In den Prospekten ist der Kofferraum des Opel Kadett City fast immer beladen – damit man nicht sieht, wie hoch der Kofferraumboden, also wie flach der Laderaum ist. Die Angaben zum Volumen schwanken zwischen 170 und 285 Liter.

"Schatz, warum hast du den großen Ball mitgenommen?" – "Damit man in diesem Prospekt den Kofferraumboden nicht sieht."
Bild: Opel
4: Ein Kinderstar posierte auf einem Kadett City
"Mama, ich liebe den Chauffeur" ist der vielleicht größte Hit des vergessenen Kinderstars Franca Cerniglia. 1976 wurde die Tochter italienischer Eltern auf dem Kotflügel eines City-Kadett abgelichtet.

So war das damals in München: Plattenbauten, Schlaghosen, orangefarbene Autos mit DIN-Kennzeichen.
Bild: dpa/Picture Alliance
5: Im Film wird einer misshandelt
In der herrlich albernen britischen Komödie "The Likely Lads" ("Zwei nette Früchtchen") von 1976 werden dem bedauernswerten Vauxhall Chevette die Räder gestohlen, er erleidet mehrere Unfälle, und Hauptfigur Bob schlägt, um hineinzukommen, eine Scheibe ein – dann stellt sich heraus, dass er gar nicht abgeschlossen war.

Erst muss der arme kleine Vauxhall einen Wohnwagen schleppen und – später im Film "The Likely Lads" – auch noch sinnlose Gewalt erdulden. Wir nennen das Tragikomödie.
Bild: Anglo-EMI
Das ist aber bei weitem nicht das Übelste, was einem City-Kadett vor der Kamera angetan wurde – mehr dazu weiter unten.
6: Irmschers erste Opel-Sonderserie basierte auf dem City
1977 entwarf das Opel-Design-Team ein Sondermodell vom Kadett City – das Showcar ist erhalten, wir haben es gefahren. Irmscher baute danach 700 solche Opel Kadett C City, mit anderen Rädern und einteiliger Stoßstange – Opels erster Großauftrag an Irmscher.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD

Bild: Opel
7: Der Kadett City hat keine Klappe überm Tankdeckel
Als einzige Karosserievariante des Opel Kadett C hat der City einen Tankverschluss ohne Klappe. Alle anderen Varianten haben Tankklappen: Beim Coupé klappt sie nach oben, bei der Limousine diagonal, beim Caravan sitzt sie links und klappt konventionell auf, bei der Opel Chevette Limousine ist die Klappe aus Kunststoff, und beim Kadett Aero liegt der Tankdeckel frei oder nicht, je nachdem, ob das Verdeck offen ist oder die Dachsäule samt Tankstutzen verdeckt. Sieben verschiedene Lösungen in ein und derselben Baureihe!

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
8: Zum Kadett City Jet gab’s einen Flug dazu
Wer 1978 das Sondermodell Opel Kadett City Jet kaufte, bekam einen Flug mit einer Boeing 737 der Lufthansa dazu – als Fliegen noch ein Hobby für Reiche war. Der Prospekt zeigt ein Vor-Facelift-Modell, erhaltene Exemplare haben aber die Blinker oben. Die Händlerzeitung berichtete mal, es gäbe nur 50 Stück; Fans zweifeln das an.
Laut Leif Rohwedder, Chef von Opel Classic, wurde dieses Modell des Kadett City nur von Händlern des Techno-Verbundes angeboten. Die "City Jet"-Modelle wurden nach seinen Informationen von Opel in Lufthansablau ausgeliefert und vom Händler mittels Lackierschablone mit dem Streifen versehen. Die Aktion lief längere Zeit, daher gab es Exemplare vorm und nach dem Facelift.

Bild: Opel

Bild: Opel
9: Opel baute einen Kadett C City mit Targadach
Die Betonung liegt auf "einen". Auf dem Genfer Salon 1978 zeigte Opel die Studie Kadett City Targa. Die auffälligsten Details: herausnehmbares Dachsegment, eine komplett gläserne Heckklappe, um zehn Zentimeter pro Seite verbreiterte Kotflügel und perlmuttweiße Dekorstreifen auf dem silbernen Lack. Die Blinker vorn wurden sogar der Kotflügel-Linie angepasst.
Die zweiteilige Stoßstange vorn, Front- und Dachspoiler, die flotten Außenspiegel und die Zusatzinstrumente innen kennen wir schon vom schwarzen Irmscher-City. Stilbildend für Opel waren die Alu-Räder mit quadratischem Mittelteil und vier Speichen. Das Einzelstück existiert noch, es steht in der Sammlung von Opel Classic.

Bild: Opel
10: Den City gab es in Deutschland auch als Chevette
Auf dem westdeutschen Markt verkaufte Opel auch die Chevette von Vauxhall, unter anderem in Form des Kadett City, aber ohne diesen Beinamen.
1980 bis 1982 war das, als längst der D-Kadett mit Frontantrieb am Markt war. Der Corsa war noch nicht fertig, Opel konnte ein Basismodell gebrauchen – und eins für Kunden, die Frontantrieb für Teufelszeug hielten. Also importierten sie die Chevette, klebten nicht mal Opel-Logos dran und verkauften sie ab 10.265 Mark.

Bild: Opel
11: Geteilte Lehnen im Kadett City gab's nur in Brasilien
Das brasilianische Schwestermodell des Opel Kadett City war der Chevrolet Chevette Hatch. In diesem Prospekt von 1981 haben wir den Clou gefunden: geteilt umklappbare Rücksitzlehnen – das gab es in Europa nicht.

Bild: Chevrolet Brasilien

Bild: Chevrolet Brasilien
12: Die Briten drehten das Opel-Logo um
Zwar nur auf dem Papier, aber es zeigt, wie fern den GM-Kollegen auf der Insel die Marke Opel war: Ein britischer Prospekt zum Opel Kadett City zeigt das Opel-Logo falschherum. Das eigentlich Seltsame daran ist aber, dass Vauxhall den Opel importierte und Opel den Vauxhall.

Bild: Vauxhall
13: Ein Exemplar des City-Opel fuhr mit Holzvergaser
Einen Opel Kadett C City mit Holzvergaser fuhr Daniel Hagen aus Wil im Schweizer Kanton St. Gallen. Der Ingenieur hat 2006 den Kadett City Automatik mit einem Wisco-Holzgasgenerator von 1947 aus seiner Sammlung umgerüstet. Heute steht der Wagen im Verkehrshaus in Luzern.

Bild: Bernd Hanselmann / AUTO BILD
14: Für Lena Meyer-Landrut wurde ein Kadett City geköpft
Popstar Lena Meyer-Landrut ließ 2010 im Video zu ihrem Song "Touch A New Day" einem Kadett City das Dach abflexen. Oldtimerfans waren entrüstet. Heute steht das City-Cabrio im Opel-Museum.

Bild: Internet

Bild: Internet

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15: Noch 2022 wurde ein Opel Kadett City berühmt
Bei der Hot Wheels Legends Tour 2022 schaffte es ein Kadett C ins Deutschland-Finale: der City von René Ahlersmeyer (damals 42) aus Stift Quernheim (NRW), ein leichtes Track-Tool.

Bild: Mamapost GmbH / AUTO BILD
Nach der ersten Veröffentlichung haben wir im zweiten Absatz auch den BMW 02 touring eingefügt.
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