Audi RS: 20 Jahre RS-Tradition
Die schärfsten Audi RS

1994 beginnt der RS 2 jene Sportgeschichte, an der die quattro GmbH seither in Zeichen seiner Initialen weiterschreibt. Zwei Jahrzehnte später strahlen wir mit sechs spannenden Kapiteln durch die Zeit.
- Stefan Helmreich
Der Mai-Dienstag hängt auch mittags noch verträumt in den Jura-Hügeln, die wie eine vergessene Welt hinter der boomenden Audi-City liegen. Abgehalfterte Traktoren tuckern durchs Panorama, ohne irgendjemanden aufzuhalten; an den Fassaden der Gehöfte verteufeln bedruckte Bettlaken die Begleiterscheinungen sich wendender Energie; während die Altmühl, die nicht nur anscheinend, sondern tatsächlich der gemütlichste Fluss Deutschlands ist, tiefenentspannt durch ihr Tal idyllt. Man sagt, die Uhren hier würden langsamer gehen als anderswo – bis auf einmal zwanzig Jahre in wenigen Sekunden vorüberziehen.
Mit sechs Audis durch die Zeit
Mit dabei: Audis Start in die RS-Saga aus dem Jahr 1994, ganz am Ende fährt der jüngste Teil, und dazwischen zwei neue Kapitel und zwei aus der Vergangenheit, die die Facetten von Audis Sportlabel illustrieren sollen und mithelfen, dass diese Geschichte eine bewegte wird.

Zwischen RS Q3 und RS 2 liegen 20 Jahre, aber nur ein Viertelliter Hubraum und 10 Newtonmeter.
Bild: Lena Barthelmess

Abstimmung und Motortuning stammen aus Zuffenhausen, das Cockpit zimmerte Audi: der RS 2.
Bild: Lena Barthelmess

Klangkulisse und Motorcharakter des RS 4 Sport gehören zu der ungestümeren Sorte.
Bild: Lena Bathelmess
Ein emotionales Highlight
Die Sportreifen fehlen unserem imolagelben Fast-Neuwagen zwar ebenso wie eine abgesperrte Rundstrecke, um final rauszufahren, ob sich die 15.803 D-Mark – inklusive 16 Prozent Mehrwertsteuer – für die sportliche Nachbehandlung damals auch rentierten. Dennoch sind sich alle, die mit den Power-Audis heute durch Bayern zeitreisen, in einem einig: Mit seiner scharfen Lenkung und dem unerbittlich beißenden Motor ist der RS 4 Sport das emotionale Highlight hier – und wenn es sich der Autor recht überlegt und jede der summa summarum zwölf Baureihen in Gedanken noch mal testfährt, womöglich sogar das höchste der RS-Gefühle überhaupt.

Das Kurvengefühl des RS 5 wirkt trotz hydraulischen Wankausgleichs und Sportdiff ein wenig beschwert.
Bild: Lena Bathelmess

Der 450 PS mächtige RS 6 imponiert geradeaus, schnauzt aber klobig ums Eck.
Bild: Lena Barthelmess

Bild: Lena Barthelmess
Fazit
Hätten wir diese sechs in unser ordinäres Vergleichstestschema gesteckt, wäre wohl nichts großartig anderes rausgekommen als die wenig originelle Erkenntnis, dass sich die Fahrdynamik in den letzten 20 Jahren weiterentwickelt hat. Die Frage nach dem Highlight der RS-Historie beantworten wir deswegen mit einer neuentwickelten Faszinations-Bewertung, die Fahremotionen mit Performance kreuzt und den RS 4 als ihren ersten Sieger ausspuckt. Sein Reiz geht von der staubtrockenen Sport-Abstimmung, dem wüsten Schub des Biturbos und dem realen, unverschnittenen Fahrgefühl aus, womit er letztlich sogar den 180 PS stärkeren RS 7 hinter sich halten kann. Das V8-Fließheck schiebt ungleich brutaler, verschleiert jedoch den Fahrbahnkontakt. Etwas abgeschlagen folgen das RS 5 Cabrio, das sein beleibtes Kurvengefühl mit herrischem Klang aufwiegt, und – einen halben Stern dahinter – der RS 6, der zwar bullig vorangeht, sich mit den cheffigen Sesseln und dem dickköpfigen Einlenkgefühl aber eher als Autobahner versteht. Bleiben die Fünfender. Sie sind wegen ihrer jeweiligen Anatomie im Handling etwas gehandicapt, singen aber ganz vorn mit und sind trotz ihrer einfacheren Allradsysteme genauso sorgenfrei schnellzufahren wie alle anderen hier.
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