Ja, ja, diese siegverwöhnten Bayern. Die brauen das beste Bier, holen einen Meistertitel nach dem anderen, und außerdem zählen die Prachtkarossen von Audi und BMW für viele längst zum Weltkulturerbe. Das ewig währende Duell um die bayerische Autokrone geht mit dem aktuellen Facelift des seit 2013 gebauten BMW 4er Coupé in eine neue Runde. BMW hat den 4er gezielt angeschärft – man muss allerdings innen wie außen schon ganz genau hinsehen, um das Facelift zu erkennen. Optisch gelingt das am ehesten durch die nun serienmäßigen Bi-LED-Scheinwerfer mit neuer Leuchtgrafik, auch die LED-Heckleuchten illuminieren die Nacht jetzt in neuer Streifenoptik. Reicht das, um gegen das erst im Juni 2016 präsentierte, sehr ausgewogene Audi A5 Coupé zu bestehen?

Die Kombination aus Motor und Getriebe passt im BMW

BMW 430i Coupé
Das BMW-Herz: Der Zweiliter-Turbo mobilisiert 252 PS und geht geschmeidig durchs Drehzahlband.
Nun, BMW hat das in München gebaute 4er Coupé auch unter dem Blech angefasst. Neben neuen Features im Innenraum wie der neuesten iDrive-Generation und einem digitalen Cockpit hat BMW Fahrwerk und Lenkung sportlicher abgestimmt, ohne dem Federungskomfort zu schaden. Beginnen wir mit etwas Wesentlichem bei BMW, erst recht bei einem Coupé mit sportlichem Anspruch: dem Motor. Begeistert stellen wir fest, wie willig der 252 PS starke Zweiliter-Vierzylinder-Turbo durch das gesamte Drehzahlband rennt, dabei in jeder Lage spontan ansprechend, drehmomentgeladen und gleichmäßig seine Kraft abgibt. Selbst dann, wenn die Nadel des digital animierten Drehzahlmessers die 6000er-Marke überschritten hat. Dabei ist es eine Freude, die 2350 Euro teure Steptronic-Sportautomatik bei ihrer Arbeit zu erleben: Sie reagiert blitzschnell, es liegt in jeder Fahrsituation die perfekt passende Getriebestufe an. Wer manuell eingreifen möchte, kann auch millisekundenschnell per Schaltpaddel zwei Gänge zurückschalten – der ZF-Automat macht alles mit.
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Künstlich aufgeblasener Sound passt nicht zum 4er

BMW 430i Coupé
Die Fahrleistungen des BMW passen, aber auf den Sound-Symposer sollte der Münchner verzichten.
Vollgas quittiert der Münchener mit einem im Sport-Modus deutlich vernehmbaren Röhren, welches sich mit zunehmender Tourenzahl zu einem hysterischen Kreischen entwickelt. Hm, denken wir. Sportlich? Ja, durchaus, im GTI würde es passen. Aber nicht hier. Es klingt zu banal, zu aufgebläht – zu synthetisch. Genau das ist es auch. Ein Sound-Symposer leitet den Motorklang zur Stirnwand, die Intensität ist vom gewählten Fahrmodus abhängig. In Fahrerlebnisschalter-Stellung "Komfort" ist alles okay – der Klang wird dann nicht künstlich verstärkt. Fassen wir zusammen: Der im Frühjahr 2016 erschienene Zweiliter-Turbo ist ein fantastisch laufender, aber nichtssagend klingender Motor. Eben einer mit nur vier Zylindern – das hört man. Und er tut diesem Coupé zumindest akustisch einen Abbruch, daran ändert auch der Sound-Symposer nichts. Der Zweiliter-Vierzylinder-Turbo im Audi tritt ebenfalls bärig an und dreht motiviert, wirkt dabei jedoch etwas gedämmter und akustisch zurückhaltender.
Natürlich hat auch er einen im Dynamic-Modus kehligen Sound. Wie im Münchener würde auch im Ingolstädter (dort wird das A5 Coupé gebaut) der Gänsehaut-Sound eines Sechszylinders weit besser passen. Doch nicht nur die zurückhaltendere Akustik des Audi sorgt dafür, dass er weniger dynamisch wirkt als der BMW. Auch das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe hat seinen Anteil daran. Wer manuell zwei oder drei Gänge herunterschalten möchte, wartet länger bis zur Umsetzung als im 430i mit ZF-Automatik.

Der Audi bringt seine Kraft besser auf den Asphalt

Audi A5 TFSI quattro
Sprintsieger: Bis Tempo 100 nimmt der Audi dem BMW 0,3 Sekunden ab – Allradantrieb sei dank.
Im 4er indes dauert es länger, bis aus dem Stand 100 km/h erreicht sind – genau drei Zehntelsekunden. Der Audi krallt sich mit seinen vier angetriebenen Rädern unnachgiebig in den Asphalt und stürmt davon, wo der nur hinterradangetriebene BMW kurz mit dem Schlupf kämpft. Auch bei der negativen Beschleunigung hat der Münchener das Nachsehen: Er steht nach guten 34,6 Metern, der Ingolstädter jedoch schon nach 33,8 Metern – Respekt. Genug der Messwerte. Wie fahren sie denn nun? So, wie es deren Käufer wahrscheinlich auch erwarten. Der BMW mit Adaptivfahrwerk (1100 Euro) und variabler Sportlenkung (250 Euro) macht enormen Spaß auf der Handlingstrecke und auf kurvigen Landstraßen. Wer will, kann bei deaktiviertem ESP auch mal das Heck tanzen lassen. Im Sport-Modus spricht die Lenkung aus der Mittellage heraus enorm spontan an. Dazu passen die tiefe Sitzposition und die eng geschnittenen Sportsitze. Der BMW umschließt seine Insassen, man zirkelt ihn spielerisch und millimetergenau über den Asphalt.

Im A5 ist jede Fahrsituation perfekt zu meistern

Audi A5 Coupé 2.0 TFSI quattro
Super abgestimmt: Der Grip des A5 könnte besser kaum sein, die Lenkung spricht linear an.
Im Audi sitzt man höher, aber auch etwas luftiger, denn seine Sportsitze sind großzügiger geschnitten. Das A5 Coupé (mit Dämpferverstellung für 980 Euro) meistert jede Fahrsituation schlichtweg perfekt. Der Grip könnte besser kaum sein, die Lenkung spricht linear und weniger spitz an als die des BMW. Sie erfordert bei dynamischen Manövern aber größere Lenkwinkel. Außerdem fällt die Spreizung zwischen Comfort und Dynamic beim Audi nicht so groß aus wie beim BMW: Im Dynamic-Modus federt der A5 schmusiger als der dann deutlich härtere 4er. In Komfort-Stellung stimmt übrigens auch der BMW selbst auf schlechten Pisten schnell versöhnlich und federt sehr komfortabel. Auf den ersten Blick wirken beide Bayern handwerklich solide gebaut und die Materialien edel. Bei genauerem Hinsehen gibt es jedoch Unterschiede. So sind die Karosserie-Spaltmaße beim BMW etwas breiter und ungleichmäßiger als beim enger eingepassten Audi. Öffnet man den Kofferraum, fällt die hochwertigere Auskleidung des Audi auf. Dafür ist beim BMW das Motorsteuergerät fein verkleidet, beim Audi ragt es unschön empor – ein rein optischer Makel.
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So richtig unangenehm fällt bei diesen beiden Schönlingen eigentlich nur die Finanzierung auf. Im Kostenkapitel entscheidet sich der Sieg des BMW: Seinen knappen Vorsprung holt er sich über seine Garantie.

Fazit

Diese beiden Bayern sind die Topautos ihres Segments. Das Streben nach Perfektion ist überall spürbar. Beide erreichen 509 Punkte in der Eigenschaftswertung – sind jedoch im Charakter verschieden. Der BMW ist mit seinem spontanen Ansprechen von Lenkung und Motor das agilere Auto, der Audi ist in seiner harmonischen Abstimmung unaufdringlicher. Was wir bei beiden vermissen: Gänsehaut-Sound.