Machen wir uns nichts vor: Autofahren ist wie Sex, nur auf einem etwas anderen Level. Und so gesehen haben wir den besten der Welt. Morgens, mittags, abends, permanent, aber immer auch ziemlich verrucht: Gallardo, GT2 RS, R8 GT. Alles Ekstase, Schweiß, Gebrüll statt Kuscheln danach. Doch wie das eben so ist, hin und wieder sehnt man sich einfach nach etwas Abwechslung. Nicht unbedingt die schnöde Hausmannskost – mausgraue Koreaner können also aufhören, am Redaktionssitz vorbeizubalzen – sondern einfach nach ein bisschen Zärtlichkeit, nach Sinnlichem, Erdbeeren, Satinbettwäsche, Schmusemusik, Veuve-Cliquot. Romantik eben.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi A7

Audi A7
Kein Stress, keine Hektik: Der Audi A7 entschleunigt seinen Fahrer gründlich.
Nicht in Stimmung? Moment: Großstadt, morgens um drei. Laternen tunken die Straßen in sanftes Orange, durchs spaltbreit geöffnete Fenster weht der eiskalte Atem einer klaren Februarnacht, nebenan bummelt die letzte Tram Richtung Depot, kleine Bars spucken Gutgelaunte in die Finsternis, während sich die faltenfreie Silhouette des A7 entspannt stadtauswärts räkelt. Tasten, Anzeigen und Regler tupfen sich als Lichtspiel ins nächtliche Cockpitpanorama, durch die B&O-Anlage tröpfelt feines Easy-Listening, der Wählhebel des Doppelkupplers lehnt im D-Programm, und vorne döst der Dreiliter bei zwölfhundert Touren vor sich hin. Kein Stress, keine Hektik, keine Ampeln. Autofahren als Mixtur aus Höhepunkt und Zigarette danach. Erotisierend, entschleunigend und derart stimmungsvoll, dass es eigentlich eine Schande ist, dass wir jetzt über Technik reden müssen. Über Dinge wie die Aluminium-Hybridbauweise der Karosserie, mit der sich der A7 jene Pfunde von der Rohkarosse schabt, die er sich durch seine üppige Ausstattung gleich wieder draufspachtelt.

Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes CLS

Mercedes CLS
Sanfter Gleiter: Der Mercedes CLS mag die geschmeidige Gangart am liebsten.
Über den Dreiliter-Direkteinspritzer, der sich von der S-tronic entweder eilig an die langen Übersetzungen weiterreichen lässt oder flockig hochdreht und die Wartezeit bis Tempo 200 per Kompressor auf 23 Sekunden verdichtet; oder auch über das modernisierte Quattro-System mit Kronenrad-Mittendifferenzial, dessen spezielle Zahnradgeometrie dafür sorgt, dass die Grundverteilung des Antriebsmoments zugunsten der Hinterachse ausfällt. Doch der Audi ist keiner, der für jede Fahrt zum Bäcker erst mal konfiguriert werden will. Seine Elektronik arbeitet weitgehend inkognito, verstrickt die variablen Kennlinien von Lenkung, Motor und Getriebe je nach Fahrstil und zieht sich erst dann aus der Regie zurück, wenn der Pilot seine eigenen Setup-Vorstellungen über das Drive-Select-Pult in die Blackbox programmiert. Überhaupt wirkt alles bis in die hinterste Dachhimmelfaser durchtechnologisiert: Relevante Infos werden hochauflösend und farbig in die Frontscheibe projiziert; die Buchstaben fürs Reiseziel lassen sich mit der Fingerkuppe auf ein Touchpad kritzeln; der Tempolimitassistent interagiert mit Funkuhr und Regensensor, sodass zwischen generellen und situativen Tempolimits – etwa bei Nacht oder Nässe – unterschieden werden kann.
Und drinnen irgendwo zwischen umherhetzenden Bits und Bytes sitzt der Mensch wie ein analoges Relikt in einer digitalisierten Welt und fragt sich ernsthaft, wie Autofahren überhaupt möglich war, damals, als man noch selbst auf die Idee kommen musste, das Licht einzuschalten, wenn es dunkel wurde. Auch der Mercedes gibt sich allergrößte Mühe, seinen Piloten möglichst nicht mit Autofahren zu belästigen. Wie der Audi tastet er vorm Spurwechsel die toten Winkel ab, stupst einen bei versehentlichem Überqueren der Fahrbahnmarkierung mit einem zarten Lenkimpuls wieder in die Spur zurück, leitet im Ernstfall eine Vollbremsung ein oder sucht sich selbst die passende Parklücke aus, um seine knapp fünf Meter dann automatisch hineinzuwinden. Doch so gut das alles auch gemeint sein mag, wirklich antörnend ist es nicht.
Ohnehin hat sich der Sex-Appeal des CLS mit der Zeit etwas zurückgebildet. Ihm fehlt dieser Aha-Effekt der ersten Generation, dieses Frivole, das sich einst wie ein Playboy-Bunny aus einer streng katholischen Modellfamilie erhob. Kritiker schimpfen den Neuen den Vorgänger seines Vorgängers, Traditionalisten begrüßen die Rückkehr zur barocken Züchtigkeit vergangener Tage, und allen Objektiven bleibt sowieso nichts anderes übrig, als ihn als das zu verstehen, was er schon immer war. Die Reizwäsche-Version eines der besten Autos der Welt. Doch obwohl der CLS mitsamt seiner E-Klasse-Verwandtschaft im Zuge des Modellwechsels ein ganzes Stück Richtung Dynamik rutschte, das Ansprechverhalten seiner Lenkung nun weitaus enger um die Mittellage zurrt und mit seinem 3,5-Liter-Sauger spürbar leichtfüßiger übers Drehzahlband trabt, bleibt er einer, der sich lieber in sanfte Bögen schmust, als sich von schnellen Wechseln herumwerfen zu lassen.
Mehr Details zur nächtlichen Ausfahrt mit Audi A7, Mercedes CLS und Porsche Panamera gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Details und Tabellen finden Sie in AUTO BILD SPORTSCARS 6/2011 oder als Download im Heftarchiv.

Von

Stefan Helmreich