Bleiben wir gedanklich doch noch mal kurz sitzen im alten S6, stochern den Klappschlüssel ins Schloss und zünden die Erinnerungen an einen V10-Saugmotor, der das, was seine Lamborghini-Wurzeln und die 435 PS versprechen, so richtig niemals hält. Er ist viel, aber vor allem zu viel Gewicht auf der Vorderachse und dazu zu schlaff, um das geradeaus wieder wettzumachen. Zuletzt muss er sich selbst von einem nicht gerade austrainierten BMW 550i vorführen lassen. Der Neue aus dem Hause Audi ist jedenfalls ein ganz anderer Typ. Ein unbeschriebenes Blatt vielleicht, dafür unverbraucht, ungleich motivierter, moderner veranlagt, schlanker und fühlbar stärker – obwohl er das nominell eigentlich gar nicht ist. Gegenüber dem Vorgänger sinkt die Leistung sogar um 15 auf 420 PS, aus zehn werden acht Zylinder, und von 5,2 Litern bleiben lediglich vier.
Porsche Panamera GTS
Technisch basiert der GTS auf dem 4S. Heißt: Allrad und als Herzstück ein V8-Direkteinspritzer.
Bild: Ronald Sassen
So ein Panamera wirkt neben dem S7 fast etwas eindimensional. Er definiert sich eher über Versionen als über Karosserien und scheint sich mit seinem vergleichsweise fülligen Körperbau immer auf die alte Weisheit zu verlassen, wonach auch Erfolg sexy macht. Es gibt viele, die schöner sind, sicherlich schönere, die schnell sind, aber bislang keinen Einzigen in seiner Liga, der schneller ist. Oder anders: Konkurrenten hat ein Panamera, fürchten muss er sie bislang nicht. Es hätte also niedrigere Hürden gegeben als Generalprobe für den S7, zumal Porsche den GTS zur sportlichsten aller Panamera-Ausprägungen erklärt. Technisch basiert er auf dem 4S. Bedeutet: Allradantrieb und als Herzstück ein V8-Direkteinspritzer, der über modifizierte Einlassnockenwellen und eine begradigte Luftansaugung 30 Extra-PS aus seinen 4,8 Litern saugt. Beim Panamera geht die Technik ans Herz, im S7 ist sie es.
Audi S7 Sportback
Gegenüber der S6 Vorgängergeneration sinkt die Leistung um 15 auf 420 PS und von 5,2 Litern Hubraum bleiben vier.
Bild: Ronald Sassen
Zwei Dinge sind dabei elementar. Zum einen die verbrauchssenkende Zylinderabschaltung, die den Achtzylinder während gelassener Fahrt zu einem Zweiliter halbiert. Zum anderen das einstellbare Sportdifferenzial, das die längsvariable Kraftverteilung des Allradantriebs um eine radselektive an den Hinterrädern ergänzt. Klingt etwas sperrig, zugegeben, bewirkt letztlich aber das genaue Gegenteil. Mehr noch: Es entscheidet am Ende sogar darüber, ob der S7 nur sportlich fährt oder es tatsächlich ist. Beim Einlenken spürt man die reduzierte Kopflastigkeit, beim Rausbeschleunigen die Vorzüge einer hinterachsbetonten Quattro-Anatomie, dazwischen die samtig-straffe Abstimmung und am Limit schließlich, dass er dem Porsche in freier Wildbahn zumindest einigermaßen – mehr kann auch niemand von ihm verlangen – folgen kann: Kurzum: Ein S7 prickelt, der GTS kickt. Mehr Fotos der beiden Traumautos Sehen Sie oben in der Bildergalerie.

Fazit

von

Stefan Helmreich
Mit seinem grandiosen Biturbo-V8 bringt der S7 jenes Renommee zurück, das der maue V10-Vorläufer zuletzt fast ruinierte. Er ist schnell, agil, bewahrt sich im Gegensatz zum trockenen GTS aber eine gewisse Eleganz. Die Fahrdynamikbastion Panamera trotzt ihm aber locker.