Audi R8 V10 Plus/Praga R1: Vergleich
Der Teufel fährt Praga

Im Vergleich mit dem 550 PS starken Audi R8 tritt der Praga R1 den Beweis an: Leistung ist für Sportwagen nicht alles. Ein Vergleich auf der Rennpiste.
- Stefan Voswinkel
Es ist kalt. Saukalt sogar. Und es stinkt erbärmlich. Nach Benzin, Öl und verbranntem Reifengummi. Renn-Atmosphäre auf dem Slovakia-Ring, 40 Kilometer östlich von Bratislava. Laut ist es auch. Mit unrundem, sägendem Motorlauf wärmt sich der Praga R1 für ein Duell mit dem Audi R8 V10 Plus auf. Der was? Praga? Nie gehört? Keine Sorge, wir bis vor ein paar Wochen auch nicht. Da hatte sich die kleine slowakische Rennwagen-Marke bei uns gemeldet. Ob wir nicht Lust hätten, als erste Autozeitschrift ihr Erstlingswerk zu testen.
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Der Praga hat lediglich 210 Vierzylinder-PS, er wiegt allerdings auch nur knapp 600 Kilogramm.
Bild: Toni Bader
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Der Audi R8 sieht zwar aus wie ein kompromissloser Sportler, ist aber mehr schneller Reisewagen.
Bild: Toni Bader
Die Federung ist vergleichsweise sensibel abgestimmt, die Heizung pustet warme Luft in den perfekt verarbeiteten Innenraum, das Leder hat Handschmeichel-Qualität, aus den Boxen des dänischen Sound-Spezialisten Bang & Olufsen säuselt wohltemperierte Musik. Davon sollte man sich allerdings nicht täuschen lassen. Der Audi schafft den 5922 Meter langen Rennkurs in respektablen 2:25,79 Minuten. In der Boxengasse wartet aber schon der Praga. Federleicht schwingt die kleine Flügeltür in Richtung Himmel. Hier einsteigen? Für Schlangenmenschen kein Problem. Alle anderen erwartet ein mühsamer Abstieg in den nur 97 Zentimeter flachen Renner. Rechter Fuß über den hohen Schweller auf den Sitz, langsam den linken nachziehen. Gleichzeitig beide Beine unter dem winzigen Lenkrad in den Fußraum einfädeln, den Oberkörper drehen – und den Kopf nicht am Dach anstoßen. Fallen lassen. Puh, passt.
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Klare Sache für den Kleinen: Der Praga R1 nimmt dem Audi R8 auf der Renstrecke zwölf Sekunden ab.
Bild: Toni Bader
Vor der ersten Kurve heißt es Mut beweisen. Viel Mut. Denn Praga ist ein "AerodynamicCar". Heißt konkret, dass du gefühlt immer viel zu schnell fahren musst, damit der Abtrieb den Sportwagen auf die Straße drückt. Und so schreit dein Gefühl breeeeeeemsen – während der Verstand Vollgas befiehlt. Das kann doch nicht gut gehen? Doch, denn der Praga saugt sich am Asphalt fest, klebt selbst an schnell gefahrenen Kuppen auf der Strecke. Unbeirrt und neutral folgt er jedem noch so winzigen Lenkradeinschlag, als ob physikalische Grenzen in der kleinen Slowakei nicht gelten. Nach ein paar Kurven ohne Abflug fasst du dann doch Vertrauen in den R1, und der Spaß kann beginnen. Kaum zu glauben, dass der leichte Ost-Renner nicht vergnügungssteuerpflichtig ist. Die Bremspunkte verschieben sich – auch dank profilloser Slick-Reifen – immer weiter Richtung Kurveneingang. Selbst ohne ABS blockieren die Räder nicht. Mit ein wenig Gewöhnung purzeln dann auch die Rundenzeiten. Am Ende bleibt die Stoppuhr bei 2:13,02 Minuten stehen. Der Praga ist über zwölf Sekunden schneller als der Audi. Hart erarbeiteter Ruhm. Kalt ist hier niemandem mehr.
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