Glückwunsch Volvo! So sieht gelungene Globalisierung aus. Da übersteht eine altehrwürdige europäische Marke erst hemdsärmelige Ami-Manager, dann den Kauf durch Chinesen, entpuppt sich vom Kombi- zum SUV-Label und verkauft seit 2009 eine Million XC60. Bravo! Jetzt ist der Neue da, und die Käufer interessieren sich eher dafür, ob Driftwood-Holz zum beigen Leder passt, als für unseren Streit: Kann der XC60 mit Audi Q5 und Mercedes GLC mithalten? Ist der Volvo nur Hype – oder harter Herausforderer?

Das Design des Volvo gefällt uns gut

Volvo XC60
Schöner Schwede: Volvo hat dem XC60 ein sehr ansprechendes Blechkleid geschneidert.
Optisch ist der Schwede im feinen Club angekommen: Fast exakt so lang und breit wie die Deutschen, wächst zwischen der senkrechten Nase und den sichelscharfen Rückleuchten des XC60 so viel Anderes, Eigenes, dass der Volvo-Schlüssel bedenkenlos auf der Theke liegen kann – da muss man nichts erklären. Außer den überdesignten Schlüssel selbst: Der hat so winzige Tasten, dass sie keiner blind trifft. Jetzt aber einsteigen. Hinten fällt die Tür etwas schmal aus, drinnen ist der Volvo geräumig und übersichtlich wie die Deutschen. Sein Kofferraum (maximal 1432 Liter) packt einen Koffer weniger, wichtig ist die topfebene Ladefläche, während im Audi eine Stufe an der Ladekante stört.
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Im Audi findet der SUV-Fahrer Perfektion

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Video: Volvo XC60 gegen Audi Q5 und Mercedes GLC (2017)

Neuer XC60 im ersten Vergleich

Den praktischen Eindruck verstärken gute Sitze und zahlreiche Ablagen, aber wo war der Designer skandinavischer Klarheit beim zentralen Touchpad? Da nerven verworrene Untermenüs und fehlende Festtasten. Zudem spiegelt sich die Armaturentafel in der Frontscheibe, ganz zu schweigen von der gewagten Farbkombi aus grauem Holz, beigem Leder und geriffeltem Chrom. Das erinnert stark ans Rentnerparadies Palm Springs. Es muss ja nicht die nüchterne, perfekte Anthrazit-Höhle des Q5 sein, der den Fahrer drei Zentimeter tiefer setzt. Audis Virtual Cockpit strahlt noch schärfer, die Bedienung funktioniert leichter, alles sitzt rappelfrei, auch auf schlechten Straßen. Der Mercedes dagegen pflanzt seine Insassen recht sportlich hinter die steile Frontscheibe und hohe Cockpitkante, vor analoge Runduhren.
Weitere Details zu den drei edlen SUVs finden Sie in der Bildergalerie.

Fazit

von

Joachim Staat
Wer Volvo fährt, muss ab sofort nicht mehr erklären, warum er harte Fahrwerke, raue Diesel und gestrige Elektronik schluckt. Der XC60 liegt endgültig gleichauf mit den Deutschen – und verlangt keine Kompromisse mehr. Die Schweden haben ihre Modell-Revolution erfolgreich fortgeführt, die Preise waren schon immer selbstbewusst. Nun müssen sie, wie versprochen, den SCR-Kat bringen.

Von

Joachim Staat
Berend Sanders