AC Schnitzer BMW M2 im Test
Sachsenring: Holt sich der AC Schnitzer die M2‑Krone zurück?

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AC Schnitzer hat nachgelegt. Fahrwerk und Reifen wurden ausgetauscht. Alles schien für den Rekord "schnellster M2" perfekt zu sein. Oder doch nicht?
Bild: Roland Sassen
Katastrophe! April 2025, Tuner AC Schnitzer reiste zum Sachsenring. Mit dabei: ein gut aussortierter BMW M2. Mit genügend Power, eigens abgestimmtem Fahrwerks-Set-up und natürlich einem Satz der weichen Michelin Cup 2 R vom Mercedes-AMG GT Black Series in 285/35-19 rundum. Das Ziel war klar und lösbar: die 1:29,97 Minuten des Versus-M2 knacken und damit schnellster M2 auf dem Sachsenring werden. So wie es all die Jahre zuvor auch schon war.

Schon unglaublich, dass so ein kleiner BMW M2 Rundenzeiten fährt, die sonst nur von deutlich stärkeren Supersportwagen zu schaffen sind.
Bild: Roland Sassen
Doch wer AUTO BILD SPORTSCARS gut studiert, der weiß, wie es ausging. In Ausgabe 6/25 berichteten wir von dem Einsatz. Das Wetter war günstig und nicht zu warm, die Leistung perfekt, das Set-up passte auch; nur die AMG-Gummis waren am Ende einen Tick zu schmal dimensioniert. In zwei wichtigen Ecken, wo es richtig schnell ist und man Speed mitnehmen muss, rutschte das Heck immer leicht ins Übersteuern. Selbst mit einigen Korrekturen am Fahrwerk und taufrischen Reifen ließ sich das Heck nicht beruhigen. Der Rekord blieb aus, die Mundwinkel hingen entsprechend nach unten.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Mit 1:30,60 Minuten war der getunte M2 richtig schnell unterwegs. Vor zehn Jahren wäre er damit unter den Top fünf unserer inzwischen über 800 Fahrzeuge starken Sachsenring-Hitliste gelandet. Doch das Ziel war eben diese "29" hinter der Eins. Und so ließ das Schnitzer-Team rund um Roman Fenners nur einen einzigen Tag den Kopf hängen; am nächsten war schon ein neuer Plan geschrieben. Und der nahm vor allem die Problemstellen ins Vi-sier, an denen der Rekord zuvor gescheitert war.
So wurde abermals mit Fahrwerkhersteller KW telefoniert. Und man entschied sich dazu, das bisherige V3-Gewindefahrwerk gegen ein waschechtes Rennfahrwerk, ein V4 Clubsport inklusive Stützlager und Spurlenkersatz, für die Hinterachse auszutauschen. Mit externen Ausgleichsbehältern, zigfach in Druck- und Zugstufe verstellbar. Das ist schon sehr, sehr nah am echten Motorsport dran. Und beim Reifen wurde ebenfalls noch einmal nachgearbeitet. Fast sogar im wahrsten Sinne des Wortes.
Fahrzeugdaten | AC Schnitzer BMW M2 |
|---|---|
Motorbauart/Aufladung | R6/Biturbo |
Einbaulage | vorn längs |
Hubraum | 2993 cm3 |
Leistung bei 1/min | 412 kW (560 PS)/6250 |
Drehmoment bei 1/min | 650 Nm/5400 |
Getriebe | Achtstufenautomatik |
Antriebsart | Hinterrad |
Maße L/B/H | 4580/2068/1383 mm |
Radstand | 2747 mm |
Leergewicht/Zuladung | 1731/424 kg |
Tank-/Kofferraumvolumen | 52/390 l |
0-100/0-200 km/h | 3,7/11,0 s |
Höchstgeschwindigkeit | 285 km/h (abgeregelt) |
Verbrauch/100 km | 10,4 l Super Plus |
Grundpreis | 118.516 € |
Damit der gewünschte Satz Michelin Cup 2 R in 305/30 R 19 ins Radhaus passt, wären nämlich aufwendige Nacharbeiten an den Kotflügeln erforderlich gewesen. Dann entdeckte man den neuen Pirelli P Zero Trofeo RS, der seit Kurzem neben den Porsche- und Ferrari-Mixturen auch in anderen Dimensionen zu haben ist. Und nachdem bekannt wurde, dass dieser Trofeo RS sogar von BMW während des M2-CS-Nordschleifen-Rekords eingesetzt worden war, sattelte man kurzerhand auf den italienischen Pneu um.
Die Wahl fiel auf 295/30 R 20 rundum, was theoretisch genug Luft im Radhaus lassen sollte. Einmal auf den AC4-Leichtbau-Schmiederädern in 10 x 20 Zoll montiert, stellte die Mannschaft jedoch fest, dass der Reifen fast genauso breit baut wie der Cup 2 R in 305. Irgendwie schaffte es der Tuner aber dennoch, die Räder ohne Schleifen ins Radhaus zu bekommen. Großflächig umarbeiten wollte man die Karosserie allein schon deshalb nicht, weil sich hinter dem gleichen Nummernschild (AC-M 2560) diesmal ein brandneues Auto verbarg. Erkennbar übrigens an dem neuen Rotton. Der M2 vom Frühjahr trug "Toronto-Red", das neue LCI-Modell ist in "Fire Red" lackiert.

Unter der Haube alles wie immer bei AC Schnitzer: tolle Motoroptik (567 Euro) und frische Datensätze für 560 statt der serienmäßigen 480 PS.
Bild: Roland Sassen
In Sachen Motor beließ man es beim bekannten Leistungskit von 560 PS und 650 Nm. Dazu die Vierrohr-Sportauspuffanlage und der übliche Schnitzer-Zierrat mit Frontsplitter, Winglets, Schweller, Diffusor und Heckflügel samt Gurney Flap. Alles, was schön und schnell macht eben. Zusätzlich hat der Tuner diesmal auch die Rückbank entfernt und der Bremsanlage mehr Kühlung verschafft.
Dann kam der Zahltag, leider sehr warm. Die Einrollrunde mit den angefahrenen Cup 2 R des AMG hatte ich mittags erledigt. Das Gefühl war dabei schon sensationell. Das Fahrwerk macht aus dem M2 ein komplett anderes Auto. Curbs überfliegst du nun viel lässiger, das Auto schwingt nirgends nach, Übersteuern in schnellen Kurven selbst mit den alten Pellen ad acta gelegt. Dann Auto zurück in die Box, abkühlen lassen und in den letzten zehn Minuten, bevor die Strecke schließt, raus.

Hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Bis kurz vor der Hot Lap stand der M2 aufgebockt mit Heizdecken in Lauerstellung.
Bild: Roland Sassen
Faszinierend, wie kraftvoll und entfesselt der Biturbo-Sechser bis in den roten Bereich hineindreht. Im engen Omega kein Untersteuern, mit den Pirellis biegt man noch präziser ab, früh kann man aus den Kurven herausbeschleunigen. Die schnelle Waldmann-Rechts geht nun voll! Mit den Trofeos kannst du gefühlt nochmals später den Anker werfen. Trotz des immensen Speeds jagt man deutlich entspannter und einfacher um den Kurs. Fahrwerk und die Pirellis sind der Schlüssel zum Erfolg, der diesmal auch endlich im Display erscheint: 1:29,79 Min. Wir gratulieren!
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