Neue Maßstäbe für Elektro-SUV setzte der BMW iX, als er im Sommer 2021 erschien. Da war der Audi Q8 e-tron bereits mehr als zwei Jahre auf dem Markt. Mittlerweile hat Audi den großen Stromer geliftet – reicht das, um mitzuhalten?
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Hinter Facelift und neuer Modellbezeichnung steckt ein alter Bekannter: der Ur-e-tron quasi. Verbessert hat Audi Ende 2022 Antrieb, Batterie und Ladetempo. Der von uns gefahrene SQ8 e-tron gibt die Sportversion mit üppigen 503 PS. Gleich drei E-Motoren – einer vorn, hinten zwei – stemmen monströse 973 Newtonmeter auf die breiten Gummiwalzen.

SQ8 bietet typisches Audi-Cockpit

Audi-typisch das Cockpit mit zwei Bildschirmen in der Mitte: oben der Zentralschirm mit 10,1 Zoll, unten ein 8,6-Zoll-Schirm, primär für Heizung und Klima. Kein geringer Vorzug des Audi: Zweite-Reihe-Fahrgäste sitzen volle 30 Zentimeter über dem Fußboden, allerdings auf sehr straffen Polstern.
Audi SQ8 e-tron
Gewohntes Bild: Auch der SQ9 e-tron folgt dem bekannten Audi-Layout der Mittelkonsole – mit großem Bildschirm oben und kleinem darunter.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Trotz aller Sportler-Attitüde verfügt auch dieser e-tron über ein Geländeprogramm ("allroad"), das die Karosserie rund vier Zentimeter über Normalniveau hebt. Etwa nach einem Einkauf im Bauernladen lässt sich die Ladekante per Taste auf 81 Zentimeter senken. Eigenwillig: Schnellladekabel sind links einzustöpseln gegen 500 Euro Aufpreis gibt's einen zweiten Ladezugang rechts für AC-Strom der Wallbox.

Kameraspiegel überzeugen nicht

In gut stützende Sportsitze gebettet, legt der Fahrer die Fahrstufen mit einem ungewöhnlichen Hebel ein, auf dem er die Hand ruhen lassen kann – macht Sinn. Das lässt sich von den Seitenspiegel-Kameras (1650 Euro Aufpreis) nicht behaupten. Die Monitore in den Türverkleidungen sind zu tief platziert. Der Fahrer muss also den Kopf nicht nur drehen, sondern auch senken – was Zeit verschenkt. Der Blick auf den Monitor lenkt ab, zudem lassen sich Tempo und aktuelle Distanz nahender Fahrzeuge schlecht einschätzen.
Audi SQ8 e-tron
Monitore zeigen das Bild der Außenkameras. Sie liegen allerdings zu tief, Abstände und Geschwindigkeiten sind schwer zu schätzen.
Bild: Rolf Klein / AUTO BILD
Assistenten sind bei unserem Testwagen zuhauf an Bord. Wer die Lenkeingriffe eines Spurhalteassistenten ablehnt: Er lässt sich abschalten mittels Taste oben auf dem Blinkerhebel. Die Verkehrszeichenerkennung arbeitet verlässlich, mit Verkehrszeichenübernahme wie auch im BMW. Und: Obwohl nicht neu, fasziniert das Audi-Navi mit seinem Google-Earth-Fotorealismus noch immer.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart vorn/hinten 
Asynchronelektromotoren 
Synchronelektromotoren 
Einbaulage 
vorn und hinten 
vorn und hinten 
Spitzenleistung gesamt 
370 kW (503 PS) 
385 kW (524 PS) 
Dauerleistung 
140 kW (190 PS) 
140 kW (190 PS) 
maximales Drehmoment 
973 Nm 
765 Nm 
Vmax
210 km/h 
200 km/h 
Getriebe 
Einganggetriebe 
Einganggetriebe 
Antrieb 
Allradantrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
285/40 R21 H 
255/50 R21 Y 
Reifentyp 
Bridgestone Alenza 001 
Pirelli P Zero Elect 
Radgröße 
9,5 x 21" 
9,5 x 21" 
Reichweite* 
458 km 
631 km 
Verbrauch 
26,2 kWh/100 km 
19,8 kWh/100 km 
Batterieart 
Lithium-Ionen 
Lithium-Ionen 
Batteriekapazität nutzbar 
106 kW 
108,8 kW 
Ladeleistung AC/DC 
11 (22 optional)/170 kW 
11/195 kW 
Ladezeit (10-80 %, DC-Laden) 
31 Minuten 
35 Minuten 
Ladeanschluss 
vorn links (AC/DC), vorn rechts (AC)
hinten rechts (AC/DC) 
Vorbeifahrgeräusch 
66 dB(A) 
66 dB(A) 
Anhängelast gebremst/ungebremst 
1800/750 kg 
2500/750 kg 
Stützlast 
80 kg 
100 kg 
Kofferraumvolumen 
569-1637 l 
500-1750 l 
Länge/Breite/Höhe 
4915/1976–2189**/1631 mm 
4953/1967–2230**/1695 mm 
Radstand 
2928 mm 
3000 mm 
Grundpreis
98.100 Euro
107.900 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
103.090 Euro
112.850 Euro
Beim Fahren spürbar: der Torque-Vectoring-Effekt der beiden E-Motoren hinten. Das heißt: Der SQ8 verteilt die Kraft bedarfsgerecht in Millisekunden links und rechts, weist bei Bedarf dem kurvenäußeren Rad mehr Kraft zu – eine Umkehrung des ESP-Prinzips, das ja kurveninnere Räder abbremst. In schnellen Kurven lässt das E-Motoren-Duo das Leergewicht von 2,7 Tonnen (auf Range-Rover-Niveau) vergessen.
Audi SQ8 Sportback All Black/Digi Matrix/139UPE/S-Sit
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Am Gleichstrom-Schnelllader zeichnet die Ladekurve ein schönes Plateau von konstanter Ladeleistung zwischen 20 und 80 Prozent, fällt dann ab. Das Resultat ist die etwas kürzere Ladezeit im Vergleich: 31 Minuten.

iX ist nicht nur optisch mehr SUV

Der BMW iX – ein echter Bayer, gebaut in Dingolfing – gibt schon optisch mehr den Offroader, bietet bis zu 210 mm Bodenfreiheit bei hochgepumpter Luftfederung (nicht schlechter als bei einem X3), darf durch 37 Zentimeter tiefes Wasser waten (Audi: 30 Zentimeter) und bietet sich mit E-Auto-untypischen 2,5 Tonnen Zuglast sogar Pferdesportlern an. An einer Steigung von 33 Grad fährt er mit lässiger Selbstverständlichkeit an.
BMW iX xDrive50
Der BMW ist nicht nur optisch mehr offroad, er bietet auch mehr Bodenfreiheit und Wattiefe als der Audi – und er kann mehr ziehen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Das kleine Plastikrädchen in der rechten Lenkradspeiche für die Bedienung von Bordrechner, Cockpitdesign und Radiosender macht nervös und steht in merkwürdigem Widerspruch zu den Kristallglas- Drehreglern, gebettet in Nussholz.

Freude am Fahrkomfort

Das Schiffsartige des BMW mit 1,97 Meter Breite und drei Meter Radstand wird entschärft von der leichtgängigen, aber nicht nervösen Lenkung und den lenkbaren Hinterrädern. Die ebenfalls optionale Luftfederung ist klar komfortorientierter als die des Audi, kippt aber nie ab ins Schaukelige. Für BMW-typische Kurvengier fühlt sich der schwere Büffel iX nicht zuständig, gibt mehr den Längsdynamiker mit motorradartiger Beschleunigung (0–100 km/h in 4,4 s), zu der er aber nie verleitet.
BMW iX xDrive50
Längsdynamiker: Auch der schwere BMW geht in 4,4 Sekunden auf Tempo 100. Kurven sind nicht so sein Ding, er mag es eher kommod.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Die ganze Atmosphäre, vor allem im Relax-Fahrmodus, lädt zum Herumlümmeln ein im luftig-loungeartigen Wohnzimmer, während der iX automatisch rekuperiert (mithilfe von Kamera- und Navi-Daten) und segelt. Auch die Längsdynamik hat Grenzen: Bei 200 km/h ist Schluss, auf ein Zweiganggetriebe à la Porsche haben die Bayern verzichtet.
BMW iX xDrive45
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BMW iX xDrive45
5.900 km
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Das Navi prognostiziert die Restladung am Zielort. Die Batterie lässt sich manuell vorbereiten fürs Laden an der Schnellladesäule, was in einem Dezember wie diesem vorwärmen heißt. Anders als der Audi hält der BMW beim Laden kein Plateau, zieht sich stattdessen früh 191 kW aus dem Stromkabel. Die Ladezeit von 10 auf 80 Prozent fällt etwas länger aus als die des Audi: 35 Minuten.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
1,8 s 
2,0 s 
0–100 km/h 
4,4 s 
4,4 s 
0–130 km/h 
6,8 s 
6,6 s 
0–160 km/h 
10,4 s 
9,6 s 
0–200 km/h 
18,4 s 
15,7 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,2 s 
1,9 s 
80–120 km/h 
2,7 s 
2,4 s 
Leergewicht/Zuladung 
2740/550 kg 
2615/530 kg 
Gewichtsverteilung vorn/hinten 
51/49 % 
49/51 % 
Wendekreis links/rechts 
12,3/12,3 m 
12,2/12,2 m 
Sitzhöhe 
665 mm 
725 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
35,8 m
35,0 m
aus 100 km/h warm
34,5 m
34,1 m
aus 200 km/h warm 
138,0 m 
138,6 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
55 dB(A) 
53 dB(A) 
bei 100 km/h 
62 dB(A) 
60 dB(A) 
bei 130 km/h 
66 dB(A) 
64 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
26,9 kWh /100 km 
21,6 kWh /100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
31,9 kWh/100 km
(+22 %)
28,1 kWh/100 km
(+42 %)
Sportverbrauch 
35,3 kWh/100 km 
34,4 kWh/100 km 
CO2 (lokal) 
0 g/km 
0 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
349 km 
416 km 
Bei unserem Testauto treten Windgeräusche schon knapp über 130 km/h auf, was uns an anderen Testwagen dieses Typs nie aufgefallen ist – wohl ein Ausreißer. Auf der Komfortstrecke aber wirkt der iX wie ein Tresor: steif und knisterfrei, während der Audi leicht zirpt.
Wo der BMW den Audi alt aussehen lässt, ist die Sprachbedienung: Sie versteht uns besser und kann mehr. Auf den Schlüsselbefehl "Hey BMW!" reagiert sie spontan, öffnet Fenster, misst die Öltemperatur. Sogar das Ambientelicht lässt sich mündlich ändern.

Bildergalerie

Audi SQ8 e-tron BMW iX xDrive50
BMW iX xDrive50
Audi SQ8 e-tron
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Audi SQ8 e-tron und BMW iX im Vergleich

Fazit

Obwohl jünger, zieht der BMW nur knapp am Audi vorbei. Letzterer schlägt sich wacker, hält bei Kosten, Fond-Komfort und Ladeverhalten noch immer Vorteile bereit. Der noch teurere Bayer siegt wegen seiner Fortschritte bei Verbrauch und Konnektivität – und er ist das vielseitigere SUV.