Armin Schwarz Rally & Driving Experience
Rallye-Schule im Schnee
Bild: Martin Westerhoff/Armin Schwarz Experience
Das Funkgerät in der Türablage knackt. Dann dröhnt die Stimme von Armin Schwarz (61) durch den Innenraum des Toyota GR Yaris. „Jetzt GAS, GAS, GAS!“, ruft mir der ehemalige Rallye-WM-Pilot und letzte deutsche WRC-Sieger (Spanien 1991) energisch zu. Der rund 300 PS starke Kleinwagen rutscht komplett quer in die Kurve. Trotzdem Gas geben? Ein beherzter Tritt aufs rechte Pedal. Die mit zwei Millimeter langen Spikes bestückten Winterreifen kämpfen an allen vieren um Traktion. Und ziehen das Heck tatsächlich langsam wieder weg vom kurvenäußeren Schneewall. Raus geht’s auf die nächste Gerade.
Mit einem breiten Grinsen schalte ich hoch in den dritten Gang. In den Rückspiegeln sehe ich eine Wolke aus aufgewirbeltem Schnee, die gemächlich zu Boden sinkt. Bei der „Armin Schwarz Rally & Driving Experience“ geht es dennoch nicht darum, den spektakulärsten Drift auf Eis und Schnee hinzulegen. Vielmehr stehen auf dem Lehrplan dieser Rallye-Schule: Fahrtechnik und Fahrzeugkontrolle verbessern.

Instruktoren und Rallye-Fahrer: Armin Schwarz und sein Sohn Fabio Schwarz haben den Toyota GR Yaris für die Fahrschule aufgemotzt.
Bild: Martin Westerhoff/Armin Schwarz Experience
Vorerfahrung brauchen die Teilnehmer dafür keine. Sie müssen lediglich Auto fahren können. „Alle unsere Übungen kommen aus dem Rallye-Wettbewerb“, erklärt Armin Schwarz. „Aber ich bin ein großer Verfechter davon, dass jeder sein Fahrzeug kennen und beherrschen sollte.“
Schauplatz des zweitägigen Grundkurses ist ein überfrorenes Sumpfgebiet im finnischen Levi. Auf einer Fläche von 420 Fußballfeldern sind bis zu neun Sektionen präpariert. Angefangen von einem einfachen Kurs in Form einer Acht bis zu einer anspruchsvollen Strecke mit Kuppen, Bodenwellen und hängenden Kurven. Das „Schuljahr“ geht von Januar bis März. Nur dann sind die Temperaturen tief genug.

Rallye-Pilot Fabio Schwarz (l.) bringt Autor Westerhoff das Driften bei.
Bild: Martin Westerhoff/Armin Schwarz Experience
In diesem Jahr kommt erstmals eine Flotte von modifizierten Toyota GR Yaris zum Einsatz. Ob Fahrwerk, Bremsen, Reifen, Auspuff – viele Komponenten sind aus dem Rallyesport entliehen, um dem harschen Einsatz gewachsen zu sein. Auch der Motor der Allrad-Rennsemmel hat gegenüber den 280 Serien-PS noch etwas zugelegt. Karosserieteile wie Türen und Kotflügel sind aus Carbon. Weniger wegen des Gewichts, sondern um Abflüge in die Schneewälle unbeschadet zu überstehen.
Fahrzeugdaten | Toyota GR Yaris Armin Schwarz Rallye Edition |
|---|---|
Motor | Dreizylinder, Turbo, vorn quer |
Hubraum | 1618 cm3 |
Leistung | ca. 221 kW (300 PS) |
max. Drehmoment | 390 Nm bei 3250-4600/min |
Antrieb | 6-Gang-Schaltgetriebe, Allrad |
L/B/H | 3995/1805/1455 mm |
0-100 km/h | ca. 5 s |
Höchstgeschwindigkeit | 230 km/h |
Auch meine Abflug-Statistik wächst. Zu spät vor einer Kurve gebremst oder zu früh Gas gegeben – meist ist Untersteuern, also das Schieben über die Vorderräder, der Grund. Co-Instruktor Fabio Schwarz (19), Armins Sohn, der in dieser Saison in der zweiten Liga der Rallye-Weltmeisterschaft startet, zieht mich mit Servicefahrzeug und Abschleppseil wieder raus. Und nimmt anschließend auf dem Beifahrersitz in „meinem“ Auto Platz. Eine Rennlizenz habe ich seit 2005, seinem Geburtsjahr. Aber seine Rallye-Erfahrung und sein Fahrtalent wiegt das nicht auf.

Kontrolliert driften können – das Ziel der Rallye-Fahrschule.
Bild: Martin Westerhoff/Armin Schwarz Experience
„Versuche den Lastwechsel konsequenter einzuleiten und dann beide Hände am Lenkrad zu lassen. Weniger Hektik ist mehr“, erklärt mir Fabio gelassen. Lastwechsel einleiten: Das bedeutet, vor einer Kurve erst kurz in Gegenrichtung lenken. Dann das Steuer schnell in Richtung der Kurve drehen. So wird das Gewicht auf die Vorderachse verlagert. Das Heck wird leicht – und bricht gewollt aus. Mit Gas und Lenkrad gilt es dann, den Drift durch die gesamte Kurve zu kontrollieren. Unter Beobachtung des jungen Coaches klappt das auch bei mir immer besser.

Bis in die Dunkelheit absolvieren die Teilnehmer verschiedene Rundkurse durch den Wald.
Bild: Martin Westerhoff/Armin Schwarz Experience
„Wer ein Training bei uns absolviert hat, ist besser auf Extremsituationen im Straßenverkehr vorbereitet“, spricht Armin Schwarz einen Vorteil für die Verkehrssicherheit an. „Obendrauf haben wir natürlich eine riesige Portion Gaudi.“ Dazu zählen auch kleine Wettbewerbe unter den Teilnehmern. Gleich am ersten Abend treten wir auf einem Rundkurs zur Zeitenjagd an. Am zweiten Tag steht zum Abschluss ein Rennen über drei Runden an, zu dem jeweils zwei Autos versetzt starten. Wir Teilnehmer können dann nicht nur testen, wie gut wir das Auto beherrschen – sondern auch uns selbst. Durch den Wettkampf bekommt jeder einen minimalen Eindruck davon, welchem Druck Profi-Rallyefahrer wie Fabio Schwarz standhalten müssen.
Wer Blut geleckt hat, kann neben Individual- Coachings einen Fortgeschrittenen-Kurs buchen. Während die ersten beiden Tage dem Basistraining gleichen, stehen die Yaris am dritten Tag auf doppelt so langen Spikes. Die steigern Traktion und Rundenzeiten um rund 60 Prozent. Und senken um den gleichen Wert die Zeit, die zum Ausbügeln von Fahrfehlern bleibt.
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