Audi RS3: Limousine im Test
Langzeit-Test Audi RS3 Limousine: Green Energy
Schon klar: So war das mit der grünen Energie nicht gemeint. Aber die Audi RS 3 Limousine machte uns im Langzeittest so viel Spaß – das hat Zukunft.
Bild: AUTO BILD
Einen schönen Sommer lang im Audi RS 3 auf Dienstreisen und zu Rennstrecken fünfzylindern. Das muss ich mir ganz dick rot in meinem internen Kalender anstreichen – beziehungsweise kyalamigrün. Allzu oft werden sich Testwagen mit dem ikonischen 2,5-Liter wahrscheinlich nicht mehr in die Redaktion verirren, denn Audi lässt seine emotionalen Modelle langsam aussterben.
TT und R8 sind die ersten Opfer, und auch der Fünfzylinder hat keine langfristige Zukunft mehr. Ach, was faseln wir hier von langfristig – selbst "mittelfristig" wäre schon optimistisch formuliert. Bestellbar war der RS 3 schon kurz nach Beginn unseres 30.000-Kilometer-Langzeittests nicht mehr, und daran hat sich auch bis heute nie wieder etwas geändert.
Die Kunden haben den Händlern die vorhandenen Kapazitäten schlicht aus den Händen gerissen. Kennen Sie das "Shut up and take my money!"-Meme aus "Futurama"? – Trifft es ganz gut. Falls nicht, bitte kurz googeln.
Kraftvoller Hingucker
Ich erinnere mich noch gut an die Blicke, als wir mit IN-BO 5581 zur Vorab-Testfahrt mit dem neuen elektrischen Macan auf den Porsche-Parkplatz in Zuffenhausen einbogen. Die Entwickler grinsten wie Kinder vor dem Schaufenster des Spielwarenladens, nur der Kollege mit seinem vollelektrischen Genesis-Dauertester guckte etwas bedröppelt.

Der 2,5-Liter ist eine der letzten Ikonen des Motorenbaus. Ist er nicht mehr am Markt, wird die Sportwagenwelt langweiliger.
Bild: Caroline Jüngling / Auto Bild
Egal, wo der RS 3 auftaucht, er ruft Begeisterung hervor. Na gut, bei Umweltschützern vielleicht nicht, aber: grün isser. Und da sind wir schon beim nächsten Thema: Wir haben ihn wirklich nicht geschont, sind viel Langstrecke gefahren; meist die A 9 runter zum Flughafen München. Oft frühmorgens, wenn der Flieger um 7.15 Uhr ging, oder nachts, wenn wir erst um 22 Uhr wieder von einem Fahrtermin zurückkamen. Da ist nichts los, da kann man laufen lassen … Die abgeregelten 250 km/h Vmax haben wir des Öfteren ausprobiert. Und trotzdem stand am Ende des Langzeittests ein Gesamtverbrauch von 9,6 Litern auf dem Bordcomputer. Und ja, wir haben auf all den Kilometern den Zähler mitlaufen lassen; nicht einmal zurückgesetzt. Für glatte 400 PS und 500 Newtonmeter finden wir das wirklich bemerkenswert.
Auch auf Auslandstouren hat er uns begleitet. Kollege Naumann war mit ihm in Wien und sogar in Dijon-Prenois. Ich selbst oft in Italien: Lambo, Ferrari, Maserati. Über den Brenner ging es meist mit dem "grünen Monster" statt mit dem Flugzeug. Der Umwelt zuliebe, Sie wissen schon … Na gut, ich gebe es zu: Auch weil die Langstrecke mit dem RS3 einfach Spaß macht. 500 Kilometer mit einem Tank sind kein Problem, und bei Pausen kommt man immer mit netten Leuten ins Gespräch. Mein häufigster Satz: "Is' leider nicht meiner. Schön wär's."
Licht und Schatten
Alles eitel Sonnenschein? Mitnichten. Auch der RS 3 hat ein paar nervige Eigenheiten. Die blödsinnige Tachografik im RS-Modus zum Beispiel. Die soll eine Landebahn darstellen, die Drehzahlen sollen quasi auf einen zukommen. Hat sich das Marketing schön ausgedacht, aber dabei die Praxis vergessen. Wer im RS-Modus fährt und manuell schaltet, muss seinen Blick weiter von der Straße nehmen, je höher er dreht. Am Rev-Limiter ist der Weg der Augen hin und wieder weg von der Anzeige also am längsten – und somit auch der Blindflug. Bitte ändern; wenn sich Drehzahlen aufbauen, machen sie das nach oben hin.

Unsinnig: Die Runway-Drehzahlgrafik ist invertiert. Bei hohen Touren sinkt die Anzeige nach unten.
Bild: Caroline Jüngling / Auto Bild
Auf seinen letzten paar Kilometern musste sich der Audi sogar noch mit winterlichen Elementen herumschlagen. Und das, obwohl er nach wie vor sommerliches Schuhwerk trug – einen weiteren Reifenwechsel wollte sich Audi sparen. Zum Glück war nur in der Früh um fünf bei der Abfahrt nach Köln die Frontscheibe vereist. Ein Eiskratzer war noch keiner im Auto, also gleich mal testen, wie effektiv Heizung und Gebläse arbeiten. Fazit: überhaupt nicht. Nach zehn Minuten geben wir auf, schlappen in den Keller und holen doch den Eiskratzer aus der Winterkiste.
An weiteren Unzulänglichkeiten haben wir nur ein Detail vergessen, bei Auftakt- und Zwischenbericht zu erwähnen: das Fehlen eines konventionellen USB-Anschlusses. Klar, fast alle Handys haben mittlerweile den modernen USB-C-Port, doch das andere Ende des Ladekabels hat üblicherweise noch den alten, rechteckigen Typ-A-Stecker. Und dieses Ende muss ja ins Auto – so ist das zumindest bei mir. Da bleibt im RS 3 nur der Weg über einen Adapter für den Zigarettenanzünder.

Motorisch hatten wir nicht einen Mucker, nur das Siebengang-
DSG missfällt mit teils ruppigem Anfahrverhalten.
DSG missfällt mit teils ruppigem Anfahrverhalten.
Bild: Caroline Jüngling / Auto Bild
Eine andere Art der Energiewende funktioniert mit dem RS 3 dagegen ganz hervorragend und spielend einfach: Sie müssen nur in den Fahrprogrammen den Torque-Rear-Modus aktivieren, einlenken und voll aufs Gas.
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