Aston Martin Vantage Coupé (2024): Fahrbericht
665 PS pures Adrenalin: Das kann der neue Aston Martin Vantage

Bild: Aston Martin
- Roland Löwisch
Die spinnen, die Briten: Gibt Aston Martin dem neuen Vantage doch mal eben 30 Prozent mehr Kraft mit im Vergleich zum Vorgänger, dem V8 mit 510 PS. Macht 155 PS. Insgesamt also 665 PS. Das sind gerade mal 15 PS weniger als das momentane Topmodell DB12 unter der Haube beherbergt. Noch Fragen?
Na klar. Zum Beispiel, wie es mit dem maximalen Drehmoment aussieht. Auch nicht schlecht: Mit 800 Nm sind es immerhin 15 Prozent mehr als beim Vorgänger. Und wo wir gerade dabei sind: Der neue Sportler ist 30 Millimeter länger und 103 Millimeter breiter, der Kühlergrill ist 38 Prozent größer und lässt knapp 30 Prozent mehr Luft zum Motor. Ein zusätzlicher Niedertemperaturkühler kooperiert mit dem Ladeluftkühler, zwei weitere Hilfskühler unterstützen den zentralen Hauptkühler.

Logisch, mit der Power auf der Hinterachse sind quere Spielereien easy möglich.
Bild: Aston Martin
Auch der Ölkreislauf wurde modifiziert: Der externe Ölkühler für den Zusatzmotor hat nun die doppelte Oberfläche im Vergleich zu seiner vorherigen Version. Das und weitere Eingriffe wie neue Kolben im bekannten Vierliter-V8 und zwei größere Turbos sorgen für die gewaltige Kraftkur.
Stärkster Vantage aller Zeiten
Der neue Vantage ist nun nicht nur die stärkste und schnellste Variante, die es jemals unter diesem Namen gab, sondern auch die beste. Das wiederum liegt nicht nur an dem neuen, jetzt endlich modernen Interieur mit einem Mix aus analogen und digitalen Bedienelementen und einem neuen, eigenen Infotainmentsystem, sondern auch an dem beibehaltenen Frontmotor-Heckantrieb-Layout, der perfekten Gewichtsverteilung von 50:50, einer verbesserten Steifigkeit von Chassis und Karosserie und einem neuen Fahrwerk samt schnell arbeitender adaptiver Dämpfer.
Wie sich das anfühlt, können wir auf der Rennstrecke Monteblanco bei Sevilla ausprobieren. Unser dunkelgrauer Vantage besitzt – anders als die Serienversion – gepolsterte Sportschalen und Carbon-Keramik-Bremsen, was insgesamt 27 Kilogramm an ungefederter Masse einspart.

Der V8-Biturbo wurde grundlegend getunt. Dazu zwei größere Turbolader, fertig.
Bild: Aston Martin
Nach dem Warmfahren der extra für den Vantage gebackenen Reifen Michelin Pilot Sport S 5 in den Größen 275/35 R 21vorne und 325/30 R 21 hinten auf 21-Zoll- Leichtbau-Schmiedefelgen ist der Sprint dran. Der soll nun in 3,5 Sekunden klappen statt in 4,1 wie beim Vorgänger. Die dabei helfende Launch Control funktioniert denkbar einfach: linker Fuß voll auf die Bremse, rechter Fuß voll aufs Gas, Bremse abrupt lösen, fertig. Der Vantage brüllt mit sattem und laut Aston ventil- sowie klappenlosem V8-Sound auf und schießt mit seinem Gewicht von rund 1,6 Tonnen beeindruckend nach vorne.
Fahrzeugdaten | Aston Martin Vantage Coupé |
|---|---|
Motor | V8, Biturbo |
Hubraum | 3982 cm3 |
Leistung | 489 kW (665 PS) bei 6000/min |
max. Drehmoment | 800 Nm bei 2750– 6000/min |
Antrieb | Hinterrad/ Achtstufenautomatik |
L/B/H | 4495/2045/1275 mm |
Leergewicht | 1605 kg |
0-100 km/h | 3,5 s |
Spitze | 325 km/h |
Preis | 198.000 Euro |
Will man eine echte Show daraus machen, gibt es eine wunderbare Möglichkeit dafür: das einstellbare Traktionskontrollsystem (ATC), das stufenweise die Giersteuerungsfunktion des ESP deaktiviert. Dazu drückt man den ESP-Knopf ein paar Sekunden und stellt am Drehrad in der Mittelkonsole (sonst zuständig für die Wahl der Fahrmodi "Wet", "Individual", "Sport", "Sport+" und "Track", die unter anderem Dämpfung, Sensibilität des Gaspedals und Getriebeaktivität beeinflussen) die gewünschte Stufe ein – Stufe acht lässt die Hinterräder frei drehen, Stufe 0 sorgt für optimalen Grip.

Die luftigen Carbonschalen kosten extra, bieten viel Seitenhalt plus Komfort.
Bild: Aston Martin
Mehr Sinn als beim Ampelstart macht das System auf der Rennstrecke, wo man es perfekt und vor allem gefahrlos als Fun-O-Meter einsetzen kann. Denn damit lässt man das Heck je nach Spaß, Talent oder Mut mehr oder weniger schwänzeln in schnellen oder engen Kurven. Eine herrliche Angelegenheit, solange einem die Rundenzeiten und die Reifen egal sind. Außerdem kann sich auf diese Weise jeder Fahrer schrittweise an seine eigenen Grenzen herantasten oder diese erweitern, ohne gleich befürchten zu müssen, sein 198 000 Euro teures Spielzeug an der Streckenbegrenzung zu zerlegen.
Bei 325 km/h ist Schluss
Die Topspeed von 325 km/h und die dabei vom Heckspoiler generierten 77 Kilo Downforce können wir hier nicht ausprobieren. Die Gerade lässt aber 270 km/h zu, bevor man 200 Meter vor der ersten Kurve voll in die Keramik treten muss – der Vantage hinterlässt dabei auf jedem Meter einen stabilen Eindruck. Die Kraftübertragung übernimmt übrigens auch im neuen Vantage die ZF-Achtstufenautomatik, deren Schaltzeiten verkürzt wurden.

Auffällig: die deutlich breitere Spur hinten mit Platz für 325er-Schlappen.
Bild: Aston Martin
Apropos kurz: Wem der neue Vantage (und die bald folgende offene Version) oder der DB12 noch nicht exklusiv genug ist, muss nicht mehr lange warten. Ende des Jahres präsentiert Aston Martin sein neues Flaggschiff – vermutlich einen Vanquish, sicher aber mit 830 PS starkem V12. Wie schön, dass die Briten sich das Spinnen nicht vermiesen lassen...
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