Audi RS 5 mit Plug-in-Hybrid: Fahrbericht
So fühlt sich Audi-Performance im Hybrid-Zeitalter an

Statt benzintriefendem Jubel gab's zur Premiere des neuen Audi RS 5 von den Petrolheads erst mal einen Shitstorm. Kann man verstehen. Bis man zum ersten Mal am Steuer sitzt.
Bild: Audi
Gewicht ist auch nur eine theoretische Größe und obendrein ganz schön relativ. So hat Audi zwar relativ viel Kritik einstecken müssen für die knapp 2,5 Tonnen, die der neue RS 5 auf die Waage bringt, weil er erstmals einen Plug-in-Hybrid bekommt und damit mal eben um ein Drittel zugelegt hat. Und weil er fast zwölf Zentimeter länger wird, weshalb er nun als Fünfer einsortiert ist und nicht mehr als Vierer. Doch Steffen Bamberger, der Entwicklungschef bei Audi Sport, nimmt den Gegenwind relativ gelassen.
Denn relativ viel dieser Kritik löst sich in Luft auf, wenn man zum ersten Mal am Steuer sitzt. Denn Bamberger wuchert nicht nur mit einem viel größeren Pfund, weil der RS 5 in der Kombination eines 2,9 Liter großen Sechszylinders mit 510 PS und einer im Getriebe integrierten E-Maschine mit 177 PS gegenüber dem Vorgänger eben auch 50 Prozent an Leistung zulegt und jetzt auf in dieser Klasse relativ irrwitzige 639 PS kommt – mehr noch als der selige RS 6, der gerade erst die Segel gestrichen hat.

Der neue Audi RS 5 setzt erstmals auf einen Plug‑in‑Hybrid und bringt rund 2,5 Tonnen auf die Waage.
Bild: Audi
Sondern der Cheftechniker hat dem RS 5 auch eine dynamische Drehmomentverteilung mitgegeben, die mit einem E-Motor und einem Planetengetriebe an der Hinterachse in Millisekunden bis zu 2000 Nm so von links nach rechts und wieder zurückschubst, dass aus dem Elefanten eine Elfe wird und der Bolide wie eine Ballerina über die Dynamikfläche tanzt. Und selbst Picasso wäre stolz auf die schwarze Kalligrafie in 21 Zoll, die er dabei in den Asphalt brennt.
Audi RS 5: explosiver Vortrieb auf der Geraden
Dass der RS 5, der im Sommer zu Preisen ab 107.850 Euro als Avant und für 1650 Euro weniger erstmals auch wieder als – nun ja – Limousine an den Start geht, auf der Geraden förmlich in Vortrieb explodiert, darüber wird sich kaum einer wundern. Erst recht nicht, wenn die Boost-Taste die vollen 825 Nm freischaltet. Trotzdem fühlen sich die 3,6 Sekunden auf Tempo 100 relativ schnell an. Genau wie die bald 20 Meter, die er seinem Vorgänger in den ersten 2,5 Sekunden ganz ohne Launch-Control abnimmt. Und auch 285 km/h sind imposant, selbst wenn man dafür noch mal extra bezahlen muss.

Kombination aus V6‑Biturbo und E‑Motor: Das System liefert insgesamt 639 PS.
Bild: Audi
Aber was der RS 5 an Querdynamik zu bieten hat, das hätte bei diesem Gewicht keiner erwartet. Mit einer deutlich direkteren Lenkung (mit 13 statt wie in der Großserie 15:1 übersetzt), scharf wie ein Skalpell, und mit dem 2-Ventil-Fahrwerk immer perfekt ausbalanciert, fliegt das Schwergewicht über den Kurs, als wäre er der Biggest Loser beim Wettkampf der Weight Watchers: Da können die Kräfte noch so sehr seitwärts fliehen, tapfer stemmen sich die breiten Walzen gegen die Querkraft und bringen den Kraftmeier spurtreu durch jede Schikane.
Driftmodus für die Generation PlayStation
Zumindest, solange er im RS-Mode unterwegs ist. Mit lockerer Sicherheit zwar, aber mit kühlem Blick und klarem Verstand. Doch wehe, wer den Wahnsinn herausfordert und in den Torque-Rear-Mode wechselt. Dann wird das Dickschiff zum Drifter, das Heck macht sich ganz leicht und im beißenden Qualm aus den weit ausgestellten Radkästen gibt der Sportler den Querschläger, der sich feinfühlig kontrolliert ganz knapp bis hinter den Grenzbereich bringen und trotzdem mühelos wieder einfangen lässt.

In 3,6 Sekunden beschleunigt der RS 5 aus dem Stand auf 100 km/h.
Bild: Audi
Selten hat man mit breiterem Grinsen das Geld für einen neuen Satz Reifen buchstäblich verbrannt als hier. Und weil Audi nicht nur Petrolheads ansprechen will, sondern auch die Generation PlayStation, gibt's dazu eine App, auf der sich die Schwimmwinkel und die Querkräfte detailgenau aufzeichnen und später analysieren lassen. Fehlt eigentlich nur noch der Link zu Instagram & Co., zumal die Dashcam auch schon eingebaut ist und das passende Roadmovie zur Raserei liefert.
Alltagstalent mit Steuervorteil
Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Die andere zeigt dieser Audi gerne im Alltag, auf der Autobahn oder auf dem Weg zur Arbeit. Denn bei aller Schärfe bewahrt der RS 5 eine Milde, die ihn mit wohligem Restkomfort und einer auf Stärke gebauten Souveränität zum perfekten Pampersbomber macht oder zum designierten Dienstwagen für Entscheider in Eile. Und da hat der Plug-in einen weiteren Vorteil und qualifiziert den RS 5 zum Steuerrabatt.

Trotz hoher Leistung bleibt der RS 5 im Alltag komfortabel und souverän.
Bild: T. Geiger
Klar ist der RS 5 mit Stecker allem Power zum Trotz irgendwie Mainstream und mit seinem Plug-in-Hybriden fast schon politisch korrekt. Und das zu einer Zeit, in der die Konkurrenz gerade eine Rolle rückwärts macht, AMG den Plug-in aus dem C 63 wirft und sie Bentley die Bude einrennen, seitdem es den Continental wieder nur mit Benzintank statt Batterie gibt.
Doch was dem Antrieb an Provokationspotenzial fehlt, machen die Designer mehr als wett. Denn der RS 5 leistet sich nicht nur Schultern breit wie bei Schwarzenegger in den besten Tagen, Schürzen und Schweller scharf wie von einem japanischen Messerschmied und eine Flanke, die aussieht, als hätte Popeye dem Serienmodell eine ganze Palette Dosenspinat hineingeprügelt. Sondern am Heck trägt er zwei Endrohre, groß und düster wie der Schlund zur Hölle. Oder zumindest das, was die Klimaschützer für die Hölle halten, während die Petrolheads schon vom Himmel schwärmen.

Die zwei großen Endrohrblenden prägen das Heckdesign des RS 5.
Bild: Audi
Und auch wenn die wahrscheinlich dicksten Rohre, die je eine Pkw-Zulassung in Deutschland bekommen haben, natürlich nur eine Blende sind, bollert dadurch ein Sound hart an der Schallschutzverordnung. Nein, dieser Audi hat keine Kreide gefressen, sondern brüllt seine Power vorlaut heraus.
Aber nicht nur Gewicht ist relativ, sondern auch Geräusch. Und während der RS 5 mit offenen Klappen relativ laut ist, beweisen die Bayern sonst relativ viel Zurückhaltung. Nicht umsonst fährt der RS 5 mit seinem 22-kWh-Akku auch gute 80 Kilometer rein elektrisch und entsprechend leise. Mit den 177 PS der E-Maschine gelingt das mit bis zu 140 km/h und es gibt einen guten Grund, dieses Potenzial auszureizen. Denn je schneller man fährt, desto schneller ist der Akku leer, der RS 5 wird dann relativ laut und zeigt so seinen wahren Charakter.
Fazit
Natürlich ist der RS 5 sackschwer und außerdem sauteuer. Und so richtig sexy klingt die Sache mit dem Stecker bei so einem Manifest gegen den Mainstream erst mal auch nicht. Aber die zusätzliche Kraft wiegt so viel mehr als die Extra-Kilos, und das Torque Vectoring an der Hinterachse lässt den Elefanten tanzen wie eine Ballerina. Am Ende ist es mit der ersten Testfahrt deshalb ein bisschen wie früher in der Zahnpasta-Werbung, wenn der Nachwuchs aus der Praxis kommt, übers ganze Gesicht grinst und freudestrahlend ruft: Es hat ja gar nicht wehgetan.
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