Aston Martin Vantage: neuer Look und 665 PS
Evolution statt Revolution bei Aston Martin
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Im Hause Aston Martin weht ein frischer Wind – na ja, zumindest eine Brise. Evolution statt Revolution lautet das Motto, mit dem die Briten ihr Lineup auffrischen. Als zweiter Vertreter steht der neue Vantage an.
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Seit 74 Jahren steht der Name Vantage bei Aston Martin für Höchstleistung und Fahrspaß. Nun evolutionieren die Briten ihr Einsteigermodell zum waschechten Supersportler. So kitzelt man heftige 155 PS mehr aus dem Vierliter-V8. Statt 510 (535 in der F1 Edition) dreschen nun 665 PS auf die Hinterachse ein. Dass dieser Leistungssprung nicht mit einem simplen Chiptuning vom Hinterhofschrauber machbar ist, dürfte klar sein.
Größere Turbos und viel Feintuning sorgen für nun 665 PS und 800 Nm.
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Vom Ursprungsmotor aus AMG-Zucht ist wirklich nur noch der Block und ein bisschen Peripherie übrig, denn Aston Martin presst diese Leistung aus der konventionellen Crossplane-Variante und nutzt nicht etwa den Hochleistungsmotor aus dem GT Black Series. Der Hauptanteil der Leistungssteigerung ist auf die deutlich größeren Turbolader mit mehr Ladedruck zurückzuführen, aber auch in anderen Details wurde feingeschliffen: So hat Aston Martin die Nockenwellenprofile modifiziert, die Verdichtung optimiert und die Kühlung verbessert.
Die Mehrleistung von 155 PS braucht viel Kühlung
Schon an der Frontmaske fällt auf, dass die Öffnungen deutlich gewachsen sind – um 56 Prozent, wenn wir ganz exakt bleiben wollen. Dazu wurden die Kühler doppelstöckig verbaut. Die Achtstufen-Automatik von ZF bleibt erhalten, allerdings wurde die Schaltkalibrierung optimiert und die Reaktionsfreudigkeit gesteigert. Der Wandler schickt nun 800 Newtonmeter Richtung Hinterachse.
Bei der Null-auf-hundert-Zeit konnte Aston Martin zwei Zehntel auf nun 3,5 Sekunden abfeilen, die Vmax geben die Briten mit 325 km/h an. So ist er immerhin 11 km/h schneller als der Vorgänger. Ein neues Launch-Control-System sorgt dafür, dass auch ungeübte Fahrer zackig vom Fleck kommen. Es verfügt über einen effizienten Modus, mit dem die besten Zeiten erreicht werden und dazu eine "Show-off"-Funktion, die – sagen wir es mal so – ein wenig mehr Schlupf zulässt …
Deutlich breitere Spur an der Hinterachse und 325erSchlappen
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Dies realisiert Aston über ein einstellbares Traktionskontrollsystem, in dem der Fahrer die Schlupfmenge selbst wählen kann. Fahrwerksseitig haben die Briten den Fokus darauf gelegt, dass der Vantage trotz der Mehrleistung nach wie vor einwandfrei fahrbar bleibt. Das Chassis besteht aus einer verschweißten Aluminium-Konstruktion, die zwar vom Vorgänger stammt, aber durch zusätzliche Verstärkungselemente am Unterboden vor allem in Sachen Torsionssteifigkeit ordentlich zugelegt hat.
Mehr Steifigkeit im Chassis soll die Leistung auf die Straße bringen
An der vorderen Doppelquerlenker-Aufhängung wurden die Anlenkpunkte versteift, eine Dreiecks-Verstrebung im Motorraum macht den Vorderwagen noch mal verbindlicher. Am Heck wurde die Steifigkeit um 29 Prozent gesteigert. Neue, intelligente Adaptivdämpfer steigern die Bandbreite der fahrerischen Möglichkeiten.
Aston Martin selbst spricht von fünf mal mehr Varianz im Fahrwerk. Also war die Spreizung beim Vorgänger entweder extrem ausbaufähig, oder aber die neuen DTX-Dämpfer aus dem Hause Bilstein machen ihren Job wirklich überragend. Herausfinden können wir das an dieser Stelle allerdings noch nicht – ein Fahrbericht im Frühjahr wird dieses Rätsel lösen.
Die optionalen Carbonsitze sind bequemer als sie auf den ersten Blick aussehen.
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Im Vergleich zum DB12, mit dem Aston Martin ja eine ähnliche Strategie fährt – also mehr als nur ein Facelift, aber auch kein ganz neues Modell –, haben die Briten das Vantage-Fahrwerk deutlich mehr in Richtung Sportlichkeit getrimmt. War im DB12 noch der GT-Modus die Basis, geht es im Vantage erst ab Sport los. Darüber steht Sport+ und als neue kompromissloseste Auslegung der Track-Modus, den es im DB12 etwa gar nicht gibt.
Speziell angemixte Michelins in 325 hinten für souveräne Haftung
Auch an der elektronisch servounterstützten Zahnstangenlenkung wurde gehörig weiterentwickelt, wodurch Lenkbewegungen nun noch unverfälschter übertragen werden sollen. Dazu sollen auch die, mit einer speziellen Gummimischung exakt für den Vantage entwickelten Pilot Sport S 5 von Michelin beitragen.

21-Zoll-Räder in Serie, Keramik-Bremsanlage optional.
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Vorn sitzen Pneus in 275 Millimetern, hinten sogar 325er-Walzen – jeweils in 21 Zoll. Für ordentliche Verzögerung sorgen vorn 400 Millimeter große Stahlscheiben, hinten messen die Bremsen immer noch 360 mm. Optional ist eine Carbon-Keramik-Bremsanlage zu haben, die die ungefederten Massen um heftige 27 Kilogramm verringert.
Innen bricht für den Vantage endlich die Neuzeit an
Während der neue Vantage außen besonders durch die neue Front und die breiteren hinteren Radläufe deutlich aggressiver wirkt, kommt er innen moderner daher. Das veraltete Comand-Infotainmentsystem wird von einem zeitgemäßen Breitbildschirm abgelöst. Am Lenkrad finden wir die Sensor-Steuerkreuze, wie sie Mercedes im W 213 Vor-MoPf verwendet hat. In unseren Augen das deutlich bessere System.

Das neue Infotainment misst 10,25 Zoll und beherrscht Zweifinger-Gestensteuerung.
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Der restliche Innenraum ist auf den ersten Blick identisch zum DB12, allerdings hat Aston auch hier im Detail an der Ergonomie nachjustiert. So wurden die Displaywinkel leicht abgeändert, die Tasten griffgünstiger positioniert. Der 10,25-Zoll-Touchscreen verfügt über eine Mehrfinger-Gestensteuerung. Die ersten Auslieferungen sind für das zweite Quartal 2024 geplant. Preise nennt Aston Martin noch nicht.
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