Kein BMW verkörpert die Essenz der Marke so sehr wie das Topmodell der 3er-/4er-Reihe: Kompakte Karosserie, Heckantrieb, und agiles Handling kennzeichnen schon die Basis. Beim M4 treibt BMW die Freude am Fahren auf die absolute Spitze, und das nicht nur durch schiere Motorleistung. Ähnlich sieht es aus mit leistungsstarken Coupés aus dem Hause Audi, deren sportliche Gene vom legendären Ur-quattro stammen. Beim Duell BMW M4 gegen Audi RS 5 geht es um die Beantwortung der Frage, welche Marke ihre traditionellen Werte am überzeugendsten umsetzt. Und darum: Welches Auto fesselt dich, weckt deine Gier, macht dich süchtig?

Gleich stark heißt hier nicht gleich sportlich

Audi RS 5 Coupe BMW M4 Coupe Competition
Rivalen der Rennbahn: BMW M4 Competition und Audi RS 5 interpretieren Sportlichkeit auf ganz eigene Art.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Um das alles herauszufinden, testen wir die beiden Boliden auf dem Contidrom bei Hannover. Öffentliche Straßen sind zu banal für diese Hochleistungsathleten. Der Audi ist der Neue dieses Duos und kommt mit markentypischem Allradantrieb. Der Testwagen hat zudem das optionale Dynamikpaket, welches u. a. ein Sportdifferenzial, eine Dynamiklenkung und ein adaptives Sportfahrwerk enthält. Maximale Schärfe also beim RS 5. Das gilt auch für den M4, der als Competition vorfährt: Das ESP ist nicht ganz so brav, auch Dämpfer, Federn und Räder unterscheiden sich vom M4. Alles eine Nuance schärfer, 19 PS stärker und 30 km/h mehr Topspeed als im naturbelassenen M4.

Den Audi bringt fast nichts aus der Ruhe

Audi RS 5 Coupe
Der Perfektionist: Den Handlingkurs umrundet der RS 5 wie auf Schienen, bleibt jederzeit neutral.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Wir sind auf dem Trockenhandling-Rundkurs des Contidroms. Und drücken den Startknopf des RS 5. Ein leises Säuseln erklingt. Wir wählen den Dynamic-Modus, sodass die Abgasklappen öffnen. Ah, jetzt brabbelt er. Unaufdringlich, beim Gasgeben durchaus sanft fauchend. Ab geht's auf die erste Runde. Der V6 legt sich voll ins Zeug, die Achtstufen-Wandlerautomatik sortiert die Stufen blitzschnell. Der Audi umrundet den Kurs wie auf Schienen, sehr schnell und mit perfekter Traktion. Allerdings stützt er sich auf die Vorderachse, bleibt völlig neutral. Das ist zwar sehr sicher, aber das weckt nicht das Tier in dir. Das bleibt angeleint in seiner Schutzhütte. Der Audi packt dich in Watte, schirmt dich ab, federt selbst im Sport-Modus noch komfortabel, bemüht sich um Perfektion.

Der BMW ist pures Auto-Glück für Könner

BMW M4 Coupe Competition
Die Spaßgranate: Ein M4 Competition will gezähmt werden. Wer es kann, hat viel Freude am Fahren.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Ganz anders der M4. Er ist ein organisch wirkendes Bindeglied zwischen Mensch und Fahrbahn, das Nervensystem wird per Lenkrad, Pedale und Po bis in die Räder verlängert. Als Fahrer verwächst du mit dem Auto, das sich mit jeder Runde im Contidrom immer mehr anfühlt wie ein heißblütiges Tier mit sehr feinen Nerven. Lässt man es von der Leine, schaltet also das sportlich agierende ESP ganz aus, dann musst du Raubtier-Bändiger sein, willst du ihn auf Kurs halten. Denn beim Einlenken drückt der M4 mit dem Heck, kommt schnell quer – und raucht. Wer dieses ungezähmte Raubtier jedoch zu bändigen beherrscht, surft mit unfassbarem Fahrspaß auf der Quertrieb-Welle, genießt die blitzartig und präzise agierende Lenkung, den gewaltigen Schub des brüllenden Reihensechsers. Das absolute Auto-Glück für Könner, mehr geht nicht!
Der BMW reißt dich mit, du spürst, hörst, fühlst seine Kraft und seine Dynamik auf jedem Meter. Wer ihn richtig fordert, sollte Raubtiere bändigen können. Der Audi ist markentypisch perfekt und ebenfalls sehr schnell. Doch er wirkt im Vergleich wie gezähmt und euphorisiert nicht so wie der BMW.