Kaum eine Berufsgruppe, die wir Texter tiefer durch Klischee-Pfützen ziehen als die Außendienstler. Immer dann, wenn ein paar Kombis durch die Story dieseln, kramen wir sie hervor. Dabei kann das große Kilometer-Gewerbe durchaus attraktiv aussehen: Sechszylinder für Gourmets, Designpakete für Ästheten und die volle Dosis an multimedialer Assistenz. Gibt’s nicht? Gibt’s doch!

Echten Leichtbau können wir dem Audi nicht attestieren

Audi A4
Schwerer Ringträger: Der A4 Avant 3.0 TDI quattro bringt satte 1815 Kilogramm auf die Waage.
Willkommen im neuen A4 Avant 3.0 TDI quattro – 272 PS, 600 Newtonmeter, allradverpackt in frisch gestylter Hochglanz-Aufmachung. Er geht in Richtung Zukunft: konsequent, fokussiert und vollumfänglich. Virtuelles Kombiinstrument, WLAN Hot Spot, induktive Phone Box zum kabellosen Laden des Smartphones, 3D-Sound, Matrix-LED und eine Fülle an Assistenzsystemen. Eher handfeste Vorteile bieten der neue Alu-Stahl-Rohbau, der fünfzehn Kilo leichter ausfällt als das Gerüst des Vorgängers; die Fünflenker-Achsen, die sich mit bis zu vier verschiedenen Fahrwerken verschrauben lassen; oder eben der Topdiesel, der, obwohl sich seine Leistungsdaten fast schon achtzylindrig lesen, gerade einmal 190 Kilo an den Haken bringen soll. Insgesamt, so das Versprechen von offizieller Seite, wiegt der A4 je nach Ausstattung und Motorisierung bis zu 120 Kilo weniger als früher. Unsere Waage gibt jedoch eher Ernüchterndes zu Protokoll. 1815 Kilo! Das klingt eine ganze Klasse schwerer, und in Sachen Langstrecken-Souveränität könnte so ein A4 mittlerweile auch problemlos in der Oberklasse anbandeln.
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In Sachen Sportlichkeit legt der BMW die Messlatte ziemlich hoch

BMW 3er
Freude am Fahren: Der 330d Touring nimmt das Motto der Marke ernst und zeigt sich sehr dynamisch.
Treffen dürfte das vor allem den Mercedes, weniger jedoch den BMW 330d Touring, der schon aus Tradition heraus eher Freude am Fahren als Granulatproben transportiert. Und das spürt man nach wie vor. Denn entgegen dem grassierenden Upsizing-Wahn, wonach selbst gestandene Mittelklässler à la Ford Mondeo auf fast 4,90 Meter Außenlänge wuchern, bleibt der Münchner nicht nur vergleichsweise schlank, sondern vor allem sich selbst treu. Das Cockpit sitzt auf Maß, die grandiosen Sportsitze auf Taille, davor reckt sich einem der dicke Kranz des M-Dreispeichers entgegen, während Infotainment und Kombiinstrument nicht nur absolut zeitgemäß (und übersichtlich), sondern auch geradezu wohltuend klassisch anmuten. Motorisiert wird ebenfalls im klassischen Sinne. Denn im Gegensatz zum 330i, der unlängst zum Vierzylinder degradiert wurde, spaliert sich der 330d noch sechsreihig auf. Drei Liter Hubraum und 1,7 Bar Ladedruck züchten 258 PS bei 4000 Touren heran, darunter flammen 560 Newtonmeter von 1500 bis 3000/min. Stimmt, der Audi hat etwas mehr Feuer in den Töpfen, doch dafür hält der BMW seinem Motor 60 Kilogramm weniger Masse entgegen – trotz des optionalen xDrive-Allrads.
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Unter den Hauben stecken höchst unterschiedliche Maschinen

Audi A4 BMW 3er
Zwei Antriebs-Charaktere: Während der Audi-V6 eher subtil schiebt, ist der BMW-R6 fast Sportmotor.
Und selbst wenn sich daraus nahezu identische Leistungsgewichte ausdividieren, so kommt einem der BMW eben auch stets diesen entscheidenden Tick leichtfüßiger vor. Sein Reihensechser hängt für einen Selbstzünder richtig wach am Gas, pumpt bereits Drehmoment, wo andere noch nach Drehzahl betteln, und quirlt angenehm linear auf bis zu 5000 Touren. Zur Athletik trägt auch der Achtstufer von ZF bei, der im 330d vor allem durch seine Wandlungsfähigkeit glänzt. Das Getriebe liest die Drehzahlwünsche des Motors regelrecht von der Kurbelwelle ab, schaltet höchst aufmerksam, akkurat, mal sanft, mal zünftig und klatscht beim Wettsprinten die Stufen derart trocken aneinander, dass es den BMW in 5,2 Sekunden auf hundert reißt. Der Audi entfaltet sich nicht ganz so sportmotorisch, dafür aber um einiges subtiler. Im Prinzip hängt er am gleichen Automaten, praktisch setzt er ihn jedoch nahtloser in Szene, steppt die Stufen noch unmerklicher entlang und seziert das Kraftspektrum dabei in kleinere Drehzahlabschnitte.Zugegeben, das liest sich ein wenig tranig, passt insgesamt aber hervorragend zum V6, der sich neben all seiner Power eben auch als Genuss-Diesel versteht. Im Gegensatz zum BMW braucht er ein paar Umdrehungen mehr, ehe er den vollen Ladedruck beisammen hat, obenraus kommt ihm selbiger zudem etwas früher abhanden. Dazwischen jedoch schiebt er nicht nur einen Tick zünftiger, sondern gleichzeitig auch wunderbar beiläufig voran.
Weitere Details zu den beiden Sechszylinder-Kombis finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Fazit

von

Manuel Iglisch
So eine AUTO BILD SPORTSCARS ist schon ein fieses Blatt. Da feiert alle Welt den A4 dafür, dass er nahezu allen Geschmäckern nach dem Mund fährt, und nun kommen wir und halten ihm ausgerechnet das als Makel vor. Ja, der Audi ist der vielseitigere, ausgewogenere und bessere Kombi in diesem Vergleich. Nur leider fehlt es ihm an der betont sportlichen Ausprägung, die so ein BMW von Haus aus einfach viel direkter transportiert.

Von

Manuel Iglisch