Abarth 124 Spider
Kriegsbemalung: Mit seinen schwarzen Hauben zeigt der Abarth 124, dass er sich als Sportler versteht.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Die Neu- oder Wiedereinsteiger in die geöffnete Fahrkultur dürfen sich in dieser Saison über Zuwachs im nicht eben prall besetzten Roadstersegment freuen: den Abarth 124 Spider, die scharfe Version des Fiat 124 Spider. 30 PS mehr als seine Ausgangsbasis presst der Abarth aus dem gleichen 1,4-Liter-Turbo, und er macht keinen Hehl aus seiner gesteigerten Potenz: mattschwarze Hauben, rote Akzente an Frontschürze, Außenspiegeln und Bremssätteln, dazu diverse munter über das Auto verstreute Abarth- Embleme. Dieser Schwarz-Weiß-Look ist übrigens nicht neu, sondern eine Reminiszenz an den ersten Abarth 124 Spider von 1972. Wem das nicht gefällt, der bekommt den Wagen auch einfarbig sowie in vier weiteren Lackfarben. Der knallige Zweisitzer fällt jedenfalls auf, und die Resonanz ist durchweg positiv: hochgezogene Mundwinkel, gereckte Daumen.
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Im offenen Audi TT fällt man nicht weiter auf

Audi TT Roadster 2.0 TFSI
Gewohntes Bild: Wer auf Understatement setzt, ist mit dem Audi TT Roadster ziemlich gut bedient.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Das ist beim Mustang Cabrio nicht ganz so: Die immer größer werdende Mustang-Community grüßt, wenn man sich begegnet, doch die Mehrheit des Publikums schaut nur kurz neugierig hin und dann demonstrativ weg. Der Mustang, insbesondere in dunklem Lack, hat eben ein Bad-Boy-Image, zudem wirkt er offenbar auch wesentlich teurer und damit neidtreibender als der Abarth. Was er mit Vierzylindermotor aber gar nicht mal so sehr ist. Den niedrigsten Grundpreis hat – recht überraschend – der Audi. Als frontgetriebener TT Roadster 2.0 TFSI mit Handschaltung startet er bei 38.750 Euro, mit Doppelkupplungsgetriebe wie im Testwagen überspringt freilich auch er die 40.000-Euro-Marke. Besondere Aufmerksamkeit wird dem Fahrer eines TT Roadster nicht zuteil – der Audi ist kein Exot, sein Zweckformdesign im positiven Sinne schlicht und schlüssig, das Auftreten sozialverträglich. Aber es ist beileibe kein Nachteil, wenn nicht immer alle Blicke auf einen gerichtet sind.Mögen unsere Vergleichstestkandidaten preislich auf einem Niveau liegen, so stammen sie doch aus drei unterschiedlichen Fahrzeugklassen. Der Abarth gibt den kleinen, leichten Roadster – wenngleich er gar nicht mehr ganz so klein (plus 16 Zentimeter) und leicht (plus 56 Kilogramm) ist wie ein Mazda MX-5 2.0, auf dem er basiert. Der Audi TT führt den Roadster gar im Namen, hat sich mit seinen 1,4 Tonnen Leergewicht und Frontantrieb vom Sinnbild eines, sagen wir mal, Austin Healey aber so weit entfernt wie Großbritannien von der EU.
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Auch mit kleinem Motor macht der Mustang Spaß

Ford Mustang Convertible  2.3 Ecoboost
Zeimlich fett: Das Mustang-Cabrio streckt sich auf fast 4,80 Meter – und der V8 fehlt so gut wie gar nicht.
Bild: Lena Willgalis / AUTO BILD
Der Mustang Convertible hingegen ist ein fast 4,80 Meter langer und über 1,90 Meter breiter viersitziger Vergnügungsdampfer, dessen gut 1,7 Tonnen Leergewicht erst mal keine Handlingwunder erwarten lassen. Und wie behauptet sich in diesem Fullsize-Cabrio der aufgeladene 2,3-Liter-Vierzylinder, der in modifizierter Form mit 350 PS auch den Focus RS mobilisiert? Überaus gut: Ohne großes Turboloch tritt er an, zieht souverän durch und entwickelt von 4500 bis 6000 Touren echtes Temperament. Die äußerst knackige, exakt und auf kurzen Wegen arbeitende Handschaltung steigert den Fahrspaß, Beschleunigung und Durchzugsvermögen sind ohne Fehl und Tadel. Bei effektiven 233 km/h (angezeigt: 240 km/h) läuft der Ecoboost allerdings etwas früh in den Tempobegrenzer. Echte 250 km/h könnte er unseres Erachtens durchaus schaffen – womit er seinem V8-Bruder jedoch ein weiteres Kaufargument abspenstig machen würde. Denn nüchtern betrachtet bleiben tatsächlich nur wenige Gründe, dem 6000 Euro teureren und nicht so dramatisch schnelleren V8-Modell den Vorzug zu geben.
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Oft reicht im Leben aber ein großer, dicker emotionaler Grund, der alles Rationale mit einem Ruck aushebelt: der Sound, insbesondere bei einem offenen Auto. Mögen die Ford-Ingenieure dem Ecoboost ja einen durchaus sportlichen, leicht trommelnden Klang anerzogen haben, im Vergleich zum Johnny-Cash-V8 bleibt er immer Justin Bieber. Aber auch der hat ja bekanntlich seine Fans.
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Das beste Auto in diesem Vergleich ist der Audi: Ob Fahrleistungen, Handling, Komfort, Bedienung oder Qualität – er erlaubt sich einfach keine Schwächen. Der Ford hält überraschend gut mit. Motor, Lenkung und Fahrwerk sind konkurrenzfähig. Am Ende zieht er über das Preis-Leistungs- Verhältnis am Audi vorbei, denn er ist ein ausgewachsener Viersitzer, taugt somit auch als Familiencabrio. Der Abarth gibt den kleinen Leichtfuß; er klingt rassig und bereitet schon diesseits der Tempolimits jede Menge Fahrspaß. Eine echte Bereicherung des Roadstersegments – aber warum ist er so verflucht teuer?