Alfa 8C Spider, Jaguar XKR, Porsche 911: Cabrio-Test
Der Stoff, aus dem die Träume sind

Schönheiten sind rar geworden in einer Cabriowelt voller Klappdächer. Hier sind drei offene Träume mit klassischem Stoffverdeck: Alfa 8C Spider, Jaguar XKR Cabriolet und Porsche 911 Speedster.
- Stefan Helmreich
Sie haben ihn, Sie und, ich bin mir sicher, Sie auch. Jeder von uns hat ihn, diesen einen oder vielleicht besser diesen Einzigen, für den man – im emotionalen Überschwang – auch den kleinen Finger opfern würde. Für den Autor war dieser eine mal der Lamborghini Countach. Schon immer war er der, der nicht mit all den anderen Matchbox-Autos in der Spielkiste leben musste; der, den man beim Quartettspielen höchstens unter Tränen rausrückte; und der, der noch immer lebensgroß im Kinderzimmer pinnt, obwohl dort inzwischen ein Ehebett steht. Die Liebe hielt 27 lange Jahre, bis ihr das erste Date ein Ende setzte. Silber war er, auf seine keilförmige Art hinreißend schön und doch so völlig anders, als man sich das immer ausgemalt hatte. Man saß grässlich, am Gasfuß hing ein behäbiger V12-Klotz, der Klang war hohl, und in Kurven bekam man das Gefühl, man würde gerade eine Sofalandschaft über eine Wendeltreppe wuchten.
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Sieht super aus, erfüllt die Erwartungen aber am Ende nicht ganz: der Alfa 8C Spider.
Bild: Bernd Hanselmann
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Da weiß man, was man hat: Der Speedster ist das xte Derivat des Klassikers Porsche 911.
Bild: Bernd Hanselmann
Nüchtern betrachtet ist der Speedster ein neu eingekleideter Carrera GTS, für dessen exklusive Kluft Porsche – ausstattungsbereinigt – rund 50.000 Euro Aufpreis verlangt. Wer ihn versteht, sieht in ihm jedoch eine der gelungensten Retrointerpretationen unserer Zeit. Im Gegensatz zu vielen anderen seines Schlags zitiert er seine Vorgänger authentisch. Nicht nur in Details wie der flachen Scheibe, den Höckern auf dem Verdeckkasten oder den Rädern im Fuchs-Design. Sondern auch charakterlich, weil er eines der allerletzten Cabrios ist, bei denen man noch so richtig draußen sitzen kann. Wie auch der Alfa trägt er sich wie ein ausgeleierter Bikini. Selbst bei hochgefahrenen Seitenscheiben wälzen sich Elemente ungehemmt durch den Innenraum. Würzige Blumenwiese, beißende Kläranlage, moosiger Waldsee. Ein olfaktorisches Stroboskop des Streckenrands, das sich je nach Geschwindigkeit entweder als intensive Aromatherapie in die Kopfhaut massiert oder mit Hochdruck direkt in die Nasennebenhöhlen jagt.
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Kein Krawallbruder: Das Jaguar XKR Cabriolet verbreitet die Nostalgie eher subtil.
Bild: Bernd Hanselmann
Durch die Träume vieler Automobilisten werden dennoch weiterhin die anderen fahren. 8C und Speedster sind die schillernden Starlets, poppig, exzentrisch und mitunter auch wegen der halbmanuellen Verdeckmechaniken nicht ganz unkapriziös. Nach der gescheiterten Beziehung zum 80er-Jahre-Lambo sehnt sich der Autor nun jedoch nach etwas Beständigkeit. Ehebett unterm Countach-Poster, Sie wissen schon. Wenn also kleiner Finger, dann nur für den Jaguar.
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