Test: Elektronische Helfer im Auto

Assistenten-Test: elektronische Helfer im Auto

Welche Fahrassistenten sind sinnvoll?

Welche Assistenten gehören ins Auto? Welche sind verzichtbar? Ein Test von zehn teuren Helferlein zeigt: Einige können Sie sich sparen!
Schutzengel wohnen heutzutage in Steuergeräten moderner Autos. Dort helfen sie beim Bremsen, Lenken, Gucken und Erkennen von Gefahren. AUTO BILD hat untersucht, was genau hinter den vielen Sensoren und Systemen steckt. Außerdem bringen wir Spurhalter, Bremshilfen, Überwachungssysteme oder auch Lichtvarianten und Anzeigentechniken auf Kurs.

Einheitliche Begrifflichkeiten gibt es nicht

Anhand von Tempo, Lenkwinkel und ESP-Daten ahnt die Mercedes A-Klasse einen möglichen Crash voraus.

Oft ist höchst unklar, was sich so alles hinter modernen Assistenzsystemen verbirgt. Spurhalter, Spurwarner, Spurführungsassistent, Spurverlassenswarnung, Lane Keeping Assist (LKA) – auweia, geht's noch? Allein die Sache mit der Spur ist "sprachlich" längst aus dem Ruder gelaufen. Jeder Hersteller findet eigene Bezeichnungen für seine Assistenten, dazu gibt es vielfache Abstufungen in der Regelstrategie, ein Auto auf Kurs zu halten. Letztlich steht aber hinter jeder dieser Bezeichnungen immer das gleiche Prinzip: Irgendetwas verhindert, dass Auto und Insassen unbeabsichtigt von der Fahrbahn abkommen. Im Folgenden bringen wir Ordnung ins Assistenten-Wirrwarr – und erklären das Grundprinzip der Sicherheitssysteme inklusive möglicher Schwächen bei Erkennung und Ausführung!

Diese Fahrassistenten haben wir getestet

Ausstiegswarnung

So funktioniert sie: Bei stehendem Auto kann eine unachtsam geöffnete Tür zum Unfall mit nachfolgenden Fahrzeugen führen. Sensoren in der hinteren Stoßstange (jeweils außen) erfassen den herannahenden Verkehr. Das System ist mit den Türöffnern verknüpft. Will der Fahrer (oder Passagiere auf anderen Plätzen) aussteigen, erhält er eine Warnung.
Mögliche Schwächen: Verschmutzte Radarsensoren könnten zum Ausfall führen. Fehlmeldungen haben aber keine Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit.
Unsere Einordnung: Hohe "Trefferquote", sehr guter Effekt, zudem auch ein Sicherheitsvorteil für die hintere Reihe. Unbedingt bestellen!

Pre-Crash-Systeme

So funktionieren sie: Hier arbeiten unterschiedliche Systeme zusammen, um einen drohenden Unfall abzuschwächen. Sensoren (wie ESP, Radar, Kamera) können "ahnen", dass ein Unfall passiert. Dann schließen sich die Fenster, straffen sich die Sicherheitsgurte, stellen sich die Sitzlehnen aufrecht (sofern elektrisch betätigt), um die Passagiere in eine möglichst aufrechte und somit sichere Position zu bringen. Die Sensoren können auch hinten (z. B. im Stoßfänger) angebracht sein, sodass auch Heckkollisionen rechtzeitig abgemildert werden können. Außerdem kann der nachfolgende Verkehr (z. B. durch aufflackerndes Bremslicht) gewarnt werden. Eine Unterart der Pre-Crash-Funktion ist die Multikollisionsbremse. Sie kann zum Beispiel nach einem (ersten) Einschlag die Bremen feststellen, um weitere Kollisionen abzuschwächen.
Mögliche Schwächen: Kommt es zu einer Fehlinterpretation einer möglichen Unfallsituation (ESP muss regeln, obwohl die Situation noch zu keinem Unfall führen muss), strafft sich beispielsweise der Gurt. Aber: Das passiert mit verhaltenem Ruck, eine zu frühe Warnung könnte den Fahrer höchstens irritieren, nie gefährden.
Unsere Einordnung: Fehlauslösungen müssen schon arg provoziert werden. Die Möglichkeit, Unfallfolgen zu mindern, gehört in jedes Auto.

Head-Up-Display

So funktioniert es: Wichtige Informationen, allen voran das Tempo, werden zusätzlich vor dem Fahrer über einen Spiegelmechanismus in die Frontscheibe projiziert. Einfachere Bauarten nutzen ein Modul, bei dem die Schriften und Piktogramme auf einer kleinen, auf das Armaturenbrett aufgesetzten Extra-Scheibe (Echtglas oder Kunststoff) abgebildet werden. Das Prinzip ist gleich. Der Fahrer muss nicht vom Geschehen auf der Straße zur Skala auf dem Tacho "umschalten" und entsprechend fokussieren. Da die Angaben quasi in größerer Entfernung vor dem Auto über der Straße "schweben", kann das Auge leichter umschalten, das verkürzt die Zeitspanne und letztlich auch die Ablenkung.
Mögliche Schwächen: Teils lassen sich bis zu zehn Infoebenen gleichzeitig darstellen – das könnte über die Vielfalt ablenken. Aber: nach Gewöhnung hervorragender Beitrag zu mehr Sicherheit.
Unsere Einordnung: Stört nie, als Variante mit Bild in der Frontscheibe optimal – wir empfehlen die "große" Form der Head-up-Displays eindeutig.

Notfallassistent

So funktioniert er: In Verbindung mit aktiven Lenkhilfen kann die Technik (über den Lenkwinkelsensor) erkennen, ob ein Fahrer sehr lange nicht aktiv am Geschehen teilnimmt – weil zum Beispiel ein medizinischer Notfall vorliegt. Dann erfolgen Warnungen (optisch, akustisch, sogar durch einen ruckenden Bremseneingriff). Anschließend kann der Wagen auch selbsttätig verzögern, andere Verkehrsteilnehmer warnen (per Hupe, Warnblinklicht), letztlich stehen bleiben oder kurz vorher auf den Standstreifen oder an den Fahrbahnrand steuern. Der Emergency Assist funktioniert nur in Verbindung mit aktiviertem Temporegler.
Mögliche Schwächen: 
Im Grunde arbeitet dieser Assistent fehlerfrei – außer der Fahrer ignoriert absichtlich die Aufforderungen, das Lenkrad zu übernehmen (er sollte und darf ohnehin nicht freihändig fahren).
Unsere Einordnung:
 Das System greift tatsächlich nur ein, wenn höchste Not besteht. Allerdings funktioniert es nur in Verbindung mit weiteren Assistenzsystemen (Lenkhilfe, Bremsunterstützung). Dennoch: sollte zur Standardausstattung gehören.

Verkehrszeichenerkennung

So funktioniert sie: Eine Kamera in der Frontscheibe "filmt" Temposchilder. Gleichzeitig liefert das Navigationssystem Daten über fest eingespeicherte Geschwindigkeitsbegrenzungen. Der Fahrer bekommt die Zeichen dann ins Cockpit eingespielt. Das können neben Tempoangaben auch Überholverbote, Einbahnstraßen, zeitliche Einschränkungen oder Gefahrenhinweise sein. Aufwendigere Systeme verknüpfen die erfassten Limits zudem mit dem Temporegler. Heißt: Bei aktivierter Geschwindigkeitsregelung kann das Auto automatisch an den Begrenzungen entlangführen, also rechtzeitig selbsttätig Tempo herausnehmen und am Ende der Limitierung auch wieder beschleunigen.
Mögliche Schwächen: Kein einziges System arbeitet absolut fehlerfrei. Schilder werden falsch interpretiert oder "übersehen". Witterungsbedingungen, beschädigte oder verschmutzte Verkehrszeichen werden oft nicht "gelesen".
Unsere Einordnung:
 Die Verkehrszeichenerkennung ist tatsächlich nur Unterstützung, darauf verlassen darf man sich auf keinen Fall. Ein durchweg aufmerksamer Fahrer spart sich das Geld.

Querverkehrsassistent

So funktioniert er: Der Bereich direkt vor und relativ nah hinter dem Auto wird überwacht. Beispiel Kreuzungen: Will der Fahrer nach links abbiegen und ein entgegenkommendes Fahrzeug wird übersehen, kann der Kreuzungsassistent Route, Tempo und einen möglichen resultierenden Zusammenstoß errechnen, das Auto selbsttätig abbremsen, genauer gesagt: den Fahrer warnen. Die hinteren Sensoren können dagegen beim Rückwärtsausparken überwachen, ob ein Zusammenstoß durch ein herannahendes Auto droht.
Mögliche Schwächen: Abbiegeunfälle mit (zu) schnell fahrenden Entgegenkommenden kann das System nicht immer verhindern. Die rückwärts agierenden Systeme können durch
zu frühe oder defensive Meldungen (z. B. in einem engen Parkhaus) irritieren.
Unsere Einordnung: Sowohl Front- als auch Heckbereich sollten – zumal unsere Autos immer unübersichtlicher werden – optimal abgesichert sein. Wünschen wir für jedes Modell.

Spurwechselassistent

So funktioniert er: Der Bereich neben und schräg hinter dem Auto wird überwacht. Fährt ein Objekt im toten Winkel, kann das System die Situation erkennen und bei einem möglichen Spurwechsel warnen. Einige Modelle überwachen nur den Bereich wenige Meter hinter dem eigenen Auto (Totwinkelwarner), erst die erweiterten Assistenten erfassen auch den Verkehr viel weiter hinten. So können sie auch mit der Geschwindigkeitsdifferenz schnell herannahender Autos auf der Nebenspur etwas anfangen und so zum Beispiel auf der Autobahn das Spurwechseln absichern.
Mögliche Schwächen: Reicht der Erfassungsbereich zum Beispiel nur so weit wie bei unserem Probanden Ford Focus, ist das System bei schneller Autobahnfahrt überfordert.
Unsere Einordnung: Es gibt so gut wie keine Fehler. Die Systeme arbeiten zuverlässig und sichern den Spurwechsel gut ab. Die Technik gehört in jedes Auto.

Intelligente Lichtsysteme

So funktionieren sie: LED-Technik macht's möglich. Ein Scheinwerfer besteht aus mehreren kleinen (LED-)Lichtquellen. Schlau vernetzt, können die je nach Straßenart, Situation und Tempo die Fahrbahn sehr unterschiedlich ausleuchten. Fernlicht auf der Autobahn, Kurvenlicht, an Regen angepasst, ein deutlicher Lichtkegel auf die eigene Spur auf der Landstraße – alles möglich. Dazu ist das Licht enorm hell, die Bauart kostet wenig Energie. Auch bereits Stand der Technik: Erkennt zum Beispiel die Umfeldüberwachung des Autos auf dunkler Straße einen Radfahrer, kann der Scheinwerfer diesen wie bei einem Theaterspot einzeln anstrahlen, dabei sogar blinkend warnen.
Mögliche Schwächen: 
Manche empfinden zum Beispiel das Umschalten von Fernlicht auf Abblendlicht oder umgekehrt als träge. Auch fühlen sich andere Autofahrer besonders auf regennasser Fahrbahn von der stark weißen Lichtquelle geblendet.
Unsere Einordnung:
 Klares, helles Licht, je nach Situation auf die Fahrbahn gerichtet – starre H4-Ausbeute ist eine Kerze dagegen. LED-Licht (intelligente Bauart) empfehlen wir grundsätzlich.

Automatische Temporegelung, selbsttätige Bremssysteme

So funktionieren sie: Im Grunde ein Temporegler (Tempomat) – der nicht nur stoisch seine programmierte Geschwindigkeit hält, sondern sich auch am Streckenverlauf, anderen Fahrzeugen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und sogar an der aktiven Routenführung orientiert. Die im Verbund arbeitende Bremse kann auch in Notsituationen genutzt werden. Radar, Lidar (Lasersensorik) und Kameras erfassen den Bereich vor dem Auto und liefern entsprechende Signale an die Steuergeräte. Heißt zum Beispiel: Der Wagen bremst, wenn der Vordermann verzögert. Oder er beschleunigt nach dem Ortsausgangsschild selbsttätig auf Tempo 100. Er kann auch mit aktivierter Navigation selbsttätig vor Abbiegemanövern bremsen und Kreisverkehre mit vorab berechneter und passender Geschwindigkeit durchfahren. Zweite Ebene der Bremshilfen: Die Systeme können – sofern Hindernisse eindeutig identifiziert werden – Unfallfolgen vermindern oder Kollisionen vermeiden. In der Stadt erkennen die Notbremsassistenten auch Fußgänger und Radfahrer.
Mögliche Schwächen: Ganz klar Erkennungsgüte, Sensoren-Zuverlässigkeit und Fehlinterpretationen. Wir haben zum Beispiel erlebt, dass ein System ein Tempolimit ignoriert hat und selbsttätig die Geschwindigkeit deutlich überhöhte.
Unsere Einordnung: Die Bremssysteme können Leben retten. Auch wenn es immer mal zu falschen Warnungen kommt – wir sind für eine aufpreisfreie Grundausstattung mit Notbremsassistenten.

Spurhaltesysteme und Spurhaltewarner

So funktionieren sie: Ganz reduziert gesagt, steuert das Auto selbst. Je nach System unterschiedlich stark ausgeprägt. Dazu nutzt das Auto eine (oder mehrere) Kameralinsen im Bereich der oberen Frontscheibe, Radarmodule in Grill oder Stoßfänger sichern zusätzlich ab. Können die Sensoren auf der Straße Seitenmarkierungen, Fahrbahnbegrenzungen oder Randbebauung erkennen, schaltet sich das System aktiv. Die schlichten Varianten können beim oder kurz vor dem Überqueren einer Seitenlinie warnen. Andere Ausführungen lassen das Lenkrad vibrieren oder lenken leicht gegen. Die "echten" Spurassistenten halten den Wagen mittig in der eigenen Fahrspur, können leichte Biegungen erkennen oder im Stau folgen, dabei sogar die Rettungsgasse auf der Autobahn berücksichtigen. Allerdings: Alle Systeme verlangen nach der absichernden Hand des Fahrers am Lenkrad. Bleibt die aktive Mithilfe aus, warnen die Spurhalter, schalten ab oder gehen sogar in den Notstopp (Emergency Assist) über.
Mögliche Schwächen: 
Zum einen erkennt die Technik niemals alle Situationen. Verwitterte Linien? Schlechte Sicht? Bremsspuren oder Bitumenflicken auf der Bahn? Das System steigt eventuell aus. Die Sensoren können verschmutzen oder irritiert sein. Dazu kommt: Interpretiert die Technik eine Situation falsch, kommt das Auto schnell vom Kurs ab. Zu große Radien in Kurven übernimmt das System nicht.
Unsere Einordnung:
 Die Spurhaltesysteme können in letzter Konsequenz natürlich Unfälle verhindern. Doch die Fehlerquote ist im Vergleich zu anderen Assistenten hoch. Der Fahrer sollte sich zudem niemals auf diesen Assistenten verlassen, stets selber die volle Kontrolle behalten.

Parken mit PayByPhone

Fazit

Beim Assistieren gibt es zwei große Themen: Elektrisch betätigte Lenkungen können selbsttätig Richtungskorrekturen vornehmen, und die elektrischen Pumpen der Bremsanlage können ohne Pedalbetätigung eigenmächtige Verzögerungen auslösen. Das hilft beim Vermeiden von Unfällen und entlastet die Fahrer. Der Rest ist schlaue Beobachtungsgabe: Über Kamera, Ultraschall und Co kann die Technik Objekte finden, die der Fahrer möglicherweise übersieht. Aber: In jedem System stecken Fehler (vor allem bei schlechten Witterungsbedingungen), jede Technik kann ausfallen. Zu 100 Prozent verlassen darf sich ein Autofahrer deshalb nicht auf seine Assistenten. Letztlich hilft aber nahezu jedes System, mögliche Unfälle zu vermeiden oder die Folgen abzuschwächen. Wir meinen: Assistenz als Unterstützung? Her damit!
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Assistenzsystem

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