Zwei Cabrios im Vergleich

Zwei Cabrios im Vergleich

Aston Martin DB11 Volante/Ford Mustang Convertible V8: Test

Zwei V8-Cabrios, ein Sieger der Herzen

Zwischen Aston Martin DB11 und Ford Mustang liegen fast 150.000 Euro. Beim Fahrspaß merkt man den Unterschied allerdings kaum.
Für 199.000 Euro kauft unsereins ein Häuschen und zahlt bis zur Rente. Okay, wollen wir mal nicht neidisch sein auf alle, die für so viel Geld den neuen Aston Martin DB11 Volante schießen. Ist ja auch 'ne coole Karre. Für viel weniger gibt's aber auch 'ne crazy Kiste! Das Ford Mustang Cabrio ist zwar nicht neu, aber frisch geliftet. Und der Preis ist heiß: 53.000 Euro mit Zehnstufenautomatik. Übern Daumen ein Viertel vom Aston-Kurs. Reicht das, um glücklich zu sein? Einsteigen!

In Sachen Optik ist der Aston Martin fast unschlagbar

Hinreißender Engländer: Aston Martin hat dem DB11 Volante ein wunderschönes Blechkleid geschneidert.

Ja, der Aston ist eine enge Angelegenheit. Hinten am besten nur Gepäck ablegen, ist auch nötig, denn der Kofferraum fasst bei offenem Dach 169 Liter. Aber die Engländer haben ja auch nie behauptet, dass so ein Aston praktisch sein muss. Er ist einfach nur schön. Also so richtig schön. Diese geschwungene Linie, diese sichelförmigen Rückleuchten. In 30 Jahren, wenn wir alle in autonomen E-Autos hocken und mit den Fingern total bescheuert in der Luft rumwedeln, um Hologramme zu bedienen, dann kriegen wir bei diesem Anblick Schnappatmung. Dach und Scheiben fahren in handgestoppten 14 Sekunden runter, und damit steht fest, dass der Mustang das erste Duell für sich entscheidet. Zehn Sekunden Knopf drücken, dann scheint die Sonne. Auch in Wettkampf Nummer zwei ist das Pony eine Nasenspitze vorn. Hinten sitzen auch Erwachsene okay, und der Kofferraum packt 332 Liter ein, fast doppelt so viel wie im Aston.

Mit dem Facelift gewinnt der Mustang an Qualität

Von wegen "billiger Ami": Materialauswahl und Verarbeitung passen beim Ford Mustang Convertible.

Ach ja, da wir schon so schön sitzen, noch mal ein kurzer Blick aufs Cockpit. Seit dem Facelift ist das im Mustang voll digital, statt Rundinstrumenten gibt’s so eine Art iPad, auf dem je nach Fahrprogramm unterschiedliche Grafiken zu sehen sind, wie früher gibt's sogar eine breite Balkenanzeige für den Drehzahlmesser. Ansonsten müssen wir konstatieren: Huch, können ja gar nicht mehr "billiger Ami" sagen, denn die Oberflächen mit Softlack und verchromten Kippschaltern sind echt okay. Wir schreiben aber jetzt auch nicht was vom "Briten-Beau", denn das Aston-Cockpit kommt uns irgendwie schwäbisch vor. Haben die doch allen Ernstes einen Restposten vom Daimler eingekauft! Die Infotainment-Einheit mit Dreh-Drücksteller stammt aus dem Mercedes-Regal. Gar nicht mal eine schlechte Idee, so auf Lindner zu machen: Es ist besser, kein Navi zu bauen, als es falsch zu bauen.
Gilt übrigens auch für den Motor: Der doppelt aufgeladene 4,0-Liter-V8 stammt von Mercedes, leistet 510 PS und 675 Nm und somit etwas weniger als im AMG GT C Roadster (557 PS, 680 Nm). Den Volante bieten die Briten nur als V8 an, ist auch okay so, vier Sekunden auf Tempo 100 und 300 km/h Spitze reichen doch, oder?

Waschechte Sportler sind beide Cabrios nicht wirklich

Am besten geradeaus: Man kann DB11 und Mustang die Sporen geben, Kurven sind aber nicht ihr Revier.

Aber nicht, dass Sie jetzt auf falsche Gedanken kommen: Nein, der DB11 ist kein Sportler, du tust ihm keinen Gefallen, wenn du Fahrwerk und Antrieb über die Lenkradtasten von GT auf Sport plus stellst und Kurven räubern willst, als gäbe es kein Morgen. Nicht machen, dafür fehlen Allradlenkung und Wankstabilisierung. Der Aston will genossen werden. Cruisen, das kann er. Gaaanz langsam an der Eisdiele vorbei fahren, damit alle gucken können. Bevor die Espresso-Boys das Pony sehen, hören sie es schon. Welch ein Boller-Bums! Ja, der Mustang hat Klappenauspuff, wir Jungs brauchen das. Und wenn die Straße frei ist, drückst du die Dragstrip-Taste, dann brüllt dich der Fünfliter-V8 an wie der Chef, wenn du mal wieder zu spät bist, geht permanent ans Drehzahllimit, die Automatik knallt die Gänge nur so rein, peng, peng, peng. Nach 4,5 Sekunden stehen 100 Sachen auf der Uhr, bei 250 km/h ist Schluss. Und am besten ist, wenn die Straße immer nur geradeaus geht. Denn das Dickerchen hat zwar mit dem Facelift neue Dämpfer und dickere Querstabis bekommen, ist aber immer noch ein Muscle Car und keiner für die enge Landstraße.
Technische Daten Aston Martin DB11 Volante • Motor: V8, Biturbo, vorn längs • Hubraum: 3982 cm³ • Leistung: 375 kW (510 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment: 675 Nm bei 2000/min • Antrieb: Hinterradantrieb, Achtstufenautomatik • Länge/Breite/Höhe: 4739/1940/1279 mm • Leergewicht: 1926 kg (Messwert) • 0–100 km/h 4,0 s • Vmax: 300 km/h • Verbrauch: 9,9 l Super plus • Abgas CO2: 230 g/km • Preis: ab 199.000 Euro.
Technische Daten Ford Mustang Convertible V8 • Motor: V8, vorn längs • Hubraum: 5038 cm³ • Leistung: 331 kW (450 PS) bei 7000/min • max. Drehmoment: 529 Nm bei 4600/min • Antrieb: Hinterradantrieb, Zehnstufenautomatik • Länge/Breite/Höhe: 4794/1916/1394 mm • Leergewicht: 1843 kg (Messwert) • Kofferraum: 332 l • 0–100 km/h: 4,5 s • Vmax: 250 km/h • Verbrauch: 12,5 l Super • Abgas CO2: 279 g/km • Preis ab 53.000 Euro.
Andreas May

Andreas May

Fazit

199.000 Euro ohne Extras! Unsereins kauft dafür ein Haus, aber keinen Aston Martin. Obwohl das Ding geil ist. Sieger der Herzen ist daher der Ford Mustang. Fetter V8 für 53.000 Euro. Klingt machbar.

Stichworte:

Sportwagen Cabrio

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