Ach, was wurde da die letzten Jahrzehnte an Auto-seligen Stammtischen immer und immer wieder gepredigt: Ein Diesel habe viel mehr Drehmoment als ein hubraumgleicher Benziner und würde deshalb in den großen Gängen viel besser ziehen als der vergleichbare Benziner. Echte Kenner der Materie wussten allerdings schon immer, dass dies – mit Verlaub – Quatsch ist. Denn schon damals wurden einfach die Daten eines Benziners ohne Turbolader einem Diesel mit Turbolader gegenübergestellt. Auf diese Weise protzte bereits 1989 ein Audi 100 2.0 Turbodiesel mit 192 Nm Drehmoment bei nur 2200 Touren, dem ein Audi 100 2.0 Benziner nur 172 Nm entgegensetzen konnte – und die erst bei 4000 Touren. Heute ist die Welt gerechter.

Überblick: Alle News und Tests zum Audi Q5

Audi Q5 2.0 TDI Audi Q5 2.0 TFSI
Die LED-Rückleuchten gibt es im Paket mit Xenonscheinwerfern, das 1050 Euro Aufpreis kostet.
Bild: Sven Krieger
Denn auch bei Benzinern ziehen mehr und mehr die Abgasturbolader unter die Hauben ein, um kleinen Motoren in großen Autos zu brauchbarer Puste zu verhelfen. Heute sind wir beim Q5 immer noch bei 2,0 Liter Hubraum, aber der Diesel bringt 350 Nm Drehmoment bei 1750 Touren und der Benziner 320 Nm schon bei 1500/min. Ein Unterschied, der kaum der Rede wert ist. Und das merkt man vor allem beim Fahren. Denn von einem hochtourigen Benziner kann keine Rede sein. Der 2.0 TFSI (Turbo Fuel Stratified Injection; Turbo, Benzin-Direkteinspritzung) zieht aus dem Stand ohne Kupplungszauberei an und schiebt bereits bei 1500 Touren so kräftig an, wie man es heutzutage auch von modernen Turbodieselmotoren gewohnt ist und auch schätzt. Der Turbobenziner im Q5 steht dem Turbodiesel hier also nicht nach.

Vorsprung für den Benziner

Das bestätigen auch die Messinstrumente beim Beschleunigen in den lang übersetzten Gängen fünf und sechs: praktisch Gleichstand. Bei der Beschleunigung mit Ausdrehen der Gänge kann der Benziner erwartungsgemäß einige Meter Vorsprung herausfahren. Zehn Mehr-PS und 28 Kilogramm Mindergewicht bringen knapp fünf Sekunden Vorsprung beim Sprint auf Tempo 160. Weltbewegend ist das nicht, aber immerhin. Die Fahrleistungen taugen also nicht zur Differenzierung, wohl aber der Komfort. Damit ist nicht das Fahrwerk gemeint, das beim Q5 betont straff, aber noch nicht unangenehm abgestimmt ist. Der Mehrpreis von 1400 Euro für die einstellbare Stoßdämpfung lohnt sich dabei gerade für Komfortliebhaber kaum. Denn entscheidend sanfter wird das Fahrwerk des Q5 auch dann nicht, wenn man die Dämpfung auf Komfort trimmt.

Auch heute läuft ein Diesel rauer

Einen deutlichen Komfortunterschied macht freilich der Motor aus. Auch in heutigen Zeiten ist eine Vierzylinder-Dieselmaschine trotz beruhigender CommonRail-Einspritzung und abgesenkter Verdichtung ein vergleichsweise hart zündender Explosionsmotor – jedenfalls im direkten Vergleich mit einem Benziner. Letzterer startet auch bei eisiger Kälte sanft und leise, läuft in allen Drehzahlbereichen kultiviert und vibrationsarm. Der Diesel dagegen tackert hörbar beim Gasgeben bei Kälte und lässt spürbare Vibrationen in den Innenraum dringen. Man gewöhnt sich daran, auch beim Q5 2.0 TDI. Aber wenn man nach ein paar Tagen wieder in den 2.0 TFSI steigt, freut man sich sofort über den sanften Motor.

Ab welcher Laufleistung der Diesel günstiger wird als der Benziner, lesen Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es in AUTO BILD ALLRAD 3/2011 oder als Download im Heftarchiv.

Fazit

von

Martin Braun
Beim Q5 wird mit Halbwissen aufgeräumt: Mehr Dampf beim Diesel? Unsinn, der Benziner zieht genauso gut, auch in den großen Gängen. Saufender Benziner? Unsinn, der Diesel kann in der Praxis nur 1,4 l/100 km einsparen. Teure Dieselversicherung? Auch Unsinn, beim Q5 ist der Benziner sogar teurer. Bleibt der TDI-Aufpreis: 2140 Euro. Den spart der Diesel in viereinhalb Jahren wieder ein.