Sie kommen von Chloé. Oder Donna Karan. Designer-Gummistiefel! Die bunten Dinger kosten ab 200 Euro, sehen todschick aus, sind aber trotzdem nicht wasserdichter als die schwarzen Billig-Boots aus dem Baumarkt. Was soll's? Wer stilvoll durch sein Blumenbeet stampfen will, kommt an den teuren Trend-Tretern nicht vorbei. Sie kommen von Audi und BMW. Designer-Kombis! A4 allroad 2.0 TFSI quattro und X1 xDrive 28i kosten ab 40.000 Euro, haben intelligente Allradantriebe, sind aber trotz größerer Bodenfreiheit nicht viel talentierter als ihre billigeren Brüder mit nur einer angetriebenen Achse. Was soll's? Wer rustikal über seine Kieszufahrt rollen will, sitzt in diesen Mode-Modellen richtig.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi A4

Audi A4 Allroad
Audi Abenteuer-Appeal: Mit dem Zusatz "allroad" wird der A4-Kombi zum Softroader.
Bild: Uli Sonntag
Bewährt hat sich der Abenteuer-Appeal besonders bei Audi. Erst beim A6, dann auch beim A4, den es seit 2009 ebenfalls als allroad gibt. Er kostet 1750 Euro mehr als der normale A4 Avant quattro mit 211 PS. Mode und Marketing ist eben alles. Enthalten im Grundpreis von 40.700 Euro ist immerhin die Klimaautomatik, BMW-Käufer zahlen dafür 560 Euro Aufpreis. Der X1 ist ab 40.400 Euro zu haben. Wenn Servotronic (250 Euro) und Performance Control (150 Euro) wie beim Testwagen an Bord sind, übertrifft der X1 den A4 allroad sogar noch um einen Hunderter. Unerheblich, in beiden Fällen dürfte ein angenehm ausgestatteter Neuwagen locker die 45.000-Euro-Grenze knacken. Mit seiner Optik wirkt der X1 dabei wie ein Schrumpf-SUV – kantig, hoch, rustikal. Er ist fast 30 Zentimeter kürzer als der A4, bietet den Insassen aber ein ähnlich üppiges Platzangebot. Mit Höherlegung und auffälliger Offroad-Schminke transformiert auch Audi den Avant vorrangig optisch zum Schlechtwege-Kombi. Egal – ernsthaft ins Gelände will mit diesen beiden eh keiner. Es reicht das Gefühl, dass sie einiges aushalten würden.

Überblick: Alle News und Test zum BMW X1

BMW X1 xDrive
Ein Schock für Fans: Der X1 xDrive 28i hat jetzt nur noch vier statt wie bisher sechs Zylinder.
Bild: Uli Sonntag
Wie der X1 kann der A4 mit 350 Nm Drehmoment aufwarten. Motorisch hat der BMW dennoch die besseren Argumente. Erstmals seit dem seligen 2002 turbo von 1973 bieten die Bayern wieder einen aufgeladenen Vierzylinder-Benziner an. Er ersetzt den Sechszylinder gleichen Namens und arbeitet nach dem Twinscroll-Prinzip (Abgaskrümmer und Turbinenkanäle sind jeweils zwei Zylindern zugeordnet), besteht komplett aus Alu, verfügt natürlich über Direkteinspritzung sowie variable Nockenwellen- und Ventilsteuerung. Damit übertrumpft er den Audi-Motor gleich um 34 PS. Doch was ist dieser Papiervorteil auf der Straße wert? Zunächst ein Blick in den Motorraum: Ups, sieht der leer aus, irgendwie entrümpelt. Wo sich einst der Dreiliter-Reihensechszylinder zwischen Spritzwand und Kühler streckte, sitzt der Zweiliter nun verloren. Aber das muss kein Nachteil sein. Gegenüber seinem Vorgänger wiegt der kleinere Motor rund 30 Kilo weniger, und der X1 wird dadurch einen Tick agiler.
Noch wichtiger: Der aufgeladene Vierzylinder verbraucht 1,6 Liter weniger Super auf der AUTO BILD-Verbrauchsrunde, spurtet aber exakt eine Sekunde schneller auf 100 km/h. Überzeugendere Argumente kann es für Zylinder-Zurücknahme – auch als Downsizing bekannt – nicht geben. Trotzdem fehlt etwas: der seidig-souveräne Sound, die flirrende Drehfreude und das Prestige, einen prächtigen Sechsender unter der Haube zu haben. Stets klingt das Aggregat etwas rau und dünn. Obenheraus entwickelt es für ein Turbotriebwerk allerdings überraschende Drehfreude; zügig erreicht es 240 km/h. Der Motor macht dann stolze 5500 Umdrehungen – typisch für einen Sportmotor. Nur zum X1 will dieser explosive Treibsatz nicht so recht passen. Mit seiner hoch aufragenden Karosserie ist er einem SUV näher als einem Kombi. Gegenüber dem A4 sitzt der X1-Fahrer fünf Zentimeter erhabener – gut für die Aussicht, doch eine sportliche Sitzposition fühlt sich anders an.

Überblick: Alle News und Tests zu Audi und BMW

Audi A4 Allroad BMWX1 xDrive
Straffer Dynamiker: Der BMW verlangt seinen Passagieren deutlich mehr ab als der Audi.
Bild: Uli Sonntag
Kurven meistert der BMW dennoch agil. Eine derart präzise Lenkung würde auch gut zum Audi passen. Ungetrübter Fahrspaß will dennoch nicht aufkommen. Das straffe Fahrwerk schüttelt die Insassen kräftig durch. Unebenheiten reicht es stößig in den Innenraum durch; stellenweise wirkt er sogar trampelig. Bei hohem Tempo wird das Auto laut. Auch sein Geradeauslauf könnte stabiler sein. All das macht der Audi besser. Er liegt souveräner, fährt leiser, wirkt gelassener. Sein länger übersetzter sechster Gang raubt ihm ab 190 km/h die Durchzugskraft. Bei 230 km/h Höchsttempo liegen 4800 Umdrehungen an. Zusammen mit der geringeren Leistung und Wagenhöhe fährt der allroad-A4 nochmals einen halben Liter sparsamer durch die Lande.
Beim Blick aufs Interieur wird schnell klar, dass die mindestens 40 Riesen bei Audi besser investiert sind – die A4-Qualität sieht hochwertiger aus als das mit viel Hartplastik dekorierte X1-Cockpit. Jede Klappe ist sauber eingepasst, alle Fugen wirken wie von unsichtbaren Klammern zusammengepresst. Dazu kommt der größere Kofferraum. Reisen Passagiere in beiden Modellen noch ähnlich komfortabel, schluckt der Audi allroad in jedem Fall mehr Gepäck. Aber kommt es bei diesen Trend-Typen wirklich auf so profane Dinge an? Designer-Gummistiefel kauft schließlich auch kein Mensch, nur um darin trockene Füße zu behalten.

Fazit

von

Jörg Maltzan
Nun ist es passiert: BMW streicht den Reihensechser zugunsten des Turbovierzylinders. Ein Bombenmotor, kräftig und sparsam. Dennoch: Ein BMW ohne sechs ist wie Weißbier ohne Schaum – fade. Allerdings liegt es nicht am Motor, dass der Münchener Szene-Matscho dem Kollegen aus Ingolstadt hier den Vortritt lassen muss. Der BMW X1 verliert viel mehr wegen seiner Schwächen beim Komfort und beim Qualitätseindruck.