600 PS leistet der normale Audi RS 7 ab Werk, noch mal 30 PS mehr die Performance-Version. Abt ist das natürlich längst nicht genug, und so treiben die Tuner den Vierliter-V8 auf 760 PS. 
So weit, so bekannt – das neue Sondermodell heißt Legacy Edition und ist nach dem streng limitierten "Johann" sowie RS7-S und RS7-R schon der vierte Aufguss der großen Sportlimousine aus dem Hause Audi
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Der Grund ist ganz einfach: Die Nachfrage ist da, Abt kommt mit den Umbauten kaum hinterher. Und für den LE haben sich die Allgäuer einen ganz besonderen Kniff überlegt. Eine eigens entwickelte Wasser/Ethanol-Einspritzung kitzelt maximal 1000 PS und 1150 Newtonmeter aus dem Triebwerk.
Abt RS7 LE 1000
Der Heckflügel aus Kohlefaser schmiegt sich der eleganten Hecklinie des RS7 an.
Bild: Caroline Jüngling

In den Kemptener Werkshallen ist jede Bühne besetzt, und auch davor reiht sich ein Kundenauto an das andere. Das hat für uns den charmanten Vorteil, dass wir den LE in nahezu jeder Umbauphase begutachten können – auf der Bühne mit demontiertem Antriebsstrang und wieder im Zusammenbau. Am liebsten ist uns natürlich das fertige Auto, denn mit dem dürfen wir nun eine erste Testrunde drehen.

Rundum Kohlefaser: Der RS7 LE macht auch außen auf dicke Hose

Am Exterieur hat sich Abt gehörig ausgetobt – und die beige-matte Folierung ist da nur ein Teil: Rundum ist die Legacy Edition mit Kohlefaser ausstaffiert; am Frontsplitter, in Hauben- und Kotflügeleinsätzen, am Diffusor. Dazu kommt der auffällige Flügel, der sich elegant um das Sportback-Heck des RS7 schmiegt. Im Diffusor sitzt eine vierflutige Edelstahl-Abgasanlage inklusive Blenden mit 102 mm Durchmesser, die einen feingliedrigen, aber dennoch erschütternden Sound generieren.
Abt RS7 LE 1000
Auch im Innenraum herrscht kein Mangel an Kohlefaser – allerdings gegen Aufpreis (9980 Euro).
Bild: Caroline Jüngling

Innen setzt sich die Kohlefaser-Schlacht fort: Zierleisten, Gangwählhebel, die vergrößerten Schalen der Schaltpaddel – alles erstrahlt im teuren Leichtbaumaterial. Das Innenraumpaket in Carbon kostet allerdings noch mal 9980 Euro Aufpreis. Serienmäßig sind dagegen die abtig bestickten Sitze und die Einstiegsleisten mit "1 of 200"-Schriftzug. So viele LE baut Abt vom RS7, und wer mag, kann sich sein Exemplar mit dem 1000-PS-Paket ausrüsten lassen.

Abt lässt bei den Motor-Innereien keine Schraube unberührt

Dabei geht Abt in die Vollen: Das Spenderauto wird antriebsseitig komplett auseinandergenommen, der Motor in seine Bestandteile zerlegt. Schmiedekolben ersetzen die Originalteile, ein Carbon-Ansaugsystem mit vergrößerten Lufteinlässen schaufelt den beiden Ladern mehr Luft zu. Ein eigens entwickelter Ladeluftkühler und ein Zusatzölkühler sorgen für gemäßigte Temperaturen, verstärkte Pleuel und Kolbenbolzen dafür, dass die Innereien die Belastung auch dauerhaft aushalten. Vor der Abt-Abgasanlage sitzt ein Sport-Katalysator mit Ottopartikelfilter.
Herzstück ist jedoch das IWI-System (Indirect Water/Ethanol-Injection), dessen Zusatztank in der Reserveradmulde im Kofferraum sitzt und über einen Zusatzstutzen in der Tankklappe mit dem leistungsfördernden Gemisch betankt wird. Dafür nutzt Abt den Stutzen, über den bei Dieselmodellen AdBlue nachgefüllt wird – also bloß nicht aus Gewohnheit die falsche Flüssigkeit reinschütten. Eine IWI-Tankfüllung reicht für bis zu 3000 Kilometer, das nötige Pumpsystem bekommt der Kunde mitgeliefert.
Abt RS7 LE 1000
Mit Ethanoleinspritzung und viel Hardware-Optimierung leistet der V8 820 bis 1000 PS.
Bild: Caroline Jüngling

Die Zusatzdüsen sitzen vor den beiden Drosselklappen des Triebwerks und erzeugen einen feinen Sprühnebel, der die Ansaugfluft deutlich abkühlt. Weniger Temperatur bedeutet eine höhere Dichte, wodurch sich mehr Sauerstoff für die Verbrennung zuführen lässt. Das Resultat: Bei identischen Temperaturwerten lässt sich mehr Leistung fahren. In diesem Fall plakative 1000 PS.

Wer die vollen 1000 PS abrufen will, muss zwingend 102 Oktan tanken

Dafür verlangt der Motor aber nach 102 oktanigem Sprit. Wer nur 98 Oktan – also standardmäßiges Super Plus – tankt, muss sich mit 940 PS und 1050 Newtonmeter Drehmoment begnügen. Das erkennt das System allerdings nicht von sich aus, weshalb der Fahrer aktiv bestätigen muss, den korrekten Sprit getankt zu haben.
Abt RS7 LE 1000
Das IWI-System lässt sich über den RS-Knopf oder die Abt-App aktivieren.
Bild: Caroline Jüngling

Aktiviert wird das System wahlweise über die RS-Taste am Lenkrad oder über die hauseigene MyABT-App. In dieser werden auch nahezu alle denkbaren Vitalfunktionen des Motors angezeigt – etwa die Öltemperatur (das System lässt sich beispielsweise erst ab 81 Grad Celsius aktivieren) und der Ethanol-Füllstand. All diese Funktionen werden über Carplay auch im Infotainment des RS7 ausgespielt.
Auf unsere Runde starten wir mit der Standardleistung des 1000er-Kits, also ohne aktiviertes IWI-System. Schon hier bringt die konventionelle Hardwarekur gegenüber der Serie satte 220 Mehr-PS. Und es ist erstaunlich, wie normal sich der LE im Stadtverkehr bewegen lässt. Klar reagiert das Gaspedal etwas spitzer als bei einem normalen Auto, aber hat man sich erst einmal daran gewöhnt, geht alles ganz instinktiv.

Trotz der extremen Leistung behält sich der LE 1000 Alltagstauglichkeit

Das Gewindefahrwerk mit Stabis vorn wie hinten ist nicht zu knüppelig ausgefallen, zumal die speziellen 22-Zoll-Felgen mit Zentralverschluss-Optik nicht viel zum Federungskomfort beitragen. Wir verkrümeln uns schnell auf die A7 direkt neben dem Abt-Stammsitz und aktivieren das System. Und dann explodiert unter uns eine Urgewalt, wie wir sie selten erlebt haben.
Gefühlt in einem Blinzler katapultiert sich der LE aus der Beschleunigungsspur auf Tempo 200, wo er kurz Luft zu holen scheint, nur um ab 230 km/h starrsinnig wie ein Bulle in Richtung der 300-km/h-Marke zu schießen. Wichtigstes Credo, wenn Sie mit diesem Auto unterwegs sind: Extrem vorausschauend fahren, denn kein anderer Verkehrsteilnehmer erwartet, dass ein RS7 so blitzartig vom kleinen Punkt im Rückspiegel zur vorbeiballernden Kanonenkugel wird.
Abt RS7 LE 1000
So etwas brachiales sind wir selten gefahren. Glücklich kann sich schätzen, wer sich einen Abt RS7 LE leisten kann.
Bild: Caroline Jüngling

Südlich von Kempten wird die A7 dann kurviger. Wir nehmen etwas Tempo raus; bei etwa 240 km/h wird es durch die Wellenkompression in einigen Biegungen fast ein wenig wankig im Fahrwerk. Aber keine Angst: Alles einwandfrei beherrschbar und bei Bedarf feinjustierbar. 
Die Keramikbremsanlage verzögert die Fuhre zuverlässig, Einlenkverhalten und Fahrwerksrückmeldung sind unauffällig und damit einwandfrei. Nur der Verbrauch ... Klar, solch ein Auto ist nicht zum Sparen gebaut, sondern zum Spaß haben – aber nach rund 150 Kilometern rollen wir mit exakt null km Restreichweite wieder bei Abt auf den Hof. Übernommen hatten wir den RS7 LE mit etwa 2/3 vollem Tank. Da läuft einiges durch.
Fehlt noch der Preis: 205.000 Euro kostet der RS7 LE in der brachialen 1000-PS-Ausbaustufe. Wer sich jetzt denkt "Gar nicht mal so viel", dem sei gesagt: Das ist nur der Preis für den Umbau – das Basisfahrzeug kommt noch on top. Zuletzt lag der RS7 Sportback bei 128.000 Euro. Schnell die grauen Zellen angeworfen, ergibt das 333.000 Euro.
Wahnsinn, wie unnachgiebig der LE 1000 nach vorn stürmt – und das egal bei welcher Geschwindigkeit. Dieser Abt hat Leistung im Überfluss, ist streng limitiert und sündhaft teuer. Heutzutage die perfekten Voraussetzungen für Erfolg.