Video: AMG GT R vs Continental und DB11 (2017)

Krasse Supersportler

Ein neuer Aston Martin ist ungefähr so selten wie ein englischer Sieg im Elfmeterschießen. Aber jetzt, endlich, ist es mal wieder so weit. Der DB11 löst den ebenso bildschönen wie hochbetagten DB9 ab. Der soll die feine, kleine Manufaktur fit für die Zukunft machen. Nicht von schlechten Eltern sind aber auch die beiden anderen Boliden dieses Vergleichs: der Continental Supersports, eine 2,3 Tonnen schwere Wuchtbrumme von der edlen VW-Tochter Bentley, und der GT R von Mercedes-AMG, die schärfste, schnellste und böseste Ausführung des AMG GT.

Die giftig grüne Farbe verspricht nicht zu viel

Mercedes-AMG GT R
Kampfansage in Lack: Schon die Farbe namens "Green Hell Magno" markiert den Anspruch des GT R.
Bild: Uli Sonntag
Der Benz ist in Green Hell Magno lackiert, Höllengrün also, klar, das bezieht sich auf die Grüne Hölle, die Nordschleife. Dass der AMG keine Gefangenen macht, wird beim ersten Blick deutlich: Er kauert breit und flach auf der Straße, mit weit aufgerissenem Maul, riesigen Kühlluftöffnungen, mächtigen Keramikbremsen, einem Dach aus Carbon und Michelin-Sport-Cup-2-Reifen (19 Zoll vorn, 20 hinten) aus der Pattex-Abteilung. Insgesamt eher ein Projektil als ein Auto. An Bord geht es eng zu, die gewaltige Mittelkonsole mit einer lässig arrangierten Batterie von Tasten, Schaltern und Drehreglern lässt gerade so Platz für einen Fahrer und eine schlanke Begleitung. Der oder die sollten sich die Fahrt gut überlegen. Die Sitzposition in den beiden engen Schalen liegt knapp über der Straße – später ist es, als ob du mit dem nackten Hintern über den Asphalt schrammst.
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Die Beschleunigung des AMG GT R ist atemberaubend

Mercedes-AMG GT R
Wahnsinn: Der 585 PS starke Biturbo-V8 beschleunigt den Über-Mercedes in 10,5 Sekunden auf 200 km/h.
Bild: Uli Sonntag
Der doppelt aufgeladene 4,0-Liter-V8 mit 585 PS und 700 Nm bei 1900 Touren ist als Frontmittelmotor verbaut (Gewichtsverteilung 48 zu 52) und an ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an der Hinterachse gekoppelt. Die AMG-Leute haben bei der Farbe nicht übertrieben: Das Ding geht wie die Hölle. Der V8 lässt zuerst ein dunkles, drohendes Grollen von sich hören, brüllt dann später tief und heiser, rotzt und sprotzt. In 3,7 Sekunden springt der GT R von 0 auf 100, noch irrer sind die 10,5 Sekunden bis 200 km/h. Aber was sind schon dürre Zahlen. Dieser AMG liefert ungefiltertes Motorsport-Feeling – mit Straßenzulassung. Der brachiale V8, die saubere Balance, die äußerst direkte Lenkung, die ultrasteife Karosserie, die breite Spur, die mitlenkenden Hinterräder und die raffiniert abstimmbaren Regelsysteme ergeben in der Summe eines dieser raren Autos, bei denen Fahrer und Maschine eine Symbiose eingehen, verzahnt mit der Straße.
Du musst es nur denken – und schon geht der AMG blitzartig um die nächste Kurve. Auf unserer Hausstrecke, dem Reifen-Testgelände Contidrom, schaffte der GT R vor einigen Wochen den Rundenrekord, und zwar vor dem Porsche GT3 RS (991). Wir empfehlen allen Rekordjägern das Fahrprogramm Race, für den An-triebsschlupf an der Hinterachse die Stellung fünf oder sechs (1: kein Schlupf, 9: viel) und dann viel Spaß mit irrwitzigen Längs- und Querbeschleunigungen. Oder umgekehrt den brutalen Bremsen mit ihrer gewaltigen Verzögerung, im Test stand der GT R aus 100 km/h nach unglaublichen 31,4 Metern.
Wie sich Aston Martin DB11 und Bentley Continental Supersports schlagen, erfahren Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

Am Ende steht für uns der DB11 als Gewinner da. Er fährt sozusagen am Schnittpunkt zwischen dem rasenden AMG GT R, einer wahren Höllenmaschine, und dem luxuriösen Bentley Continental. Denn der Aston kann wirklich beides: einerseits entspanntes Gleiten und andererseits ernsthaften Sport mit hohem Tempo.