ADAC nach dem Skandal um den

ADAC GeschÀftsbilanz 2014

Die erste Bilanz nach der Krise

Wie hat sich der Skandal um die Verleihung des "Gelben Engel" ausgewirkt? Der ADAC hat erstmals Krisenbilanz gezogen.
(dpa/mas) Es ist das erste Mal seit der Krise um den "Gelben Engel" Anfang 2014, dass der ADAC öffentlich Bilanz zieht. Welche Auswirkungen hatte der Skandal? Rein zahlenmĂ€ĂŸig nicht allzu viele, wie der Club am heutigen Mittwoch (17. Juni 2015) mitteilte: Zwar ist die Zahl der Mitglieder erstmals seit Jahrzehnten gesunken. Der RĂŒckgang ist aber nur marginal – 18.956 abgewanderte Mitgleider entsprechen bei der Gesamtzahl von fast 19 Millionen Mitgliedern gerade einmal 0,1 Prozent. Der befĂŒrchtete große Exitus blieb also aus.
Auch finanziell hat die Krise kein Loch gerissen. Trotz leicht rĂŒcklĂ€ufiger Mitgliederzahlen habe der ADAC im Jahr 2014 mehr BeitrĂ€ge eingenommen als im Jahr zuvor, hieß es bei der Pressekonferenz. Dank neuer Varianten fĂŒr die Mitgliedschaft und einer Erhöhung der Preise verbuchte der Autofahrerclub Beitragseinnahmen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro, also gut 114 Millionen Euro mehr als 2013.

Die Tochterfirmen machten weniger Gewinn

Interessant sind auch die Zahlen der ADAC-Tochterfirmen, deren Liste stattlich ist: Der grĂ¶ĂŸte Verein Deutschlands ist nicht nur ein Autofahrerclub, sondern auch ein Konzern, der den Mitgliedern Finanzdienstleistungen, Versicherungen oder eine Autovermietung bietet. Das war auch vor dem Skandal um die FĂ€lschungen beim Autopreis "Gelber Engel" schon so. Doch mit der AffĂ€re rĂŒckten auch die mehr als 40 Firmen in den Fokus. Die Tochter-Firmen des ADAC haben im vergangenen Jahr vor allem wegen eines Steuereffekts weniger Geld verdient. Zwar stieg der Umsatz der unter dem Dach der Beteiligungs- und Wirtschaftsdienst GmbH gebĂŒndelten Unternehmen leicht um gut zwei Prozent auf gut 1,1 Milliarden Euro, der JahresĂŒberschuss sank allerdings um rund 12 Prozent auf etwas mehr als 104 Millionen Euro. Die ADAC-Firmen sollen im Rahmen der Reformen beim Autofahrerclub nach der Krise 2014 schĂ€rfer vom Verein getrennt und in einer nicht-börsennotierten Aktiengesellschaft gebĂŒndelt werden.

Tiefgreifende Umstrukturierung nötig

Daran, dass der ADAC seine Firmen und deren wirtschaftlichen Erfolg braucht, lĂ€sst der Club keinen Zweifel. Das sehen auch Experten so. Edda MĂŒller, Chefin von Transparency International Deutschland, hat gemeinsam mit anderen Fachleuten den ADAC beraten. "Nur so kann der ADAC die teilweise aufwendigen Clubleistungen auf höchstem Niveau refinanzieren", sagte sie vor einigen Monaten im ADAC-Interview.
Doch die bisherige Konstruktion muss ĂŒberarbeitet werden. Der ADAC hat sich im Zuge seiner tiefen Krisen einen Reformplan verordnet, der deutlicher als bisher zwischen Verein und den kommerziellen Töchter unterscheiden soll. Denn ob sich die bisherige Praxis mit dem Wesen des Vereins als Idealverein vereinbaren lĂ€sst, ist offen. Das Amtsgericht MĂŒnchen prĂŒft den Vereinsstatus des Clubs seit Monaten.

Reformprozess soll bis Ende 2015 abgeschlossen sein

Aus dem Fernbusmarkt hat sich der ADAC mittlerweile wieder zurĂŒckgezogen.

Nun wartet das Gericht die Umbauten ab. Auf der Hauptversammlung Ende 2014 wurden dafĂŒr die Leitplanken gesetzt. Organisatorisch soll der Verein mit der Pannenhilfe strikter von den Unternehmen getrennt werden. Die sollen kĂŒnftig unter dem Dach einer Aktiengesellschaft gebĂŒndelt und von einem Aufsichtsrat kontrolliert werden. "Diese Struktur im Detail auszugestalten, erfordert viel Sorgfalt", sagte ADAC-PrĂ€sident August Markl in MĂŒnchen. "Trotzdem wollen wir diesen Prozess bis Ende dieses Jahres abschließen."
Bei manchen Engagements entschied der Club allerdings rasch. So wurden PlĂ€ne fĂŒr eine eigene Werkstattkette aufgegeben – und auch aus dem Fernbusmarkt zog sich der ADAC wieder zurĂŒck. Eigentlich hatte der Club gemeinsam mit dem Partner Deutsche Post hier gute GeschĂ€fte machen wollen. Die ĂŒbrigen Maßnahmen werden sich aber hinziehen.
Der Skandal um die "Gelben Engel" Anfang 2014 war der Auftakt zu einem Sturm, der am Ende nicht nur den Kommunikationschef, sondern auch PrĂ€sident und GeschĂ€ftsfĂŒhrer davon fegte. Beinahe jeden Tag gab es neue VorwĂŒrfe. "Viele davon haben sich als haltlos erwiesen, einige entsprachen den Tatsachen", sagte Markl. Vor allem sei die GlaubwĂŒrdigkeit des ADAC erschĂŒttert worden. Auch deswegen mĂŒssten die Reformen ernsthaft und vor grĂŒndlich angegangen werden. Das sei der Club seinen fast 9000 Mitarbeitern schuldig.

Stichworte:

ADAC

Anzeige

Automarkt

Bei autohaus24.de Neuwagen gĂŒnstig kaufen und Geld sparen.

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.